HANDBALL: «Der Aufstieg wäre ein Riesenerfolg»

Heute feiert der HC KTV Altdorf sein 50-Jahr-Jubiläum. Präsident Stefan Arnold hofft, dass das Jubeljahr mit dem Aufstieg in die höchste Liga gekrönt wird.

Urs Hanhart
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Präsident Stefan Arnold ist stolz auf seinen Verein und blickt optimistisch in die Zukunft. (Bild: Urs Hanhart)

Präsident Stefan Arnold ist stolz auf seinen Verein und blickt optimistisch in die Zukunft. (Bild: Urs Hanhart)

Den HC KTV Altdorf gibt es mittlerweile seit 50 Jahren. «Eine Erfolgsgeschichte», ist dazu auf der Homepage zu lesen. Wie ist das gemeint?

Stefan Arnold: Unser Fanionteam spielt schon seit vielen Jahren auf konstant hohem Niveau. Es hat sich in der Nationalliga B etabliert und hält jetzt sogar ganz an der Spitze mit. Die Mannschaft hat sich im Verlaufe der Zeit kontinuierlich gesteigert. Diese Erfolge können sich mehr als sehen lassen. Vor allem, wenn man bedenkt, dass der HC KTV Altdorf ein verhältnismässig kleiner Verein ist.

Ist es nicht ein Nachteil, quasi ein Anhängsel des KTV Altdorf zu sein?

Arnold: Früher waren die Handballer eine Riege des KTV. 1962 erfolgte dann der Gang in die Selbstständigkeit. Seither ist der HC KTV Altdorf ein eigenständiger Verein. Wir sind also keineswegs ein Anhängsel. Die Beziehungen und Kontakte zum Stammverein sind immer noch sehr gut. Bei gewissen Aktionen arbeiten wir jeweils eng zusammen. Aber in sportlicher Hinsicht sind wir absolut selbstständig.

Die erste Mannschaft führt die Nationalliga B nach der Vorrunde klar an und ist auf dem Sprung in die höchste Spielklasse. Könnte sich der Verein ein Mitwirken in der Nationalliga A überhaupt leisten?

Arnold: Ein Aufstieg wäre zweifellos mit einem sehr grossen Aufwand verbunden. Wir kämen nicht umhin, entsprechende Ressourcen bereitzustellen. Allein für den Spielbetrieb müssten wir 20 000 bis 30 000 Franken mehr hinblättern als bisher. Der erstmalige Aufstieg in die höchste Spielklasse wäre für uns ein Riesenerfolg und im Jubiläumsjahr natürlich umso schöner.

Um aber einigermassen bestehen zu können, wären Verstärkungen nötig.

Arnold: Unser vordringlichstes Ziel ist es, das jetzige Kader soweit wie möglich zusammenzuhalten. Wir würden uns sicherlich bemühen, die Mannschaft punktuell zu verstärken. Aber wir legen grossen Wert darauf, dass auch eigene Leute vertreten bleiben. Ende Februar wird man vermutlich abschätzen können, wohin die Reise geht. Erste Gespräche mit bestehenden Sponsoren haben wir bereits geführt. Als Nationalliga-A-Verein würde der KTV Altdorf für Geldgeber sicherlich um einiges attraktiver. Wir sind zuversichtlich, im Falle eines Aufstiegs mehr Sponsorengelder hereinholen zu können.

Seit dieser Saison spielen drei Deutsche im Fanionteam. Ist man der Philosophie, vor allem auf eigene Leute zu setzen, untreu geworden?

Arnold: Durch unseren deutschen Spielertrainer Daniel Brack und dessen Beziehungen zu seiner Heimat war es für uns viel einfacher, ausländische Spieler zu engagieren als solche aus der Schweiz. Altdorf ist handballerisches Randgebiet. Deshalb ist es relativ schwierig, nationale Spitzenspieler hierherzulocken. Selbstverständlich sind wir weiterhin bemüht, möglichst viele Aktive aus dem Nachwuchs im Fanionteam zu integrieren. Aber es gibt halt jeweils nur einzelne Spieler, die auf diesem Niveau bestehen können.

Früher spielte auch das Frauenteam in der Nationalliga B. Inzwischen ist es in die 2. Liga abgesackt. Hat der Verein die Frauen vernachlässigt?

Arnold: Leider sind innerhalb von zwei Saisons mehrere Leistungsträgerinnen zurückgetreten, zum Teil überraschend. Dadurch ist viel Substanz verloren gegangen, was letztlich zum Abstieg geführt hat. Vernachlässigt haben wir das Damenteam sicher nicht. Mit so vielen gewichtigen Abgängen war es halt nicht möglich, das Niveau zu halten. Ich bin aber zuversichtlich, dass es bald wieder aufwärtsgeht. Einerseits haben wir mit Sebastian Munzert einen versierten Trainer, andererseits stossen junge Spielerinnen nach. Vor allem im athletischen Bereich müssen die Frauen noch Fortschritte machen.

Im Nachwuchs gibt es Spielgemeinschaften mit dem BSV Stans. Was bringt das?

Arnold: Die Junioren, die in diesen Teams dabei sind, profitieren von einer viel grösseren Trainingsintensität. Zudem können sie auch Matches auf höherem Niveau spielen. Aus meiner Sicht ist diese Lösung eine sehr gute Sache. Sonst könnte man in diesen Kategorien unter Umständen gar keine Mannschaft stellen, weil zu wenig Spieler zur Verfügung stehen.

Sie haben lange selber Handball gespielt. Wie verlief Ihre Karriere?

Arnold: Ich bin relativ spät mit erst 16 Jahren zum Handball gekommen. Nach vier Jahren bei den Junioren schaffte ich – zu meiner eigenen Überraschung – gleich den Sprung ins Fanionteam. Dort habe ich rund zwölf Jahre mitgespielt. Funktionärsaufgaben habe ich schon früh übernommen, zunächst als Juniorentrainer, dann als technischer Leiter im Vorstand. Später wurde ich dann Kassier. Seit fünf Jahren bin ich nun Vereinspräsident. Ich hatte dieses Amt nicht unbedingt angestrebt. Aber nach dem Rücktritt von Marco Lauener gab es keine Alternative, und ich bin eingesprungen.

Wie lange wollen Sie im Amt bleiben?

Arnold: Ich bin noch für ein Jahr gewählt. Falls sich jemand aufdrängt, ist es für mich kein Problem, innerhalb des Vereins wieder eine andere Funktion zu übernehmen. Das Amt macht mir nach wie vor Spass, auch wenn es mit einem grossen zeitlichen Engagement verbunden ist. Sehr erfreulich ist jeweils der grosse Zuschaueraufmarsch im Feldli. Wir verfügen über ein treues Publikum. Die tolle Unterstützung sorgt beim Fanionteam jeweils für zusätzlichen Schub.

Trainer Brack geht

KTV Altdorf urh. Der HC KTV Altdorf muss einen neuen Trainer suchen. Spielertrainer Daniel Brack (31), der den Urnern in den letzten anderthalb Jahren zu einem wahren Höhenflug verholfen hat, wird den Verein Ende Saison verlassen (siehe auch Ausgabe von gestern). Seine Begründung: «Ich habe kürzlich in der Nähe von Stuttgart ein 18-monatiges Referendariat angetreten und wohne jetzt auch wieder in Deutschland. Der zeitliche Aufwand für die Fahrten in die Innerschweiz wird so auf Dauer zu gross.» Gemäss Brack ist es durchaus denkbar, dass er nach Abschluss des Referendariats wieder zum Urner Traditionsklub zurückkehrt. Bis zu seinem Abgang will er sich weiterhin mit vollem Elan für Altdorf einsetzen. «Mein Ziel ist es, die starke Hinrunde zu bestätigen und erstmals in der Vereinsgeschichte den Aufstieg in die NLA zu schaffen.»

Heute wird gefeiert

Jubiläum urh. Der HC KTV Altdorf veranstaltet heute Abend in der Baldinihalle einen grossen Event zum 50-Jahr-Jubiläum. Rund 300 Personen haben sich angemeldet, darunter viele ehemalige Aktive sowie Sponsoren und Donatoren. Auch die jetzigen Spieler werden dabei sein. «Unser Ziel ist, die alte und die neue Handballgeneration zusammenzubringen und ihnen eine Möglichkeit zum Gedankenaustausch zu bieten», sagt Präsident Stefan Arnold. Der Anlass allerdings ist nicht öffentlich.

Seit Oktober waren verschiedene Geschäftsschaufenster in Altdorf speziell fürs Jubiläum dekoriert. Zu sehen gab es dort viel Archivmaterial, unter anderem alte Spielerpässe, Pokale und Matchplakate. Zudem hat der Verein eine sehr breit gefächerte Jubiläumsschrift herausgegeben. Diese beinhaltet auch kleine Anekdoten.