HANDBALL: Lukas von Deschwanden : Auf seine Tore ist Verlass

Der Urner Lukas von Deschwanden (27) ist der NLA-Topskorer. Mit Wacker Thun trifft er heute (19.30, Lachen) im Spitzenkampf auf Kriens-Luzern. Und im Sommer könnte sein Weg ins Ausland führen.

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Thun-Topskorer Lukas von Deschwanden (am Ball), hier für das Nationalteam gegen Deutschland im Einsatz. Bild: Ennio Leanza/Keystone (Zürich, 5. November 2016)

Thun-Topskorer Lukas von Deschwanden (am Ball), hier für das Nationalteam gegen Deutschland im Einsatz. Bild: Ennio Leanza/Keystone (Zürich, 5. November 2016)

Lukas von Deschwanden ist nicht so schnell aus der Fassung zu bringen. Druck? Verantwortung? Leistung? Alles kein Problem, von Deschwanden liefert ab – und das seit Jahren. Seit 2013 wurde der Urner zweimal zum wichtigsten Spieler der NLA gewählt, zweimal war er Topskorer der Liga. Und auch diese Saison führt der linke Rückraumspieler in Diensten von Wacker Thun die Torschützenliste mit 84 Treffern an. Er sagt: «Ich übernehme gern Verantwortung. Mit hohen Erwartungen kann ich umgehen.»

Von Deschwanden ist also so etwas wie die Ruhe selbst. Aber wenn er vom Schweizer EM-Qualifikationsspiel vor zehn Tagen gegen Deutschland spricht, gerät der sonst eher zurückhaltende 37-fache Internationale ins Schwärmen. «Es war unbeschreiblich, vor der Rekordkulisse von 10 000 Zuschauern im Hallenstadion zu spielen», sagt er. «Das Publikum peitschte uns immer nach vorne, dieses Erlebnis werde ich nie vergessen.» Zwar hat die Schweiz gegen den Europameister mit 22:23 knapp verloren. Doch unter dem neuen Trainer Michael Suter ist nach mageren Jahren die Aufbruchstimmung spürbar. Bis 2020 soll sich das stark verjüngte Team für eine Endrunde qualifizieren. Die Klubs unterstützen diesen Weg, sie geben ihre Spieler jeweils am Montag für ein Training der Nationalmannschaft frei. «Noch stehen wir am Anfang der Entwicklung. Aber die Mentalität stimmt, alle wollen sich für den Erfolg einsetzen», sagt von Deschwanden.

Kontakt mit Vereinen aus Topligen

Auch im Klub fühlt sich von Deschwanden gut aufgehoben. Seit 2009 spielt er für Wacker Thun, 2013 feierte er mit den Berner Oberländern den Meistertitel und den Cupsieg. In der letzten Saison scheiterte das Team von Martin Rubin, das über ein 2-Millionen-Franken-Budget verfügt, im Playoff-Final nur hauchdünn an den Kadetten aus Schaffhausen. Am Erfolg trägt Topskorer von Deschwanden entscheidenden Anteil, auf seine Tore ist Verlass. «Lukas hat sich zu einem der besten NLA-Spieler entwickelt», lobt Trainer Rubin. «Er ist ein starker Vollstrecker, hat aber auch Spielintelligenz und ein gutes Defensiverhalten. Er ist ein kompletter Handballer.»

Was Rubin nicht sagt: Von Deschwanden gehört zu den wenigen Spielern mit Schweizer Pass, denen eine Karriere im Ausland zugetraut wird – trotz seiner im Handball nur durchschnittlichen Grösse von 1,92 m. Der angehende Sportwissenschaftler, der gerade seine Masterarbeit beendet, schwärmt von den Topligen in Deutschland und Frankreich. Sein Vertrag in Thun läuft im Sommer aus. Der 27-Jährige bestätigt, dass er Gespräche mit ausländischen Vereinen führe. Im Januar oder Februar will er sich entscheiden. «Noch ist alles offen. Ich kann mir auch vorstellen, in Thun zu bleiben, weil ich weiss, was ich hier habe.»

Die unmittelbare Zukunft heisst aber Kriens-Luzern. Die Innerschweizer treten heute zum Spitzenkampf im Berner Oberland an. Von Deschwanden, der 2008/09 selber für die Krienser spielte und HCK-Flügel Jost Brücker von gemeinsamen Juniortagen in Altdorf kennt, erwartet ein hart umkämpftes Spiel. «Die Krienser spielen im Moment tollen Handball und stehen zu Recht in den Top 4», sagt er und erinnert sich an das erste Zusammentreffen im September, das Thun mit einem Tor Vorsprung (29:28) für sich entschied. «Wir haben damals glücklich gewonnen. Kriens war nicht die schlechtere Mannschaft.» Die Thuner werden heute also einmal mehr auf ihren Topskorer angewiesen sein. Heisst: Lukas von Deschwanden muss abliefern – so wie er es meistens tut.

Sven Aregger