HAUS FÜR KUNST: Er verhilft Bildern zu neuer Leuchtkraft

Andreas Lohri restauriert Kunstwerke und beseitigt die Spuren der Zeit. In seltenen Fällen nimmt er sogar seinen eigenen Speichel zu Hilfe.

Markus Zwyssig
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Andreas Lohri zeigt ein Bild, das er zur Hälfte restauriert hat. Die linke, aufgefrischte Seite ist von Schmutz befreit. (Bild Markus Zwyssig)

Andreas Lohri zeigt ein Bild, das er zur Hälfte restauriert hat. Die linke, aufgefrischte Seite ist von Schmutz befreit. (Bild Markus Zwyssig)

So genau wie Andreas Lohri kennt kaum jemand die Bilder von Heinrich Danioth. Der Restaurator aus Zug schaut durch die Lupe und durch das Mikroskop, bevor er mit seiner Arbeit beginnt. Er untersucht den Bildaufbau und analysiert die Schäden. Manchmal zieht er auch die Hilfe von externen Fachleuten oder Labors zu Rate.

Nicht immer wurden Danioths Bilder mit Sorgfalt behandelt. Die Bilder hingen in Privathaushalten oder in Büros, in denen geraucht wurde. Zum Teil hat man sogar auf die Werke geschossen. Entsprechend waren einzelne Bilder verzogen und sogar durchlöchert. Lohri erneuert den Rahmen, entfernt Fliegendreck und verhilft den Bildern zu neuer Leuchtkraft. An der GV des Kunstvereins Uri stellte der Restaurator am Samstag seine Arbeit vor. Weit über hundert Bilder von Danioth hat er für die Dätwyler-Stiftung und das Haus für Kunst restauriert. Alles hat er fein säuberlich festgehalten. Die Dokumentation seiner Arbeit an den restaurierten Bildern füllt einen Bundesordner. «Seit 2008 habe ich pro Jahr jeweils rund 20 Danioth-Bilder restauriert», sagt Lori. Er machte sich also lange vor dem Danioth-Film von Felice Zenoni ans Werk. «Der Film hat aber dazu beigetragen, dass eine breite Öffentlichkeit auf meine Arbeit aufmerksam geworden ist», sagt Lohri. Überhäuft wird er deswegen aber nicht mit Anfragen. Doch gibt es zahlreiche weitere Danioth-Bilder, die Lohri noch restaurieren sollte.

Eine Herausforderung

Bilder von Danioth zu restaurieren, sei sehr spannend und anspruchsvoll. «Manchmal ist die Arbeit auch eine grosse Herausforderung», sagt Lohri. «Danioth wollte jedem Bild mit einer spezifischen Technik eine ganz eigene Erscheinung geben», erklärt der Restaurator. Dazu habe der Künstler eine Vielzahl von Bildträgern und Malmitteln verwendet. Danioth arbeitete oft, wie beispielsweise bei seinem bekannten Werk «Margritli», in sogenannter Primamalerei. Bei dieser Technik erfolgt der Farbauftrag Nass in Nass, und die Malerei wirkt wie aus einem Guss geschaffen. Gerne benutzte er auch die Spachteltechnik, welche ihm eine Bildoberfläche mit hoch plastischem Effekt ermöglicht. Für seine Bilder verwendete er Baumwolltücher, Leinwand, Jute, Furnierplatten, Karton, Papier oder Papier auf Holz. Als Bindemittel oder Malmittel benutzte er Öl, Ei, Tempera, Leime oder Kleister und Mörtel. Dass die Restaurierungsarbeit so anspruchsvoll ist, liegt auch an der Vielfalt der Maltechniken, der Materialien und an Danioths Experimentierfreudigkeit. «Gewisse technische Eigenheiten in Danioths Schaffen beinhalten bereits die späteren Probleme im Alterungsprozess.»

Lohri hat eine über dreissigjährige Erfahrung als Restaurator. Vor vielen Jahren hat er auch die Fresken in der Jagdmattkapelle in Erstfeld restauriert. Im Museum Burg Zug leitet er seit 1988 die Restaurierungsabteilung in einem Teilzeitpensum. Als freischaffender Restaurator erhält er immer wieder Aufträge von Privaten und Museen.

Speichel ist umstritten

Selten benutzt Lohri zum Reinigen auch seinen eigenen Speichel. Damit befeuchtet er ein Wattestäbchen und geht ganz vorsichtig ans Werk. «Speichel wird aber heute eher selten gebraucht», sagt Lohri. Akademisch sei es nicht und an der Schule auch nicht so beliebt. «Speichel als Lösungsmittel belastet die Oberfläche mit einer Vielzahl unerwünschter und unnötiger Substanzen.» Alternativen seien schonende Reinigungen mit Tensiden oder die trockene Reinigung mit veredeltem Naturgummi. Trotzdem weiss Lohri, dass vor ein paar Jahren ein sechs Quadratmeter grosses Bild von Picasso mit Speichel gereinigt worden ist. Es hängt im Museum of Modern Art in New York.

Aufwand ist ganz unterschiedlich

Wie tief jemand für Lohris Arbeit in die Tasche greifen muss, ist ganz unterschiedlich. Der Preis für die Restaurierung eines Bildes ist nicht nur von der Grösse des Gemäldes abhängig. «Vielmehr hängt mein Aufwand vom Zustand des Bildes ab», erklärt Lohri. Manchmal sei nur der Rahmen auszubessern. Bei anderen Bildern braucht es viele Stunden, um Schäden und Verschmutzungen am Bild zu beseitigen. Daher kann eine Restaurierung einige hundert, in anderen Fällen aber auch einige tausend Franken kosten.
 

Markus Zwyssig