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Heidi Abel füllt nochmals das Kino

Zur Vorpremière des «Dok»-Filmes über Heidi Abel kamen viele einstige Berufskollegen und sogar eine alt Bundesrätin nach Altdorf. Auch das mediale Interesse war riesig.
Paul Gwerder
Alt Bundesrätin Eveline Widmer-Schlumpf unterhält sich im Foyer des Kinos mit Hansheiri Inderkum. (Bild: Paul Gwerder, Altdorf, 10. Februar 2019)

Alt Bundesrätin Eveline Widmer-Schlumpf unterhält sich im Foyer des Kinos mit Hansheiri Inderkum. (Bild: Paul Gwerder, Altdorf, 10. Februar 2019)

Das Cinema Leuzinger war am Sonntagvormittag bei der Vorpremière zum Dok-Film «Heidi Abel – Licht und Schatten einer TV-Pionierin» von Felice Zenoni bis auf den letzten Platz besetzt. Das Publikum kam aus der ganzen Schweiz nach Altdorf und das mediale Interesse war riesig, denn der Film interessierte auch viele Journalisten und einige Fernsehstationen. Die SRG Uri und der Produzent, der gebürtige Altdorfer Felice Zenoni, haben es ermöglicht, dass dieser Film als Vorpremiere in Uri zu sehen war.

«Der kräftige Föhn, der draussen weht, würde zu Heidi Abel passen, denn sie war als Wirbelwind bekannt», sagte Georg Simmen, Präsident von SRG Uri. Besonders willkommen hiess er alt Bundesrätin Eveline-Widmer Schlumpf und ihren Mann sowie Bildungs- und Kulturdirektor Beat Jörg. Widmer-Schlumpf kam nicht ganz zufällig zur Vorpremière, denn ihr Vater, Bundesrat Leon Schlumpf, ist im Film ebenfalls zu sehen.

Das weibliche Pendant zu Mäni Weber

Heidi Abel (1929-1986) war das Aushängeschild – die First Lady des Schweizer Fernsehens. Im Jahr 1954 kam Heidi Abel als eine der ersten Ansagerinnen zum Schweizer Fernsehen, das zu diesem Zeitpunkt erst ein paar Monate alt war. Daneben moderierte sie eine Vielzahl von Sendungen wie «Heidi Abel sucht Platz für Tiere» und die erfolgreiche Show «Musik und Gäste». Beliebt wurde sie auch durch das Wunschkonzert, welches sie im Radio zwischen 1970 und 1972 moderierte. Am 25. September 1986 moderierte die wohl bekannteste und beliebteste Fernsehfrau zum letzten Mal das TV-Nachrichtenmagazin «DRS aktuell» und knapp drei Monate später erlag sie einem Krebsleiden. Das männliche Pendant zu Heidi Abel war zu dieser Zeit Mäni Weber (1935-2006), dessen Sendungen «Dopplet oder nüt» oder «Wär gwünnt» ebenfalls richtige Strassenfeger waren.

Film zeigt auch die andere Seite der Heidi Abel

Felice Zenoni hat es verstanden, den Film so zu gestalten, dass einerseits bekannte Fernsehausschnitte gezeigt wurden, aber auch viele Szenen, die das Publikum noch nie zu Gesicht bekam. Heidi Abel war ein Einzelkind, deren Mutter aus Luzern stammte und ihr Vater war ein gebürtiger deutscher Musiker, der in Basel Musikunterricht erteilte. Zuerst lernte die junge Heidi Abel Arztgehilfin. Der Beruf befriedigte sie aber nie und deshalb hängte sie diesen bald an den Nagel.

Das neu aufgetauchte Filmmaterial, in dem Heidi Abel oft selber zu Wort kommt, erlaubt einen ungeschminkten Blick auf ihr Leben und ihren Alltag. In einer Szene kochte die berühmte TV-Frau in ihrem kleinen Haus am Lützelsee und die Zuschauerinnen und Zuschauer bekamen dabei mit, dass es auch zu Hause ein geordnetes Chaos gab, wie in ihrem öffentlichen Leben. In der Öffentlichkeit stellte die «First Lady» des Schweizer Fernsehens sehr grosse Ansprüche an sich, denn sie trat immer sehr modebewusst auf. Sie selber hatte nie eine Festanstellung beim Fernsehen und am liebsten moderierte sie Kinder- oder Tiersendungen. Im Jahr 1963 hat sie den deutschen Schriftsteller Peter Rosinski geheiratet. Aber wie der Film aufzeigte, hielt die Ehe nicht lange, denn ihr Mann war gewohnt, im Mittelpunkt zu stehen und er wollte nicht Herr Abel sein.

Viele Berufskolleginnen und Berufskollegen bezeichneten in persönlichen Interviews Heidi Abel als eine sehr originelle Frau, die zu dieser Zeit schon sehr umweltbewusst war. Heidi Abel hatte eine soziale Ader und wollte, dass es eine friedliche und gerechte Welt für sämtliche Menschen gab. Ihr Lebenspartner von 1970 bis 1977, Beat Müller, sagte im Film: «Der grosse Bekanntheitsgrad wurde ihr je länger je mehr zum Verhängnis. Sie fühlte sich von den Menschen aufgefressen, denn an den Wochenenden pilgerten Heerscharen von Leuten an den Lützelsee, um vielleicht die berühmte Fernsehfrau zu treffen».

Heidi Abel verheimlicht ihre Krankheit

Trotz ihrer Krebserkrankung arbeitete Heidi Abel wenn immer möglich weiter. Nach einer Operation und intensiver Chemotherapie glaubte sie schon, den Krebs besiegt zu haben, was sich jedoch als Irrtum herausstellte. Ein Jahr vor ihrem Tod zog die schwerkranke Heidi Abel in die Stadt, wo sie von vielen Freundinnen umsorgt wurde. Im Film erzählt Anna Voegtli auch über die letzten Stunden und Minuten, die sie bei ihrer todkranken Freundin verbrachte. Wie beliebt Heidi Abel bis zu ihrem Tod vom 23. Dezember 1986 war, bewies die Tatsache, dass keine einzige Zeitung und nicht einmal der «Blick» über die Krankheit der beliebten Fernsehmoderatorin etwas schrieben, denn es herrschte ein stillschweigendes «Gentlemen’s Agreement», das sämtliche Medien respektierten.

Nach dem Film herrschte im Foyer des Kinos unter den Besuchern grosse Einigkeit: ein absoluter Topfilm, zu dem die Leute Felice Zenoni nur gratulieren konnten. Auch Regierungsrat Beat Jörg war begeistert:

«Ich habe sehr gerne die Kindersendungen von Heidi Abel zu dieser Zeit geschaut und auch die Sendung Musik und Gäste ist mir immer noch präsent.»

Der Dok-Film sei ein wichtiges historisches Dokument, das die frühere Zeit der Fernsehschaffenden aufzeige. «Für mich war es ein sehr berührender Film, denn ich kannte Heidi Abel persönlich aus meiner Zeit, als ich beim Fernsehen als Telefonistin jobbte», sagte Edith Baumann Renner aus Erstfeld.

Ausgestrahlt wird der Dok-Film über «Heidi Abel – Licht und Schatten einer TV-Pionierin» am Donnerstag, 21. Februar, um 20.05 Uhr auf SRF 1.

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