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Urner geben Heidi Z’graggen gute Chancen

Die offizielle CVP-Nomination von Heidi Z’graggen für den Bundesrat löst im Kanton Uri Erstaunen aus. Viele glauben aber, dass die Urner Regierungsrätin bereits die grösste Hürde genommen hat. Es bleibt spannend.
Florian Arnold, Carmen Epp und Markus Zwyssig

Noch ist in Erstfeld keine Euphorie zu spüren. Weder Transparente noch Blumenschmuck würden darauf schliessen lassen, dass hier die vielleicht erste Urner Bundesrätin der Geschichte zu Hause ist. Genaue Prognosen wagen will in Heidi Z’graggens Wohnort allerdings noch niemand. «Die Chancen sind 50 zu 50», so der meist gehörte Tipp einer nicht repräsentativen Strassenumfrage unserer Zeitung.

Auch Gemeindepräsidentin Pia Tresch nennt dieselbe Quote und betont dabei: «Wir als Urnerinnen und Urner waren noch nie so nahe dran, eine Bundesrätin zu stellen. Deshalb sind wir sehr erfreut, dass sie so weit gekommen ist.» Für die Gemeinde Erstfeld wäre eine Wahl eine grosse Ehre. «Die Wohngemeinde und der Kanton Uri wären dadurch direkt mit Bern verbunden, was sicher ein grosser Vorteil wäre», so die Gemeindepräsidentin.

Heidi Z’graggen kämpft gegen Viola Amherd (rechts). (Bild: Keystone/Peter Schneider (Bern, 31. Oktober 2018))

Heidi Z’graggen kämpft gegen Viola Amherd (rechts). (Bild: Keystone/Peter Schneider (Bern, 31. Oktober 2018))

«Die linken Frauen wollen nicht zwei rechte Frauen im Bundesrat»

Dass Heidi Z’graggen von der CVP aufgestellt worden sei, obwohl ihr bisher die Erfahrung in Bern fehle, spreche für sie, meint Karl Baumann aus Silenen. «Sie ist damit ebenbürtig mit Viola Amherd», so die Einschätzung des Passanten. Etwas anders sieht das eine Urnerin, die in Luzern wohnt: Heidi Z’graggen werde wohl mangels Qualifikation nicht gewählt. «Das Amt als Regierungsrätin reicht nicht aus.» Trotzdem würde es die Passantin begrüssen, dass Uri eine Bundesrätin stellen könnte.

Für den Erstfelder alt Landrat Joe Zgraggen hat die Urnerin jedoch die grösste Hürde bereits genommen. «Sie punktet sicher bei der SVP und bei der FDP», sagt Zgraggen, der als CVP-Fraktionschef amtete, als Z’graggen in die Regierung gewählt wurde. Der Politikerprobte wagt noch weitere Denkexperimente: «Weil zuerst die CVP-Bundesrätin gewählt wird, könnte es sein, dass Heidi Z’graggen sogar noch Karin Keller Sutter aus dem Rennen wirft.» Denn die linken Frauen würden nicht zwei rechte Frauen im Bundesrat wollen. «Dann wird wohl eher der FDP-Mann statt die Frau gewählt», so Zgraggen.

Beim Bundesratskarussell spielen mehrere Faktoren eine Rolle

«Mit ihrer Erfahrung und ihrer politischen Einstellung sowie ihrer unkomplizierten, kommunikativen und offenen Art hat Heidi Z’graggen durchaus Chancen, als Bundesrätin gewählt zu werden», sagt René Röthlisberger, Präsident Wirtschaft Uri. «Wichtig ist, dass sie die kurze Zeit bis zum Wahltermin nutzt, sich bekannt zu machen und sich zu vernetzen.» Beim Bundesratskarussell würden aber sehr viele Faktoren mitspielen. «Eine Prognose abzugeben grenzt an ein Kaffeesatzlesen», sagt Röthlisberger.

So denkt die Urner Politik über Z'graggens Nomination

Auf bedingungslose Unterstützung kann sie von der Parteispitze der CVP Uri zählen. «Heidi Z’graggen hat sich bisher gut geschlagen und sie kann sehr viel Exekutiverfahrung vorweisen», sagt Flavio Gisler, Präsident der CVP Uri. «Was man allgemein hört, ist, dass Viola Amherd im bürgerlichen Lager nicht punkten kann, was Heidi Z’graggen zugutekommen könnte.» Dies würde beim momentan bürgerlichen Mehr im Parlament auf eine Wahl der Urnerin schliessen lassen. «Aber bei Bundesratswahlen gelten eigene Regeln», weiss Gisler.

«Die CVP scheint sie offenbar überzeugt zu haben, sonst wäre sie nicht aufs Ticket gekommen.»

Flavio Gisler, Präsident CVP Uri

Flavio Gisler, Präsident CVP Uri

Flavio Gisler, Präsident CVP Uri

Nicht ausser Acht lassen dürfe man, dass die Zentralschweiz seit Kaspar Villiger nicht mehr im Bundesrat vertreten war – und der Kanton Uri noch gar nie. «Diese Themen werden ausschlaggebend sein, wenn die Parlamentarier zum Schluss kommen, dass die Qualifikationen von Viola Amherd und Heidi Z’graggen ebenbürtig sind.» Wichtig sei nun, dass sich die Urner Kandidatin bei den Hearings in den restlichen Parteien gut schlage. «Die CVP scheint sie offenbar überzeugt zu haben, sonst wäre sie nicht aufs Zweierticket gekommen», sagt Gisler.

SP und SVP rechnen Z’graggen Chancen im rechten Lager aus

Sebastian Züst, Geschäftsleitung SP Uri

Sebastian Züst, Geschäftsleitung SP Uri

Überrascht von der Entscheidung der CVP-Fraktion gibt sich Sebastian Züst, Geschäftsleiter der SP Uri. «Es wird sich zeigen, ob das Parlament auf Viola Amherd setzt, die es kennt, oder ob es mit Heidi Z’graggen jemanden wählt, die es weniger gut einschätzen kann.»

«Ich könnte mir gut vorstellen, dass sie gerade im rechten Lager viele Stimmen macht.»

Sebastian Züst, Geschäftsleitung SP Uri

Auch Züst weiss: «Vielen im Parlament ist Amherd zu links. Ich könnte mir gut vorstellen, dass Heidi Z’graggen gerade im rechten Lager viele Stimmen macht.» Trotzdem gibt er Amherd etwas bessere Chancen.

Pascal Blöchlinger, Präsident SVP Uri

Pascal Blöchlinger, Präsident SVP Uri

Pascal Blöchlinger, Präsident der SVP Uri, macht ähnliche Gedankengänge: «Gegenüber der Konkurrentin Viola Amherd ist Heidi Z’graggen in Bern weniger vernetzt», so Blöchlinger. «Dafür soll Z‘graggen eher die Wunschkandidatin der Bürgerlichen sein. Ihre Wahlchancen sind wohl intakt.»

«Sie soll eher die Wunschkandidatin der Bürgerlichen sein. Ihre Wahlchancen sind wohl intakt.»

Pascal Blöchlinger, Präsident SVP Uri

Eine Urner Bundesrätin würde sich mit Sicherheit positiv auf für den Kanton auswirken. «Ich werde die Wahlen auf jeden Fall interessiert verfolgen, denn auch die Wahl des FDP-Vertreters im Bundesrat verspricht spannend zu werden», so der Kantonalpräsident.

FDP-Präsident rechnet mit zwei Wahlgängen

Ruedi Cathry, Präsident FDP Uri

Ruedi Cathry, Präsident FDP Uri

«Es spricht für Heidi Z’graggen, dass sie es bei eine Konstellation mit drei Parlamentarierinnen aufs CVP-Ticket geschafft hat», sagt Ruedi Cathry, Präsident der FDP Uri. «Wenn es einigermassen läuft, wird sie auf der rechten Seite respektive in der bürgerlichen Mitte einige Stimmen holen.»

«Nach dem ersten Wahlgang wird die Ausgangslage wieder völlig neu zu beurteilen sein.»

Ruedi Cathry, Präsident FDP Uri

Er glaubt aber nicht, dass das Rennen nach dem ersten Wahlgang gelaufen ist. «Es würde mich nicht überraschen, wenn CVP-Präsident Gerhard Pfister im ersten Wahlgang einige Stimmen macht. Dann wird die Ausgangslage wieder völlig zu beurteilen sein.» Bleibe es bei zwei Kandidatinnen, habe Zgraggen sogar die besseren Chancen. «Aber eben: Das letzte Wort ist erst am 5. Dezember gesprochen.» Mit Überraschungen müsse man rechnen.

Landratspräsident ist erfreut

Er hätte eher mit einem Frau/Mann-Ticket gerechnet, sagt Landratspräsident Peter Tresch. «Entsprechend erfreut bin ich, dass es mit Heidi Z’graggen eine Urnerin in den ‹Final› schafft. Ihre Chancen sind mit dieser Nomination stark gestiegen und höher als jene ihrer Konkurrentin aus dem Wallis», sagt Tresch. «Es wäre natürlich eine Sensation, wenn Heidi Z’graggen den Sprung in die Landesregierung schaffen würde.»

Heidi Z'graggen: Vom Bergkanton in den Bundesrat

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