Heidi Z’graggen: «Ich möchte die Landespolitik mitgestalten»

Die 52-jährige Urner Justizdirektorin bekennt Farbe. Die CVP-Politikerin will die abtretende Bundesrätin Doris Leuthard beerben. Im Interview spricht sie über ihre Qualitäten, nimmt Stellung zur Frauen-Frage und schätzt ihre Chancen ein.

Interview: Philipp Zurfluh
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Die Urner CVP-Regierungsrätin Heidi Z'graggen, hier anlässlich einer Buchvernissage. (Bild Urs Hanhart, 24.10.2017)

Die Urner CVP-Regierungsrätin Heidi Z'graggen, hier anlässlich einer Buchvernissage. (Bild Urs Hanhart, 24.10.2017)

Heidi Z’graggen, was hat den Ausschlag gegeben, dass Sie für das Bundesratsamt kandidieren?

Die Schweiz ist ein hervorragendes Land mit vielen Stärken. Sie weist immer Spitzenplätze in vielen Rankings auf. Auf diesen Stärken und den Leistungen unserer Vorgängerinnen und Vorgänger will ich bauen. Es ist unsere gemeinsame Verpflichtung, dass wir - das Schweizervolk, die Kantone und die Bundesbehörden - die Schweiz in eine gute und erfolgreiche Zukunft führen. Ich bin bereit, als Urnerin, Zentralschweizerin und Schweizerin und langjähriges Mitglied einer Kantonsregierung, die Landespolitik mitzugestalten und mich in den Dienst unseres wunderbaren Landes und seiner Bevölkerung zu stellen.

«Wichtig ist, dass man in der Politik ein klares Ziel vor Augen hat.»

Welche Qualitäten bringen Sie für das Amt einer Bundesrätin in erster Linie mit?

Als langjährige Regierungsrätin unseres Kantons bringe ich einen grossen Erfahrungsschatz aus einem Kollegialgremium mit, bin aber auch im ständigen Austausch mit Parteien, Parlament und Bevölkerung. Ich bin vertraut mit den Mechanismen der Schweizerischen Politik und den bundespolitischen Themen. Die Politik ist ein wichtiger Teil meines Lebens.

Welches sind Ihre Stärken und Schwächen?

Ich bin ein strategisch denkender Mensch und versuche auf die lange Frist zu schauen. Wichtig ist, dass man in der Politik ein klares Ziel vor Augen hat. Ich möchte dann meine Visionen realisieren und arbeite konsequent daran. Mein Auftreten ist dann schon klar. Ich kann mich dann aber auch auf andere Meinungen zubewegen, denn Konsens macht uns stark.

CVP-Bundesratskandidatin Heidi Z'graggen beantwortet Fragen von Journalisten vor den Hearings in der Fraktionssitzung der CVP. (Bild: KEYSTONE/Peter Klaunzer, 16. November 2018)
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Bei der Eröffnung des neuen Sessellifts in der Skiarena Andermatt-Sedrun war sie ebenfalls dabei: Z'graggen (ganz links) an der Seite von Marc Girardelli, Peter Furger, Josef Dittli, Samih Sawiris und Bernhard Russi (von links). (Bild: Elias Bricker, 10. März 2018))
Die Urner Regierungsrätin Heidi Z'graggen spricht anlässlich einer Buchvernissage in der Pfarrkirche St. Peter und Paul in Bürglen. (Bild: Urs Hanhart, 24. Oktober 2017))
Zur Einbürgerungsfeier händigt Z'graggen der aus Serbien stammenden Familie Lazic die Landrechtsurkunde aus. (Bild: Urs Hanhart (Altdorf, 2. November 2017))
Auch bei Regen gut gelaunt: Z'graggen am Zürcher Sechseläuten. (Bild: Roger Grütter (Zürich, 18. April 2016))
Z'graggen in Gurtnellen. (Bild: Urs Hanhart, 28. Februar 2016)
Steht sie hier neben ihrem künftigen Arbeitskollegen? Z'graggen mit Bundesrat Ueli Maurer und alt Bundesrat Adolf Ogi an der Gedenkfeier «75 Jahre Rütlirapport» auf dem Rütli. (Bild: Nadia Schärli (Seelisberg, 25. Juli 2015))
Alt Bundesrätin Ruth Metzler und Z'graggen an der Premiere des Freilichtspiels «Tell trifft Wagner». (Bild: Bruno Arnold (Seelisberg, 31. Juli 2013))
Auch in Luzerner Gesellschaft heiter: CKW-Verwaltungsrätin Heidi Z'graggen mit ihrem VR-Kollegen Marcel Schwerzmann an der CKW-Generalversammlung. (Bild: Remo Nägeli (Luzern, 25. Januar 2013))
Besuch aus Südamerika: Regierungsrätin Z'graggen mit Nationalrätin Gabi Huber und einer Delegation aus Uruguay. (Bild: Mario Wittenwiler (Altdorf, 22. September 2012))
Z'graggen mit Maria Magdalena de Lima Moreno, Bürgermeisterin von Nueva Helvecia in Uruguay. (Bild: Mario Wittenwiler (Altdorf, 22. September 2012))
2012 wird Z'graggen zum dritten Mal in den Urner Regierungsrat gewählt. Zusammen mit Josef Dittli, Beat Arnold, Beat Jörg und Markus Züst (von links) schafft sie die Wahl im ersten Wahlgang. (Bild: Urs Hanhart (Altdorf, 11. März 2012))
Z'graggen im Wahlkampf 2012: Podium mit Beat Arnold, Josef Dittli und Markus Züst (von links). (Bild: Dominik Wunderli (Altdorf, 26. Februar 2012))
Bei der Arbeit im Urner Landrat: Frau Landammann Z'graggen mit Finanzdirektor Josef Dittli und Bildungsdirektor Beat Jörg. (Bild: Florian Arnold (Altdorf, 18. Juni 2014))
Spatenstich fürs Hotel Chedi: Z'graggen und Samih Sawiris in Andermatt. (Bild: Urs Hanhart, 26. September 2009)
Grundsteinlegung fürs Hotel Chedi in Andermatt mit Samih Sawiris, Andermatter Gemeindepräsident Karl Poletti, Heidi Z'graggen und Akira Moreno, dem künftigen Betreiber des Chedi. (Bild: Pius Amrein, 31. August 2010)
Zum Wohl! Z'graggen am Aufrichtfest fürs Hotel Chedi mit Samih Sawiris und dem Andermatter Gemeindepräsidenten Roger Nager. (Bild: Dominik Wunderli (Andermatt, 9. November 2011))
Die Medien hat sie «im Griff»: Nach der Fernsehsendung zum Gotthard-Durchstich in Göschenen wagte Regierungsrätin Z'graggen ein Tänzchen mit SF-Moderater Urs Leuthard. (Bild: Urs Hanhart, 15. Oktober 2010)
2010: Z'graggen verkündet ihre Ständerats-Kandidatur am Ufer des Urnersees. (Bild: Daniel Regli (Altdorf, 4. Februar 2010))
Jean-Frédéric Jauslin, Direktor des Bundesamts für Kultur, und Justizdirektorin Z'graggen diskutieren über schützenswerte Urner Ortsbilder. (Bild: Urs Hanhart, 18. März 2009))
Z'graggen im extravaganten Outfit an der Vereidigungsfeier für den Regierungs- und Landrat 2008. (Bild: Urs Hanhart (Altdorf, 2. Juni 2008))
Auch Elektrobikes zu fahren, macht ihr Freude: Z'graggen und vier Urner Landräte kamen 2007 von Erstfeld mit dem Velo zur Landratssession. (Bild: Markus Zwyssig (Altdorf, 4. Juni 2007))
Schwindelfrei: Z'graggen an der Eröffnung der Hängebrücke in Gurtnellen im Jahr 2007. (Bild: Sven Aregger (14. Juni 2007))

CVP-Bundesratskandidatin Heidi Z'graggen beantwortet Fragen von Journalisten vor den Hearings in der Fraktionssitzung der CVP. (Bild: KEYSTONE/Peter Klaunzer, 16. November 2018)

Sie sind in Bundesbern weniger gut vernetzt als beispielsweise die hoch gehandelten CVP-Kandidatinnen Viola Amherd und Elisabeth Schneider-Schneiter. Ist das nicht ein Nachteil für Sie?

Das ist ein Aspekt, der in meine Überlegungen bei der Prüfung der Kandidatur eingeflossen ist. Ich habe aber als ehemaliges Mitglied des Parteipräsidiums der CVP Schweiz und als Mitglied von mehreren schweizerischen Regierungskonferenzen ein sehr gutes Beziehungsnetz. Mit bundespolitischen Themen bin ich vertraut. Ich möchte nun aber meine Bekanntheit in der Bundeshausfraktion noch weiter stärken.

Es ist unter Umständen auch möglich, dass nach den Bundesratswahlen nur noch eine Frau in der Landesregierung vertreten ist. Welche Rolle hat die Frauen-Frage bei ihrer Kandidatur gespielt?

Die Geschlechterfrage ist eines von vielen Kriterien. Frauen machen die Hälfte der Schweizer Bevölkerung aus. Nur wenn Frauen sich zur Wahl stellen, können sie nominiert und gewählt werden. Die CVP hat viele kompetente und fähige Frauen, die sich als Bundesrätinnen eignen.

Uri gehört mit Nidwalden, Schwyz, Jura und Schaffhausen zu den fünf Kantonen, die bisher keinen Bundesrat hatten. Die Zentralschweiz ist seit 2003 nicht mehr in diesem Gremium vertreten. Ist es Zeit, dass Uri erstmals ein Mitglied des Bundesrats stellt?

Der Kanton Uri leistet Grosses für die Eidgenossenschaft. Uri ist meine Heimat und so etwas wie die Seele für die Schweiz. Mit dem Mythos Gotthard, dem Tell, dem Rütli und vielen weiteren symbolbehafteten Orten haben wir eine geschichtsträchtige Vergangenheit, die auch wichtig ist für den Zusammenhalt in unserem Land. Darauf bin ich stolz. Gleichzeitig ist Uri ein zentralgelegener Wohn- und Wirtschaftsstandort. Aufgrund der spezifischen Erfahrungen aus meiner kantonalen Regierungstätigkeit kann ich auf die Befindlichkeiten unserer Region aufmerksam machen. Die Bundesverfassung schreibt vor, dass die Landesteile angemessen vertreten sein sollen. Die Zentralschweiz ist eine vielfältige Region, die im Bundesrat schon länger nicht mehr repräsentiert ist. Der Anspruch ist berechtigt. Trotzdem ist natürlich klar: Der Bundesrat muss sich dem ganzen Land verpflichten.

Wie schätzen Sie Ihre Chancen ein?

Es ist wichtig, dass die Bundeshausfraktion und danach die Bundesversammlung eine Auswahl hat. Ich stelle mich dem Wettbewerb und freue mich auf die nächsten Wochen. Es wird sich in den nächsten Tagen zeigen, wie viele CVP-Politikerinnen und -Politiker noch Ambitionen anmelden und ich bin natürlich gespannt, welche Kandidatinnen oder Kandidaten die CVP-Bundeshausfraktion zur Wahl vorschlagen wird.

«Die Zentralschweiz ist eine vielfältige Region, die im Bundesrat schon länger nicht mehr repräsentiert ist. Der Anspruch ist berechtigt.»

Sind Sie der Meinung, dass die CVP Schweiz in der Pflicht steht, mindestens eine Frau auf das Ticket zu setzen?

Es ist Aufgabe der Bundeshausfraktion, dieses zu entscheiden. Die Repräsentation der Frauen in der Politik ist natürlich wichtig und selbstverständlich. Gerade auch deshalb stelle ich mich als Frau und Zentralschweizerin zur Verfügung.

Haben Sie bereits nach der Rücktrittserklärung von Doris Leuthard mit dem Gedanken gespielt, für den Bundesrat zu kandidieren?

Unsere Bundesrätin Doris Leuthard hat als Mitglied des Bundesrates Hervorragendes für unser Land geleistet. Ich bin stolz, dass wir sie in der CVP wissen. In meiner Tätigkeit als Regierungsrätin für den Kanton Uri und als Mitglied unserer Partei sind wir politische Weggefährtinnen mit unterschiedlichen Aufgabenbereichen auf unterschiedlichen Stufen unseres Landes. Ich war traurig, dass die eigentliche Identifikationsfigur der Partei zurücktritt. Die Aufgabe als Regierungsrätin eines Kantons fordert täglichen Einsatz – da ist nicht so viel Platz für Gedankenspiele. Nachdem nun Vakanzen in der Bundesregierung bestehen, setzte bei mir ein Prozess der Reflektion ein. Ich bin zum Entscheid gekommen, dass ich bereit bin, die Landespolitik mitzugestalten.

Wie bereiten Sie sich auf die Hearings in den Fraktionen in Bern vor?

Ich nehme jetzt Schritt für Schritt und werde zuerst in der Bundeshausfraktion der CVP mich selber mit meinem Hintergrund und meinen Erfahrungen vorstellen. Der Rest wird sich zeigen.

Was sagen Ihr Partner und ihr weiteres persönliches Umfeld zur Kandidatur?

Ich habe mich in den vergangenen Wochen mit meinem engsten Umfeld besprochen. Es unterstützt meinen Entscheid und steht voll hinter mir.