Heli-Pilot bringt Kindern die Faszination des Fliegens näher

Mit «Tobi der Helikopterpilot» legt Christian Schindler ein Kinderbuch vor, das auf wahren Begebenheiten basiert.

Christian Tschümperlin
Drucken
Teilen
Christian Schindler von der Swiss Helicopters AG schildert in seinem Kinderbuch «Tobi der Helikopterpilot» was er als Pilot alles schon erlebt hat.  (Christian Tschümperlin, Erstfeld, 20.11.2019)

Christian Schindler von der Swiss Helicopters AG schildert in seinem Kinderbuch «Tobi der Helikopterpilot» was er als Pilot alles schon erlebt hat.  (Christian Tschümperlin, Erstfeld, 20.11.2019)

Der Helikopter der Swiss Helicopters AG in Erstfeld hebt ab und schwingt sich innert Sekunden in die Höhe. Pilot Christian Schindler schaut hinab, die Häuser und Strassen unter ihm verwandeln sich in eine Swissminiatur-Landschaft, einer Zeichnung aus einem Bilderbuch nicht unähnlich. Das Leben der Helikopterpiloten bietet Stoff für Kindergeschichten. Bloss, dass in diesem zeitgenössischen Märchen der Ritter ein Held der Lüfte ist und der böse Drache vielleicht das Wetter, das den Helden manchmal einen Strich durch die Rechnung macht. Kinderbücher über Piloten gibt es viele. Doch Christian Schindler aus Bürglen war es ein Anliegen, seine Flugerlebnisse für Kinder so greifbar wie möglich, vor allem aber so realistisch wie es geht, nachzuzeichnen. Sein Kinderbuch «Tobi der Helikopterpilot» erschien Ende Oktober im Eigenverlag.

«Die Ideen in dem Buch habe ich aus meinen eigenen Einsätzen zusammengetragen», sagt Schindler. Alles basiert auf wahren Geschichten: Von der Rettung verletzter Tiere, die im Buch liebevoll geschildert werden, über die Bekämpfung von Waldbränden bis zum Transport von Baumaterialien – Schindler hat diese Dinge tatsächlich erlebt. Für ihn gehören sie ein Stück weit gar zur Normalität. Er sagt: 

«Helikopterfliegen ist für mich so selbstverständlich wie für andere das Autofahren.»

Ein Kinderbuch entsteht nicht von heute auf morgen: Schindlers Ideen brauchten Zeit, um zu reifen. «Alles in allem hat mich das Projekt zwei Jahre lang beansprucht», sagt er. Nicht nur die Ideen stammen aus seiner Feder, auch die Illustrationen und der Text. «An den Bildern habe ich lange rumgebastelt.» Als Erstes erstellte Schindler ein Fotobuch, um ein Gespür für die Wirkung verschiedener Bilder zu entwickeln. Dann zeichnete er die Fotos nach. An einigen Stellen änderte er unpassende Hintergründe ab oder verkürzte beispielsweise das Transportseil des Helikopters, damit das gesamte Motiv aufs Bild passte. Begleitet wurde er in seinem Schaffen von einer kritischen Jury bei sich zu Hause, seiner Ehefrau und seinen beiden Kindern.

«Eines der Zwillinge fragte mich beispielsweise, warum jemand auf einem Bild ein T-Shirt trägt, wenn doch Schnee auf den Feldern liegt.»

Nach Ansicht mancher Künstler ist Talent so etwas wie eine Illusion und alles eine Frage der Übung. Wenn man aber Schindlers Geschichte hört, beginnt man daran zu zweifeln. «Bevor ich mit diesem Buch anfing, hatte ich das letzte Mal als Kind gezeichnet», sagt der 38-Jährige. Er habe ein wenig herumprobiert und schnell gemerkt, wie es etwa gehen könne. Herausgekommen sind detailgetreue Illustrationen.

Ein Traum wird Wirklichkeit

Schindler träumte schon als Kind davon, eines Tages Pilot zu werden. Seit fünf Jahren ist er nun zu hundert Prozent als Transportpilot tätig. Das Flugbrevet absolvierte er aber bereits 2010. «Sobald Du den Schein hast, beginnt ein Aufbauprogramm. Schritt für Schritt darf man immer mehr Verantwortung übernehmen.» Seine Faszination beschreibt er folgendermassen: «Wenn ich fliege, fühle ich mich frei. Die Vielseitigkeit der Einsätze macht das Ganze zusätzlich interessant.» Ein Privileg sei es vor allem, seinem Beruf in der famosen Alpenwelt nachzukommen.

Einen erfolgreichen Einsatz vergleicht Schindler mit einem Puzzle: «Pilot ist keine Ein-Mann-Show, man muss auf sein Team vertrauen können.» Diesen Worten sollten gleich Taten folgen.

Ein Einsatzleiter Schindlers betritt den Raum. Man habe soeben einen Transportauftrag für den Axen entgegengenommen, in dreissig Minuten wolle man abheben. Auf dem Weg in den Hangar erklärt Schindler: «Wir Piloten arbeiten mit den Flughelfern und Mechanikern eng zusammen, wir helfen bei den Vorbereitungen zu einem Flug und manchmal auch bei Reparaturen.» Wenig später schiebt er den Helikopter auf Rädern nach draussen, ein Kollege betankt diesen und dann folgt einmal mehr jenes Gefühl, das Schindler so sehr liebt: Abheben! Die Häuser und Strassen unter ihm verwandeln sich einmal mehr in eine Swissminiatur-Landschaft.