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HERDENSCHUTZ: Urschner vergraulen Schafhalter

Ein Schafbauer aus Luzern hat genug: Auf Druck einer Urschner Interessensgemeinschaft schützt er seine Herde auf der Unteralp künftig nicht mehr mit Hunden. Das Grundproblem ist damit aber nicht gelöst.
Carmen Epp
Herdenschutzhunde bewachen ihre Nutztiere, als wären es ihre Geschwister. Das birgt Konfliktpotenzial. (Bild: Archiv UZ)

Herdenschutzhunde bewachen ihre Nutztiere, als wären es ihre Geschwister. Das birgt Konfliktpotenzial. (Bild: Archiv UZ)

Carmen Epp

carmen.epp@urnerzeitung.ch

Sie gelten als Wunderwaffe gegen den Wolf und gehören – zusammen mit dem Elektrozaun – zu den einzigen vom Bund anerkannten Schutzmassnahmen für Nutztiere: Herdenschutzhunde. Drei solcher Wunderwaffen sind seit vier Jahren auch im Urserntal im Einsatz, wo sie während der Sommermonate auf der Unteralp 1100 Schafe vor Raubtieren bewachen.

Doch statt dass sie den Ursch-nern ein Gefühl von Sicherheit vermitteln, lösen die Vierbeiner auf der Unteralp vor allem negative Emotionen aus. Dergestalt, dass sich nun handfester Widerstand gegen die Tiere formiert hat: 155 Urschner haben eine Initiative unterzeichnet, die den Einsatz von Herdenschutzhunden auf dem Gebiet der Korporation Ursern verbieten will.

«Hunde haben Touristen gebissen und verängstigt»

Urheber der Initiative ist die Interessensgemeinschaft «Keine Herdenschutzhunde», an deren Spitze alt Talammann Columban Russi. Er sorge sich vor allem um den Sommertourismus im Urserntal, wie er auf Anfrage sagt. Die Hunde befänden sich in einem beliebten Wandergebiet. Dort sei es schon oft zu Problemen gekommen, so Russi. «Die Hunde haben mehrmals Touristen gebissen, angegriffen und verängstigt.»

Einige Touristen hätten auf dem Weg Kehrt gemacht, weil ihnen die Hunde Angst gemacht hätten. Viele von ihnen würden gar nicht mehr erst ins Urserntal kommen, weil die Verbreitungsgebiete der Tiere neuerdings auf einer Online-Karte publiziert werden. Und Tafeln, die vor Ort über die Präsenz der Hunde und den Umgang mit ihnen informieren, würden zusätzlich abschrecken. Das hat für Russi das Fass zum Überlaufen gebracht. «Es kann doch nicht sein, dass wir im Urserntal Werbung machen für den Sommertourismus, viel Geld in Wander- und Bikewege stecken, und am Schluss fürchten sich die Leute davor, überhaupt hierher zu kommen.»

Talammann Hans Regli kennt den Unmut und kann das Anliegen der Initianten verstehen. «Aus einem Problem mit dem Wolf sind nun zwei geworden: der Wolf und die Herdenschutzhunde.» Gleichzeitig sei es ein Anliegen der Korporation Ursern, dass die Alpen trotz des Wolfes weiterhin bestossen würden. «Wir sind in einer Zwickmühle», so Regli. In Zwischenzeit habe man ein Rechtsgutachten in Auftrag gegeben und sich mit drei der Initianten zum Gespräch getroffen. Nun sei vorgesehen, zuerst Gespräche mit dem Kanton zu führen, um Alternativen zu finden. Sollten das nicht fruchten, dürfte die Initiative im Mai 2019 an der Talgemeinde zur Abstimmung kommen. Die drei Initianten haben nun eine Woche Bedenkzeit, um auch die Mitunterzeichner anzuhören.

Schafbauer hat genug vom Ärger

Für eine andere Lösung dürfte es zumindest für den Alpsommer 2018 jedoch zu spät sein. Die Korporation Ursern hat dem betroffenen Schafbauern, Ernst Vogel aus Schwarzenberg LU, bereits im November eröffnet, dass er künftig seine Schafe nur noch ohne die drei Herdenschutzhunde auf die Unteralp treiben dürfe. Nun hat Vogel reagiert: Zwei der Hunde habe er bereits weggegeben, der Dritte werde demnächst fremdplatziert, wie er auf Anfrage sagt. Er werde künftig auf Herdenschutzhunde verzichten.

Ein Schuldeingeständnis ist dies jedoch nicht. Er habe genug von all dem Ärger, weil die Leute die Hunde nicht akzeptierten, sagt Vogel. «Unsere Hirten werden aufs Übelste beschimpft und angefeindet, ich muss um meine Alp bangen und jetzt noch die Initiative. Irgendwann ist genug.» Dass seine Hunde als bissig verunglimpft werden, will Vogel nicht stehen lassen. Von den bis zu 150 Wanderern und Bikern pro Tag sei es in den vergangenen vier Jahren bisher zu zwei Meldungen gekommen. Das Veterinäramt der Urkantone bestätigt dies, die Kantonspolizei Uri hat lediglich Kenntnis von einem Fall. Felix Hahn, Leiter des Bereichs Herdenschutzhunde bei Agridea, hat sich über die Vorfälle soweit möglich informiert und in Erfahrung gebracht, dass die Personen lediglich Kratzer davongetragen haben. Die Vorfälle wie gewohnt direkt abklären konnte die Fachstelle nicht, da sie von den Behörden keine genügenden Informationen erhalten habe. Konkrete Hinweise, dass die Herdenschutzhunde auf der Unteralp übermässig aggressiv seien, gebe es jedoch keine, so Hahn. «Sie haben nur ihren Auftrag erfüllt», sagt auch Vogel. «Leider verstehen das die Leute nicht.»

Über die Causa Herdenschutzhunde im Urserntal informiert ist inzwischen auch die Regierung. Man habe die Initianten und den Talrat Ursern in einem Gespräch über mögliche Konsequenzen informiert, so Urban Camenzind: Zwar werden Risse ungeschützter Schafe mittelfristig noch entschädigt. Allerdings dürfen diese nicht gezählt werden, wenn es um eine Abschussbewilligung für den Wolf geht.

Amt für Landwirtschaft hatte keine Kenntnis

Ebenfalls beim Gespräch dabei war Damian Gisler, Vorsteher des Amts für Landwirtschaft. Wird ein Herdenschutzhund auf einer Urner Alp gewünscht, wägt das Amt für Landwirtschaft zusammen mit dem Veterinärdienst, der Fachstelle Wanderwege und dem Amt für Forst und Jagd die verschiedenen Interessen ab und entscheidet, ob der Einsatz von Hunden sinnvoll ist.

Kommt es trotz einer positiven Vorprüfung zu Problemen, würden diese analysiert und nach Lösungen gesucht, so Gisler weiter. Das habe man auch auf der Unteralp gemacht, indem die Vorweide eingezäunt und zusätzliche Informationen zum Aufenthaltsort der Hunde publiziert und zusätzliche Infotafeln zum richtigen Verhalten gegenüber Herdenschutzhunden platziert habe. «Dass sich die Lage in der Zwischenzeit derart zugespitzt hat, davon hatten wir beim Amt für Landwirtschaft keine Kenntnis», sagt Gisler. Er ist überzeugt, dass man auch hier eine Lösung hätte finden können. «Zumindest hätte man die Lage analysieren können, bevor gleich an ein Verbot gedacht wird.» Das gilt es nun nachzuholen – auf der Suche nach der Lösung des Grundproblems: Wie kann man eine Herde schützen und gleichzeitig die Schafalpung sichern?

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