Hohe Wintertemperaturen können Folgen haben für Urner Pflanzen

Es war der wärmste Winter seit Messbeginn. Das hat Auswirkungen auf die Natur und die Landwirtschaft in Uri.

Florian Pfister
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Ein Bild, das man in diesem Jahr früh sieht: Die Bauern düngen ihre Felder.

Ein Bild, das man in diesem Jahr früh sieht: Die Bauern düngen ihre Felder.

Bild: Pius Amrein

Dieser bestimmte Geruch steigt wieder in die Nase. Der unverwechselbare Duft, den man vom Vorbeigehen an Bauernhöfen kennt. Die Landwirte güllen bereits. Auch einzelne Pflanzen beginnen wieder zu blühen. Es sind Indizien für den frühen Frühling.

Die Witterung und der milde Winter erlauben es den Bauern, den Boden früher zu düngen als in anderen Jahren. «Die Landwirtschaft arbeitet mit der Natur zusammen, diese richtet sich nach dem Klima und den Temperaturen und nicht nach dem Kalender», sagt Daniel Blättler, Geschäftsführer der Bauernverbände Obwalden, Nidwalden und Uri. Durch die im Vergleich warmen Temperaturen und die wenigen Eistage in den letzten Monaten sowie den bereits merklich höheren Sonnenstand beginnt die Natur zu erwachen. «Dadurch nehmen die Pflanzen die Nährstoffe auf, obwohl es noch zu kühleren Tagen und einzelnen Frostnächten im März kommen kann», so Blättler. Es werde stets beobachtet, ob der Boden nicht durchnässt und befahrbar ist.

Der Grund für den warmen Winter liegt in der häufigen Zufuhr von milder Meeresluft aus Westen und Südwesten, wie Klimatologe Stephan Bader von Meteo Schweiz erklärt. «Die Schneefallgrenze lag in der milden Luft oft über 1000 Metern. Im Januar dominierte zudem mildes Schönwetter.» Deshalb gab es wenig Niederschlag und kaum Gelegenheit für Schneefall bis in tiefe Lagen.

Pflanzen blühen einen Monat früher

In der Natur gäbe es im Allgemeinen keine Probleme, sagt Georges Eich von der Abteilung Natur und Landschaft Uri. «Einmalige milde Winter beeinträchtigen die Natur langfristig nicht. Ich gehe davon aus, dass die Tiere grundsätzlich nicht unter dem früheren Frühling leiden.» Die Vegetationszeit der Pflanzen beginnt durch die warmen Temperaturen früher. «Sollte eine Frostperiode bevorstehen, kann diese gewisse Schäden hervorrufen. Zumindest für einheimische Pflanzenarten ist das aber kein ernsthaftes Problem, da sie an solche Rückschläge in der Regel angepasst sind», sagt Georges Eich. Anders sehe es bei Kulturpflanzen aus. Vor allem wenn Blüten betroffen sind, kann es bei vielen Arten zu erheblichen Ertragsausfällen kommen. Laut Bericht von Meteo Schweiz ist die Vegetation einen Monat voraus. Haselsträucher und Frühlingsblumen seien besonders früh am Gedeihen. Inzwischen sieht man auch die silbrigen Weidenkätzchen, die bei genügend Wärme fleissig von Bienen besucht werden.

Temperaturrekord Beleg für warmen Winter

Gemessen am Standort Altdorf war es laut Daten von Meteo Schweiz der mit Abstand wärmste Winter seit Messbeginn 1864. Im Vergleich zum bisherigen Rekordwinter 2000/01 stieg die Durchschnittstemperatur der kalten Jahreszeit um 0,2 °C. Die Messstation lieferte einen Temperaturschnitt von 4,4 °C zwischen Dezember und Februar.

Sollten nun wieder kältere Tage mit Schnee bevorstehen, bereiten diese der Landwirtschaft laut Daniel Blättler keine grösseren Schwierigkeiten. Es käme lediglich zu einem Stillstand des Wachstums. Schwerwiegendere Folgen und mögliche Schäden gäbe es nach Frostnächten, sobald die Obstbäume am Blühen sind. Dass uns im März ein später Winter bevorsteht, sei laut Meteo Schweiz nicht ausgeschlossen.

Langfristig ist mit zunehmend milderen Wintern zu rechnen. «Seit der vorindustriellen Periode 1871−1900 ist der Schweizer Winter knapp 2°C milder geworden. Bis Mitte Jahrhundert ist ohne Klimaschutz ein weiterer Anstieg der Wintertemperatur um 2 bis 3,5 °C möglich», schätzt Stephan Bader die Lage ein. Die Variabilität von kühleren zu warmen Winter sei jedoch nach wie vor recht gross. «Kühlere Winter sind also in den nächsten Jahren durchaus auch möglich.»