Altdorfer Hoteliers loten ihre Möglichkeiten aus

Die Lage am Gotthard könnte Altdorf bedeutend mehr Gäste bescheren. Doch ein Bettenausbau scheitert an der schwachen Wintersaison.

Christian Tschümperlin
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Melissa Arnold bei ihrer Arbeit im Hotel Höfli. (Bild: Blatthirsch GmbH)

Melissa Arnold bei ihrer Arbeit im Hotel Höfli. (Bild: Blatthirsch GmbH)

In die Altdorfer Hotellerie kommt Bewegung: Am vergangenen Samstag feierte der «Goldene Schlüssel» seine Wiedereröffnung, im Januar folgt das Hotel Zum schwarzen Löwen. Dies sind gute Nachrichten, die Hoteliers scheinen dem Standort zu vertrauen. Doch wie genau positionieren sich diese auf dem Markt und was sind ihre Pläne für die Zukunft?

Seit dem 28. Oktober ist das Restaurant Zum schwarzen Löwen nach einem Umbau wieder offen. «Wir haben bisher sehr gute Erfahrungen mit dem neuen Konzept gemacht», sagt die stellvertretende Geschäftsleiterin Elke Maucher. Man setzt auf mediterrane Küche. Das Restaurant hat man frisch möbliert. Die Kombination aus traditionellem Haus und moderner Möblierung wirkt sehr gemütlich und wird laut Maucher bei den Gästen sehr gut aufgenommen.

Nördlich des Gotthard ist man oft voll ausgelastet

Ab Januar 2020 legt auch das Hotel Zum Schwarzen Löwen einen Neuanfang hin, mit sieben Zimmern. Das Konzept ist breit ausgelegt, jeder sei willkommen, sagt Maucher. Sie glaubt an den Standort. «Aufgrund der wunderbaren Lage vor dem Gotthard wäre in Altdorf ein Bedürfnis nach mehr Betten vorhanden», sagt sie. Die stellvertretende Geschäftsführerin erlebt es oft, dass sie Gäste vom Seerausch in Beckenried durch den Gotthard schicken muss, weil man nördlich des Passes voll ausgelastet sei. Mit Blick auf das bisherige Bettenangebot sagt sie:

«Man muss die aktuelle Situation in Altdorf unbedingt ändern.»

Ebenfalls eine Wiedereröffnung feierte das Hotel Goldener Schlüssel am Samstag, 23. November, mit Sven Stindt, neuer Pächter, und Marcus Burri, Hotelmanager. Künftig sollen im Haus an der Schützengasse alle Arten des Fleischgenusses zelebriert werden, wie das UW berichtet hat. Zudem werde eine Zusammenarbeit etwa mit den Verantwortlichen der «Alpentöne» und des «Tonart»-Festivals angestrebt. Gegenüber unserer Zeitung wollten die Verantwortlichen aber keine weiteren Auskünfte über ihr geplantes Konzept preisgeben.

In rund einem Jahr soll dann ein weiteres Traditionshaus auf den Altdorfer Hotel-Markt zurückkehren: das Boutique-Hotel Reiser. Dieses ist seit Januar 2019 geschlossen. Die Renovierungsarbeiten sind derzeit in vollem Gange: Küche und Restaurant werden auf den neuesten Stand gebracht, zudem wird das Hotel von derzeit zehn auf künftig vierzehn Zimmer ausgebaut. Immobilienbesitzer Oliver Blättler ist ebenfalls jemand, der an den Standort Altdorf glaubt. Er macht aber auch klar: «Wer im Altdorfer Dorfzentrum ein Hotel renovieren will, muss feststellen, dass die politischen Mühlen langsam mahlen.» Zudem sieht er noch einiges Potenzial in der touristischen Vermarktung von Altdorf:

«Die Marke Wilhelm Tell besitzt weltweite Strahlkraft, sogar in China kennt man ihn.»

Blättler könnte sich ein Konzept vorstellen, bei dem Europa-Reisende aus China in Altdorf einen Zwischenstopp einlegen, wenn sie von Luzern durch den Gotthard reisen. Er sieht daher durchaus eine Chance, die Zahl der Betten in Altdorf weiter zu erhöhen. Die Schwachstelle verortet er aber in den Wintermonaten, wo es eher zu viele Betten gäbe.

Transitperiode kurbelt Sommergeschäft an Dem stimmt Peter Vespa, Geschäftsführer des Hotels Höfli, zu: «Winter ist die Zeit in Andermatt, unsere Zeit ist im Sommer», sagt er. Er teilt die Meinung, dass Altdorf strategisch sehr gut gelegen sei, schränkt aber ein: «Die Transitperiode dauert von O bis O, also von Ostern bis Oktober.» Der Sommer sei es, in dem Reisenden aus dem Norden zu ihrer Feriendestination in den Süden fahren und allenfalls einen Zwischenstopp in Altdorf einlegen. Er sagt:

«Wenn wir es gut machen, haben wir sicher die Möglichkeit, dass sie bei ihrer Rückkehr wieder bei uns im Urner Hauptort einkehren.»
Zur Situation der Hotels in Altdorf: Peter Vespa, Geschäftsführer des Hotels Höfli (Bild: cts, Altdorf, 18.11.2019)

Zur Situation der Hotels in Altdorf: Peter Vespa, Geschäftsführer des Hotels Höfli (Bild: cts, Altdorf, 18.11.2019)

Vespa sieht die Altdorfer Hotels im richtigen Segment positioniert: «Wir dürfen Altdorf nicht mit Zermatt oder St. Moritz vergleichen. In Altdorf erhältst Du keinen Hummer für 1000 Franken.» Ein Fünfsternhotel wäre daher in Altdorf fehl am Platz. Auch Andermatt sei eine andere Welt. In der Berggemeinde habe man das Skigebiet direkt vor der Hoteltüre. Da besitze man im Talboden andere Stärken.

Nicht nur mit Alpentönen und Tonart-Festival füllen

Der Kulturreichtum von Altdorf gereiche dem Kantonshauptort beispielsweise zum Vorteil: Festivals wie «Alpentöne», die Tellspiele oder «Tonart» sind weit über die Kantonsgrenzen hinaus bekannt. An solchen Tagen wird es eng mit den Übernachtungskapazitäten. Vespa gibt aber auch zu bedenken, dass man das Hotel das ganze Jahr über mit Gästen füllen können müsse.

Im Winter profitiert das Hotel Höfli unter der Woche vor allem von Ausserkantonalen, die in der Umgebung von Altdorf arbeiten. «Unsere Schwachstelle sind die Wochenenden im Winter.» Die grosse Frage, die für Hoteliers im Raum stehe, sei deshalb, wie man zu einer ausgewogenen Auslastung über das ganze Jahr hinweg kommen könne. «Denn am Ende misst sich alles an der Wirtschaftlichkeit», so Vespa.

Hotel zum Schwarzen Löwen in Altdorf bleibt Gastrobetrieb

Die Inhaber des Hotels zum Schwarzen Löwen haben den Betrieb auf Eis gelegt, um ein neues Konzept zu erarbeiten. Gerüchte, ein zweites Traditionshaus müsse in diesen Tagen schliessen, können aus dem Weg geräumt werden.
Florian Arnold