Hymnen rühren die Gäste in der Schöllenen zu Tränen

In einer eindrücklichen Zeremonie beim Suworow-Denkmal wurde gestern den gefallenen Soldaten gedacht.

Paul Gwerder
Merken
Drucken
Teilen
Lucas Caduff bei seiner Ansprache. (Bild: Paul Gwerder, Andermatt, 24. September 2019)
13 Bilder
Schweizer Wachsoldaten beim Denkmal. (Bild: Paul Gwerder, Andermatt, 24. September 2019)
Verschiedene Gruppen gaben in der Schöllenenschlucht ein farbenfrohes Bild ab. (Bild: Paul Gwerder, Andermatt, 24. September 2019)
Drei russisch orthodoxe Priester beteten beim Denkmal für die gefallenen Soldaten. (Bild: Paul Gwerder, Andermatt, 24. September 2019)
So muss es seinerzeit ausgesehen haben. (Bild: Paul Gwerder, Andermatt, 24. September 2019)
Viele Menschen brachen persönlich Blumen zur Gedenkstätte. (Bild: Paul Gwerder, Andermatt, 24. September 2019)
Zu Ehren des russischen Fürsten Sergei Michailowitsch Golizyn (1843-1915) hat sein Neffe gestern eine Gedenktafel enthüllt. (Bild: Paul Gwerder, Andermatt, 24. September 2019)
Divisionär Lucas Caduf mit dem Andermatter Russlandkenner Ferdinand Muheim. (Bild: Paul Gwerder, Andermatt, 24. September 2019)
Zwei Soldaten legen den wunderbaren Kranz beim Denkmal nieder. (Bild: Paul Gwerder, Andermatt, 24. September 2019)
Der russische Botschafter Sergei Garmonin bei seiner Ansprache. (Bild: Paul Gwerder, Andermatt, 24. September 2019)
Divisionär Lucas Caduf mit dem russischen Botschafter Sergei Garmonin (links). (Bild: Paul Gwerder, Andermatt, 24. September 2019)
Russische Soldaten stehen beim Denkmal Spalier. (Bild: Paul Gwerder, Andermatt, 24. September 2019)
Zum Auftakt spielten Suworow-Kadetten, Rekruten der Moskauer Militärschule, be-reits zum 20. Mal an dieser Gedenkfeier und immer unter dem gleichen Dirigenten. (Bild: Paul Gwerder, Andermatt, 24. September 2019)

Lucas Caduff bei seiner Ansprache. (Bild: Paul Gwerder, Andermatt, 24. September 2019)

Ein kräftiger Wind wehte am Dienstagmorgen von der Schöllenenschlucht Richtung Teufelsbrücke. Anders als an anderen Tagen, sprachen die Menschen, die Richtung Suworow-Denkmal pilgerten, zum grossen Teil russisch. Genau vor 220 Jahren zog General Alexander Wassiljewitsch Suworow vom Tessin herkommend ins Urnerland. Am 21. September 1799 ging es von Taverne im Tessin mit 22000 Soldaten und vielen Maultieren los Richtung Alpen. Die verbündeten Österreicher und Engländer liessen ihn jedoch ziemlich im Stich.

Bereits in Airolo gab es einen unerbittlichen Kampf gegen die Franzosen, bei dem 2000 russische Soldaten fielen. In der Schöllenenschlucht fand am 25. September eine besonders harte Schlacht statt, bei der es auf beiden Seiten Hunderte von Opfern gab.

Suworow-Kadetten musizierten zum 20. Mal

General Suworow ist in der Innerschweiz bis heute ein Begriff. Zur Erinnerung an diesen Alpenfeldzug, bei dem die Russen die Schweiz vor den Franzosen befreiten, fand gestern eine traditionelle feierliche Gedenkzeremonie statt. Zum Auftakt spielten Suworow-Kadetten, Rekruten der Moskauer Militärschule, bereits zum 20. Mal an dieser Gedenkfeier und immer unter dem gleichen Dirigenten. Der Botschafter der Russischen Föderation, Sergei Garmonin, begrüsste zusammen mit Divisionär Lucas Caduff, Kommandant Territorialregion 3, dem auch der Kanton Uri angehört, die vielen zivilen und militärischen Ehrengäste. Den Kanton Uri vertrat Landratspräsident Pascal Blöchlinger. Danach spielten die Musiker die russische und Schweizer Landeshymne, bei der dem einen oder anderen Besucher aus Emotionen ein paar Tränen flossen. Danach legten zwei russische Soldaten einen Kranz beim Denkmal nieder.

Botschafter Garmonin erinnerte daran, dass damals die Schweiz nur aus 13 Kantonen bestanden hat und diese durch die Franzosen bedroht worden seien, denn es gab Gefechte in rauen Mengen. «Was Suworow fertigbrachte, war einmalig und wäre heute aussichtslos», betonte der Botschafter, denn die Russen kämpften mit 22000 Soldaten gegen eine riesige Übermacht von 75000 Franzosen und kamen schlussendlich noch als «Sieger» aus dieser blutigen Schlacht, erinnerte Garmonin. In 17 Tagen zogen die Russen über sieben teilweise schneebedeckte Alpenpässe. «Seine grosse Beliebtheit erlangte Suworow zur Nähe des Volkes und der Armee und es ist ihm gelungen, aus sämtlichen 63 Schlachten als Sieger hervorzugehen», erinnerte der Botschafter. Die Parole im Kampf hiess immer gleich: «Wir sind Russen – wir werden siegen!»

«Heute wollen wir allen Soldaten gedenken, die ihr Leben für die Heimat gaben», betonte der russische Botschafter. Auch in Russland wird der erfolgreiche Feldherr bis heute verehrt. 2009 besuchte der damalige russische Präsident Dmitri Medwedew das Suworow-Denkmal in der Schöllenenschlucht und legte dort einen Kranz nieder.

Das zwölf Meter hohe Granitkreuz war 1898 im Auftrag des russischen Fürsten Sergei Michailowitsch Golizyn (1843-1915) erbaut worden. Zu Ehren dieses Fürsten wurde gestern von einem Neffen eine Gedenktafel neben dem Denkmal enthüllt.

Divisionär Lucas Caduff überbrachte die Grüsse der Eidgenossenschaft. «Wir wollen allen gefallenen Soldaten, gleich welcher Front sie angehörten, gedenken», sagte Caduff.

Krieg bringt meistens Unheil und Schrecken

«Es gab im Jahr 1799 harte Auseinandersetzungen zwischen den Völkern und es hat sich nicht viel verändert bis heute, denn der Krieg bringt meistens Unheil und Schrecken», so der Divisionär. «Ein umfassender Frieden auf der Welt ist wahrscheinlich nie zu erreichen, solange es machthungrige Menschen gibt», glaubt Caduff. Deshalb werde es immer die Armee brauchen, welche einen Beitrag zur Sicherheit in der Schweiz leiste. «Wir Menschen sollten dafür sorgen, dass es ein friedliches Zusammenleben unter den Völkern gibt», so der Divisionär.

Für den Andermatter Ferdinand Muheim war gestern ein wichtiger Tag, denn er hat sich stets mit viel Herzblut für den Erhalt des Denkmals eingesetzt. Deshalb wurde er auch vor acht Jahren in der Botschaft der Russischen Föderation in Bern «für die Verdienste um die Verewigung des Andenkens an gefallene Vaterlandsverteidiger» ausgezeichnet.