Georg Simmen: «Ich bin sehr schnell im Lösungsmodus»

Der 46-jährige Realper bezeichnet sich als entscheidungsfreudig. Eine Eigenschaft, die er für einen Regierungsrat als unerlässlich ansieht.

Martin Uebelhart
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FDP-Regierungsratskandidat Georg Simmen vor dem Rathaus Ursern.

FDP-Regierungsratskandidat Georg Simmen vor dem Rathaus Ursern.

Bild: Urs Hanhart (Andermatt, 20. Januar 2020)

Seit zehn Jahren politisiert Georg Simmen für die FDP im Landrat. «Ich finde das sehr spannend und mache es wirklich gerne», sagt er im Gespräch mit unserer Zeitung. Dabei habe er auch gesehen, wie die Regierung arbeitet. «Und ich hatte das Gefühl, was die leisten, das kann ich auch», meint der Realper zu seiner Motivation, für den Regierungsrat zu kandidieren. «Es reizt mich, hinzustehen und Verantwortung für Uri zu übernehmen», betont er. Es reize ihn natürlich auch, selber auf der Regierungsbank zu sitzen und zusammen mit dem Landrat konstruktive Arbeit zu leisten. In seinem Job sei er ebenfalls in einer Führungsposition tätig. «Doch als Talschreiber der Korporation Ursern wirke ich mehr im Hintergrund.» Als im Verlaufe des vorletzten Jahres absehbar geworden sei, dass es im Regierungsrat Vakanzen gebe, habe er schon früh verkündet, seine Stelle als Talschreiber im Frühling 2020 zu verlassen und ein politisches Amt anzustreben. «Ich habe damals schon auf den Regierungsrat geschielt», räumt der 46-Jährige ein. Für ihn sei klar gewesen, dass er sich nicht für den National- oder Ständerat interessiere.

Auf seiner Website schreibt Simmen: «Ich will frischen Wind in den Regierungsrat bringen.» Darauf angesprochen meint er, vom Landrat her kenne man ihn als manchmal etwas ungestüm. «Ich rede Klartext und habe auch keine Scheu, mich damit nach rechts und links zu wenden.» Er wolle Themen anpacken. Es sei aber nicht sein Ziel, in die Regierung zu kommen und alles umzustellen oder besser zu wissen. Doch habe er das Gefühl, dass es heute in der Regierung etwas am Teamgedanken fehle. Georg Simmen denkt zwar, dass dies mit den Diskussionen um die UKB-Strategie etwas besser geworden sei. Da seien die Regierungsrätinnen und -räte etwas näher zusammengerückt, weil sie gemerkt hätten, dass sie nicht immer alles allein machen könnten. Er selber bezeichnet sich derweil als Teamplayer. «Als Talschreiber kann ich nur etwas umsetzen, wenn ich mit den Leuten rede und gemeinsam mit ihnen nach Lösungen suche. Alleine kann ich nichts durchdrücken.» Simmen hält die Erfahrungen, die er bei der Korporation gemacht hat, für eine gute Schule für ein Exekutivamt.

Uri ist von der Überalterung der Gesellschaft besonders betroffen

Er ist überzeugt, dass es jetzt lösungsorientierte und entscheidungsfreudige Personen im Regierungsrat brauche. «Es geht darum, die Grossprojekte wie das Kantonsspital, den Kantonsbahnhof oder die Werkmatt zu konsolidieren», hält er fest. Man müsse diese Projekte nun mit allen Involvierten umsetzen, sodass sich die nachhaltige Wirkung entfalten könne. «Das sehe ich als Hauptherausforderung für die nächsten Jahre». Mit Blick auf das Spital meint er: «Vieles kann sich ändern, wenn der Bund im Gesundheitswesen an einer Schraube dreht und die Kosten anders verteilt.» Eine grosse Herausforderung, die auf Uri zukomme, sei überhaupt die Überalterung der Gesellschaft. Der Kanton Uri sei davon besonders betroffen. Es brauche darum gute Rahmenbedingungen für die Pflegeberufe; Spitex sowie Heimpflege müssten für jedermann bezahlbar sein.

Als entscheidungsfreudig sieht sich Simmen unbedingt: «Wenn ich auf ein Problem stosse, bin ich sehr schnell im Lösungsmodus.» Mit so einer Eigenschaft sei man in einem Exekutivgremium, wo bisweilen schnelle Entscheidungen gefragt sind, sicher nicht am falschen Platz. Simmen attestiert sich zudem eine gute Auffassungsgabe. Und als Jurist könne man sich in einer Regierung gut einbringen: «Es geht immer um Recht und gesetzliche Grundlagen.» Wenn man dabei einen breit gefächerten Erfahrungsschatz habe, sei das sicher nicht schädlich. Klar sei ihm auch, dass man in so einem Amt im Fokus stehe. Und dass man mitunter auch unpopuläre Entscheide zu vertreten habe. «Dann gilt es, sachlich zu argumentieren», ist er überzeugt. Da habe er nicht die Wiederwahl im Auge. Wenn er von etwas überzeugt sei, setze er sich dafür ein, dem Anliegen zum Durchbruch zu verhelfen. «Daran werde ich mich auch messen lassen», betont er.

Simmen interessiert sich für die Justizdirektion

«Das Thema einer Lawinenschutzgalerie für die Strasse von Hospental nach Realp hat mich immer wieder beschäftigt», sagt er mit Blick auf seine Zeit im Landrat. Gelöst sei die Frage noch nicht, aber es sei auch nicht das Hauptthema. Mit dem Beispiel will Simmen aufzeigen, dass man sich als Landrat durchaus für regionale Belange einsetzen soll. «Ich sehe mich aber nicht nur als Gemeindevertreter. Man muss als Landrat auch immer das Wohl des ganzen Kantons im Auge behalten. Und so habe ich auch immer politisiert», hält er fest. Er habe viel im Kleinen bewirkt. Als Präsident der Finanzkommission (Fiko) habe er mitgeholfen, das Globalbudget für das Personal auf den Weg zu bringen. «Zuvor haben wir im Rat um jede Stelle gefeilscht.» Auch bei der Neugestaltung des kantonalen Finanzausgleichs habe die Fiko eine gute Lösung ausgearbeitet.

Bei der Frage, welche Direktion er sich denn als Regierungsrat vorstellen könnte, zögert er nicht lange: «Die Justizdirektion wird frei und diese Aufgabe würde mir gut liegen.» Verschiedene Ämter und Abteilungen kenne er aus seiner Zeit als Notar. Mit Blick auf alle sieben Direktionen findet er, die Aufgaben seien etwas ungleich verteilt. Die Gesundheitsdirektion etwa sei ein «Riesenladen», während andere Direktionen mit weniger Personal bestückt seien. «Das könnte man hinterfragen und auch gleich diskutieren, ob die Aufteilung in Ämter und Abteilungen noch zeitgemäss ist oder ob man das auch anders machen könnte», schiebt er nach.

Bei Majorzwahlen spielt die Partei keine so zentrale Rolle

Was die Zusammensetzung des Regierungsrats betrifft, würde es Georg Simmen gut finden, wenn es wieder eine «bunte Mischung» gäbe. «Konkordanz nach rechts wie links finde ich grundsätzlich wichtig, aber nicht um jeden Preis.» Zumal Majorzwahlen Personenwahlen seien und die Parteizugehörigkeit nicht so eine zentrale Rolle spiele. Die Bürgerinnen und Bürger solle jene Personen wählen, von denen sie das Gefühl habe, dass sie am Besten für das Amt geeignet seien. Nachdenklich stimmt ihn etwas anderes: «Am Wahltag am 8. März ist Tag der Frau und wir haben nicht eine einzige Kandidatin.» Seine eigenen Wahlchancen einzuschätzen, findet er schwierig. «Aber wenn ich das Gefühl hätte, ich komme völlig flach heraus und sei chancenlos, dann hätte ich mich nicht aufstellen lassen.»

Dass Georg Simmen seinen Weg so beschreiten konnte, wie er es bis heute getan hat, verdankt er nicht zuletzt auch der modernen Technik: «Ich bin schwerhörig, doch dank digitaler Hörgeräte schränkt mich das im Alltag nicht ein», erzählt er. Manchmal müsse er zwar nachfragen, doch habe er ein gutes Sprachverständnis. «Das ist wichtig für die Kommunikation.» Und er fügt an: «Vor 50 Jahren hätte ich wohl einen anderen Beruf ergreifen müssen.»

Drei heisse Fragen an Georg Simmen

Ist das nicht sehr selbstsicher, den Job zu kündigen, bevor Sie wissen, ob Sie in die Regierung gewählt werden?

Ja, es ist selbstsicher. Doch die Selbstsicherheit kann ich mir ein stückweit leisten, weil ich zwar verheiratet bin, aber wir bis jetzt keine Kinder haben und meine Frau ebenfalls berufstätig ist. Für mich war klar, dass ich als Talschreiber nicht pensioniert werden wollte. Vermutlich wäre in zwei, drei Jahren der Moment zum Aufhören besser gewesen, weil aktuell bei der Korporationsverwaltung Pensionierungen anstehen. Aber für mich war es wichtig, früh genug reinen Tisch zu machen, um die Nachfolge gut regeln zu können. Ich wollte nicht herumeiern und abwarten, ob ich gewählt werde. Im Fall einer Nichtwahl gibt es keinen eigentlichen Plan B: Dann gehe ich im Sommer drei Monate wandern und überlege dann, was ich künftig machen will. Denkbar ist für mich auch eine Rückkehr in den Beruf als Rechtsanwalt und Notar.

Als Landrat kritisieren Sie gerne die Regierung. Könnten Sie als Regierungsrat mit Kritik aus dem Parlament leben?

Das müsste ich können, sonst wäre ich am falschen Platz. Im Vergleich zu den Verhältnissen in anderen Kantonen ist es in Uri noch immer ein Zusammenarbeiten. Ich sehe den Landrat nicht als Feind. Es ist die Aufgabe des Parlaments, auch kritische Fragen zu stellen. Und ich hoffe, diese als Regierungsrat dann auch beantworten zu können. Sollte ich wirklich einen Fehler machen, bin ich mir zudem nicht zu schade, mich zu entschuldigen.

Braucht es zwei Regierungsräte aus dem Urserntal?

Nein, nicht unbedingt. Aber es kann ja auch zwei Altdorfer, zwei Erstfelder oder zwei Bauern geben. Es sassen auch schon vier Lehrer in der Regierung. Natürlich ist es gut, wenn die Verteilung etwas ausgeglichen ist, auch mit Blick auf die Regionen. Doch letztlich ist es nicht die Frage, ob es einen Urschner mehr oder weniger geben soll. Sondern es geht darum, dass die Bürgerinnen und Bürger überzeugt sind, diese Persönlichkeit macht ihren Job gut. Deswegen soll man mich wählen und nicht wegen meiner Herkunft. Ich bin ein stolzer Urschner, doch man muss den ganzen Kanton im Auge behalten.

Hinweis: Unsere Zeitung porträtiert alle Kandidaten für die Regierungsratswahlen vom 8. März.

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