«Ich spüre eine gewisse Anerkennung»

Thomas Gisler hat zurzeit mehr zu sagen als der Gemeindepräsident. Der Zunftmeister spricht über die fünfte Jahreszeit, sein Amt und über seine Pflichten.

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Thomas Gisler freut sich: «Seedorfer Zunftmeister zu sein, ist ein lässiges Gefühl.» (Bild: Urs Hanhart/Neue UZ)

Thomas Gisler freut sich: «Seedorfer Zunftmeister zu sein, ist ein lässiges Gefühl.» (Bild: Urs Hanhart/Neue UZ)

Für viele ist die Fasnacht die fünfte Jahreszeit. Auch für Sie?
Thomas Gisler*:Unbedingt. Fasnacht hat mir immer sehr viel bedeutet. Seit ich im Zunftrat bin, freue ich mich ganz speziell auf die närrischen Tage.

Sie amtieren als Zunftmeister. Was bedeutet Ihnen dieses Amt?
Gisler:
Ich habe während der vergangenen Jahre im Zunftrat bereits einiges erlebt. Aber die Fasnacht als Zunftmeister ist natürlich ganz speziell und die eigentliche Krönung. Die Leute interessieren sich für mich und mein Amt, und ich spüre eine gewisse Anerkennung. Es ist wirklich ein «lässiges» Gefühl. Und wenn ich die zum Teil prominenten Namen in der Liste meiner Vorgänger anschaue, dann erfüllt es mich doch mit einem gewissen Stolz, ebenfalls diesem Kreis anzugehören.

Einer Ihrer Vorgänger hat einmal gesagt, der Zunftmeister habe während der Fasnacht mehr Macht als der Gemeindepräsident. Trifft dies wirklich zu?
Gisler:
Ja, das ist so. (lacht) Ich habe mit Gemeinderatspräsident Max Aschwanden immer wieder Diskussionen über dieses Thema – natürlich nicht ganz ernsthafte. Aber er weiss: Von der GV der Fröschenzunft im November bis am Aschermittwoch habe ich in Seedorf das Sagen. Und er hat mir auch gesagt, dass er damit leben könne, wenn er nachher wieder der Chef im Dorf sei. (lacht)

Wie wird man eigentlich Zunftmeister, und welches sind die Hauptaufgaben?
Gisler:
Das Ganze beginnt mit der Wahl in den Zunftrat. Dann durchläuft man turnusgemäss die verschiedenen Ämter. Als Zunftmeister bin ich Kontaktperson zur Bevölkerung. Zusammen mit den übrigen Zunfträten organisiere ich die Seedorfer Fasnacht. Zu meinen Aufgaben gehören unter anderem das Leiten der Sitzungen des Zunftrats, das Einholen von Bewilligungen für die Durchführung von Anlässen respektive die Benützung von Infrastrukturen der Gemeinde, aber auch das Aufbieten der Feuerwehr, zum Beispiel für den Verkehrsdienst, oder die Rekrutierung von anderem Hilfspersonal. Und nicht zuletzt pflege ich den Kontakt mit den Gastgebern, die uns bei den Katzenmusik-Touren jeweils als grosszügige Gastgeber bewirten. Diese Touren geniesse ich richtig, sofern die Erholungsphase dazwischen ausreicht. (lacht)

Welches sind für Sie die Highlights der diesjährigen Seedorfer Fasnacht?
Gisler:
Speziell war natürlich die erste Tour, weil ich nicht wusste, was mich da erwartet. Aber das absolute Highlight findet sicher heute Mittwoch statt. Zum 60-Jahr-Jubiläum haben wir einen grösseren Anlass organisiert. In der Mehrzweckhalle steigt eine grosse Geburtstagsparty mit zwei Bands. Dazu haben wir auch die ehemaligen Zunftmeister eingeladen. Wir hoffen, dass dieser Anlass zu einem echten Dorffest wird. Ganz speziell sind für mich aber auch die Anlässe für die Kinder. Mich freut immer wieder die Begeisterung, mit der die Kleinsten bei der Sache sind.

Hinter der Arbeit des Zunftmeisters steckt ein grosser Aufwand, und reich wird man dabei nicht. Woher nehmen Sie die Motivation?
Gisler:
Es ist effektiv nicht immer ganz einfach, Beruf, Sport und Aufgaben als Zunftmeister unter einen Hut zu bringen. Und die Fasnachtszeit ist wirklich auch recht anstrengend. Doch mit der Wahl in den Zunftrat habe ich A gesagt. Dass ich nun auch B sage, ist für mich selbstverständlich. Die Tradition der Fasnacht pflegen, den Leuten etwas bieten, Jung und Alt zusammenbringen und so etwas für die einheimische Bevölkerung tun: Das ist meine Motivation. Vor allem freut es mich, wenn Jung und Alt gemeinsam unterwegs ist, Feste feiert oder angeregt diskutiert. Gerade diesbezüglich darf man die soziale und gesellschaftliche Bedeutung der Fasnacht nicht unterschätzen.

Andernorts greift der Zunftmeister als grosszügiger Herrscher tief in die eigene (Geld-)Tasche. Ist dies in Seedorf auch so?
Gisler:
Aus dem eigenen Sack zahlt der Zunftmeister heute eigentlich nur noch die Wurstweggen anlässlich der Bodenwaldtour. Natürlich lässt man dann und wann, wenn der Rahmen stimmt, auch mal eine Runde springen. Aber die Zeiten, als man eher wohlhabend sein musste, um sich das Amt überhaupt leisten zu können, sind definitiv vorbei.

Nach der Fasnacht müssen Sie Ihr Amt abgeben und den Zunftrat verlassen. Welche Gefühle kommen hoch, wenn Sie an Ihren Abgang denken?
Gisler:
Ich bin sicher: Nach zum Teil anstrengenden sieben Jahren wird es einerseits eine Erleichterung sein. Anderseits wird dieser Abschied auch mit Wehmut verbunden sein. Ich werde aber auch nachher Fasnächtler sein und mich für die Belange der Fröschenzunft interessieren. Aber momentan denke ich nicht ans Ende der Amtszeit. Die Fasnacht unter dem Motto Im Wilden Westen beginnt ja heute Mittwoch erst richtig. Und ich hoffe, dass es eine möglichst schöne, abwechslungsreiche und gemütliche Zeit wird. Für mich ist klar: Seedorf hat die schönste Fasnacht. Man kennt einander, man ist in kleineren Grüppchen unterwegs. Das kann ebenso schön sein wie das Eintauchen in die Masse in den Fasnachtshochburgen.

Und Ihr grösster Wunsch für die kommenden Tage?
Gisler:
Ich hoffe, dass alles so klappt, wie sich dies der Zunftrat vorstellt. Und vor allem hoffe ich, dass ich wirklich auch Zeit finde, das Zusammensein mit meinen Kollegen und der ganzen Bevölkerung von Seedorf zu geniessen.

Bruno Arnold

HINWEIS
* Der 29-jährige Schreiner Thomas «Esco» Gisler amtiert 2011 als Zunftmeister der Fröschenzunft Seedorf. Als Hobbys nennt er Rollhockey (Spieler des NLA-Teams des RHC Uri) und Skifahren.

Fröschenzunft: Sieben Jahre bis zur Krönung

Wie bereits in den ersten Jahren, so entscheidet auch heute noch der Vorstand der Zunft, der so genannte Zunftrat, einmal pro Jahr, wer neu in den Rat aufgenommen wird. Das Neumitglied ist zuerst während zweier Jahre Beisitzer, danach bekleidet es der Reihe nach die folgenden Ämter: Materialverwalter, Zunftschreiber, Säckelmeister und Dirigent. Als Krönung der Vorstandstätigkeit steigt man dann im siebten Jahr zum Zunftmeister und «König» der Seedorfer Fasnacht auf. Danach muss der Zunftmeister den Vorstand verlassen, er amtet aber während zweier Jahre noch als Rechnungsrevisor und hilft beim Kinderumzug mit - selbstverständlich alles ehrenamtlich. Aktuell setzt sich der Zunftrat aus Zunftmeister Thomas Gisler, Dirigentin Romaine Tresch, Säckelmeister Franco Büeler, Zunftschreiberin Martina Kuriger, Materialverwalter Martin Büeler sowie den beiden Beisitzern Claudia Gamma und Stefan Herger zusammen. Finanziell unterstützt wird die Zunft von der Seedorfer Bevölkerung, die sich bei der jährlichen Sammelaktion sehr grosszügig zeigt. Zusätzlich führt die Fröschenzunft bei einigen Veranstaltungen auch die Festwirtschaft und vermietet Fasnachtsinstrumente.

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Die Fröschenzunft ist 60 Jahre alt

1951 zogen ein paar Seedorfer Männer durchs Dorf und hämmerten im Takt auf Fässer. Das war die Geburtsstunde der Fröschenzunft, die 2011 ihr 60-Jahr-Jubiläum feiert. Die grosse Geburtstagsparty steigt heute Mittwoch, 2. März. Den Auftakt macht um 19 Uhr der Einzug der Fröschenzunft von der Avia-Tankstelle via Dorfstrasse zur prächtig dekorierten Mehrzweckhalle. Für musikalische Unterhaltung sorgen die beiden Bands 3 auf Zack und 3 Promille. Bei Festwirtschafts- und Barbetrieb soll der 60. Geburtstag gebührend gefeiert werden. Und auch der traditionelle «Chäschüächä» wird nicht fehlen. Die Fröschenzunft lädt die ganze Bevölkerung recht herzlich ein.

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