Ignaz W. und Sasa S. müssen ins Gefängnis

Das Landgericht Uri hat das Urteil im Mordprozess von Erstfeld gesprochen: Ignaz W. muss 10 Jahre ins Gefängnis, Auftragskiller Sasa S. für 8,5 Jahre.

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Ignaz W. wird nach der Urteilsverkündigung unter Polizeischutz abgeführt. (Bild: Urs Hanhart / Neue UZ)

Ignaz W. wird nach der Urteilsverkündigung unter Polizeischutz abgeführt. (Bild: Urs Hanhart / Neue UZ)

Das Landgericht Uri hat Ignaz W. am Mittwoch des versuchten Mordes in Mittäterschaft und der Gefährdung des Lebens schuldig gesprochen und zu einer Gefängnisstrafe von 10 Jahren verurteilt. Auftragskiller Sasa S. wurde des versuchten Mordes in Mittäterschaft schuldig befunden. Er muss für 8,5 Jahre hinter Gitter. Das Opfer erhält zudem eine Genugtuung von 10'000 Franken, die Vertreterin des Opfers forderte 40'000 Franken.

Im November 2010 war in Erstfeld eine Frau angeschossen und schwer verletzt worden. Die Urner Staatsanwaltschaft beschuldigte den Ex-Mann des Opfers, den heute 44-jährigen Barbetreiber Ignaz W., seinen Komplizen, den damals 22-jährigen serbisch-kroatischen Doppelbürger Sasa S., gegen Bezahlung mit dem Anschlag beauftragt zu haben. Zudem warf sie dem Barbetreiber eine versuchte Tötung vor. Er soll im Januar 2010 auf einen Gast geschossen haben. Oberstaatsanwalt Bruno Ulmi hatte für den Barbetreiber fünfzehn Jahre und für seinen Komplizen zwölfeinhalb Jahre Gefängnis gefordert.

«Skrupellos und verwerflich»

Für das Gericht sind die Angeklagten skrupellos und verwerflich. Als Motiv sieht es beim Hauptangeklagten den Kampf um das Sorge- und Besuchsrecht für den gemeinsamen Sohn. Auch habe er Angst gehabt, dass seine Frau Interna ausplaudern könnte. Schliesslich sei es um den Zugriff auf ein Erbe gegangen. Dem Komplizen sei es, weil er in Schulden steckte, um Geld gegangen.

Verteidiger bestreiten Mordversuch

Die Verteidiger dagegen forderten Freisprüche. Der Verteidiger des Barbetreibers hatte dem Staatsanwalt vorgeworfen, er habe nur Indizien präsentiert. Bei dem angeblichen Mordversuch fehle das Motiv. Der Verteidiger vermutete, das Opfer habe den Anschlag selber inszeniert, um den Ex-Mann loszuwerden. Nach Ansicht des Verteidigers des Kroaten hat die Staatsanwaltschaft vorschnell einen Tathergang konstruiert und dann einfach alles ausgeblendet, was nicht dazu passte. Die Aussagen der Hauptzeugen bezeichnete der Verteidiger als wertlos. Einer sei ein notorischer Angeber, die andere habe sich an ihrem Freund rächen wollen.

Die Untersuchung der Staatsanwaltschaft war sehr aufwendig. Sie dauerte 16 Monate, und die Akten füllten 19 Bundesordner. 20 Mal musste sich das Zwangsmassnahmengericht mit dem Fall beschäftigen, acht Mal das Urner Obergericht und drei Mal das Bundesgericht. Die Polizei führte 62 Befragungen, die Staatsanwaltschaft 35 Einvernahmen durch. Unter anderem wurden zwei psychiatrische Gutachten sowie Gutachten zu Schmauchspuren und Tatwaffen in Auftrag gegeben.

Hansjörg Felber, der Sasa S. verteidigte, und Linus Jaeggi, der Anwalt von Ignaz W. zeigten sich nach der Urteilsverkündung «konsterniert». Sie haben angekündigt, aufgrund von Widersprüchlichkeiten das Urteil ans Urner Obergericht weiterzuziehen.

bar/rem/sda

Hinweis:
Die bisher erschienenen Artikel zum Gerichtsprozess lesen sie auf www.urnerzeitung.ch/gerichtsprozessnach.

Mehr zum Urteil lesen Sie am Donnerstag in der Neuen UZ und im E-Paper.