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Ignaz Walker veröffentlicht Dokumente mit pikantem Inhalt auf seiner Website

Der ehemalige Barbetreiber aus Erstfeld riskiert eine erneute Anklage, weil er sämtliche Verfahrensdokumente auf seine Homepage gestellt hat. Damit wolle er Transparenz schaffen und seine Unschuld beweisen, sagt Ignaz Walker.
Kilian Küttel und Florian Arnold
Ignaz Walker nach seiner Freilassung aus dem Untersuchungs- und Strafgefängnis Nidwalden. (Bild: Dominik Wunderli (Stans, 22. September 2015))

Ignaz Walker nach seiner Freilassung aus dem Untersuchungs- und Strafgefängnis Nidwalden. (Bild: Dominik Wunderli (Stans, 22. September 2015))

«Es vergeht nahezu kein Tag, an dem ich nicht auf meinen Fall angesprochen werde», schreibt der ehemalige Barbetreiber Ignaz Walkers auf seiner Homepage. «Eigentlich hat mein Leben am 12. November 2010, am Tag meiner Verhaftung, aufgehört.» Trotz dieser resignierenden Worte scheint Walker, der sich als «Justizopfer» sieht, seinen Kampfwillen noch nicht aufgegeben zu haben. Kurz bevor das Bundesgerichtsurteil in seinem Fall zu erwarten ist (siehe Box), holt Walker nochmals zu einem Paukenschlag aus. Derzeit ist er daran, seine Verfahrensdaten ins Internet hochzuladen und dort öffentlich zugänglich zu machen. Mit dieser Arbeit habe er am vergangenen Samstag, 3. November, begonnen, sagt er auf Anfrage.

«In meinem Fall gab es etliche Ermittlungsfehler, immer wieder wurde versucht, Tatsachen zu vertuschen», sagt der Urner. «Und viele Leute haben über mich entschieden, ohne überhaupt alle Akten gelesen zu haben.» Jetzt will er einen Schlussstrich ziehen: Jeder solle lesen können, was in der Causa Walker passiert sei.

Bereits jetzt sind es Tausende Seiten, die der ehemalige Barbetreiber im PDF-Format hochgeladen hat. Darunter befinden sich auch pikante Inhalte: Handynummern, Adressen, Versicherungspolicen, Kontoauszüge. Alles für die Transparenz, «alles, um meine Unschuld zu beweisen», so der Erstfelder.

Walker ist es völlig egal, ob sein Handeln legal ist

Dass sich Walker damit auf dünnem Eis bewegt, ist ihm klar: «Da meines Wissens noch niemand einfach sämtliche Akten im Internet veröffentlicht hat, wird die Frage gestellt werden: Ist das legal? Darf der Walker dies tun?», schreibt er auf seiner Website. Er habe keine Ahnung und es sei ihm «offen gestanden völlig egal», gibt er zu.

Auf eine rechtliche Abklärung seitens seines Anwalts Linus Jaeggi hat Walker offenbar verzichtet. «Ich nehme zur Kenntnis, was mein Mandant getan hat», so Jaeggi auf Anfrage. Aber: «Auf den ersten Blick kann ich nichts Verbotenes dabei feststellen. Ich habe ein gewisses Verständnis für das Handeln von Walker.»

Anders sieht dies der Zürcher Anwalt Martin Steiger, der sich auf Rechtsfragen im IT-Bereich spezialisiert hat. «Grundsätzlich kann sich jedermann zu Verfahren äussern, die ihn betreffen und entsprechende Dokumente öffentlich machen – auch im Internet», sagt Steiger. Jedoch gebe es Grenzen. Namentlich müssten laut Steiger die Persönlichkeitsrechte anderer Beteiligter sowie das Recht auf Datenschutz gewahrt werden.

Gemäss Zivilrecht ist eine Veröffentlichung persönlicher Daten nur dann erlaubt, wenn ein überwiegendes öffentliches oder privates Interesse besteht, eine Veröffentlichung von Gesetzes wegen verlangt ist oder wenn betroffene Personen ihr Einverständnis gegeben haben: «Ohne genaue Aktenkenntnis möchte ich mich nicht dezidiert zum Fall Walker äussern», so Steiger. «Aber die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass in den Dokumenten Daten enthalten sind, die nicht veröffentlicht werden dürften.» Beispiele dafür seien Kontoauszüge, medizinische Daten und Einvernahmeprotokolle.

Zwei Wochen Arbeit, um alle Dokumente aufzuschalten

Weiter fügt der IT-Anwalt an, es habe bereits in der Vergangenheit Personen gegeben, welche die gleiche Idee wie Ignaz Walker hatten. Aufgrund des «riesigen Datenbergs» werden laut Walker in den kommenden Tagen weitere Datensätze folgen. Insgesamt würde es ihn wohl zwei Wochen kosten, alle Dokumente aufzuschalten. Walker möchte möglichst viele Leute auf seine Internetseite ziehen: «Ich will, dass jeder Interessierte lesen kann, was passiert ist. Denn alle, die sich die Mühe gemacht haben, die Akten vollständig zu studieren, sind der Meinung, dass ich für Taten verurteilt wurde, die ich nicht begangen habe. Leider sind es sehr wenige.»

Von Freispruch bis 15 Jahre

Ignaz Walker wird beschuldigt, am 4. Januar 2010 vor seiner damaligen Bar Taverne auf den Holländer Johannes Peeters geschossen, ohne ihn dabei getroffen zu haben. Mit derselben Waffe werden am 10. November 2010 auf Walkers Ex-Frau Nataliya K. Schüsse abgefeuert. Die Tatwaffe wird bei Sasa Sindelic sichergestellt. Dieser wird zu achteinhalb Jahren verurteilt – wegen versuchten Mordes in Mittäterschaft. Den Auftrag soll Walker erteilt haben. In einem TV-Interview bringt Sindelic allerdings eine «Mord-Komplott-Theorie» ins Spiel, wobei der rechtskräftig verurteilte Schütze betont, Walker habe mit der Sache nichts zu tun. Die Aussagen werden extern untersucht und verworfen.

Warten auf das Urteil des Bundesgerichts
Der Indizienprozess hat sich beinahe zu einer «unendlichen Geschichte» für die Justiz entwickelt. Bis dato wurden seit 2012 total vier Urteile und zwei bundesgerichtliche Entscheide gefällt: Das Landgericht Uri verurteilte Walker 2012 zu 10 Jahren Freiheitsstrafe. Das Obergericht erhöhte die Strafe 2013 auf 15 Jahre. Dieses Urteil hob das Bundesgericht 2014 auf, worauf das Obergericht Walker 2016 vom Vorwurf des Mordauftrages freisprach. Das Bundesgericht akzeptierte aber auch dieses Urteil nicht und schickte es wieder zurück. Im Januar 2018 wurde Walker vom Obergericht schliesslich zu 10 Jahren verurteilt. Nun ist das inzwischen dritte Urteil des Bundesgerichts hängig. Dieses wird in den kommenden Monaten erwartet. (zf)

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