Im Tiefflug über den Urnersee: Eine Segelcrew trainiert in der Zentralschweiz für internationale Wettkämpfe

Die Pandemie hat den Turnierplan der Segler durcheinandergewirbelt. Darum ist der Katamaran von Black Star Sailing nicht im Oman gewassert, sondern in einer Werft in Brunnen.

Geri Holdener
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Hart am Wind: Der Katamaran von Black Star Sailing auf einer Trainingsfahrt auf dem Urnersee.

Hart am Wind: Der Katamaran von Black Star Sailing auf einer Trainingsfahrt auf dem Urnersee.

Bild: Geri Holdener (25. Juni 2020)

Mühelos heben die zwei Rümpfe ab, raus aus dem Wasser. Und schon fliegt die Hochleistungsjacht aus Kohlefaser, keine Tonne schwer, pfeilschnell über den Urnersee. Um die 30 Knoten, gut 55 Kilometer pro Stunde, waren es am Donnerstag bei einer Gästefahrt. Der Wind pfeift, die Hydrofoils stabilisieren die rassige Fahrt über die Wellen. Solche Bilder kennt man sonst nur vom Fernsehen, wenn die «Alinghi» im America’s Cup irgendwo auf der Welt um Spitzenplätze segelt.

Im Wettkampf gleitet der Tragflügel-Katamaran von Black Star Sailing noch etwas schneller übers Wasser. Aber die Saison scheint in weiter Ferne. Die Pandemie hat den Turnierplan durcheinandergewirbelt. Da­rum ist das Rennboot gerade nicht im Oman gewassert, sondern in der Werft Fallenbach in Brunnen.

Ideale Trainingsbedingungen

«Der Urnersee ist im Sommer ein Garant für thermische Winde», schwärmt Skipper Christian Zuerrer. Der Innerschweizer Heimvorteil kommt dem Sarner Black-Star-Sailing-Team ebenfalls gelegen. Zuerrer gründete 2019 eine Aktiengesellschaft. Seine Motivation nebst der Teilnahme an internationalen Segelregatten: «Junge Talente fördern, wenn möglich aus der Schweiz.»

Kein elektronischer Schnickschnack

Black Star Sailing segelt in der GC32 Racing Tour, ein Stück weit zu vergleichen mit dem America’s Cup. In der GC32-Klasse sind jedoch die Foils grösser, der Katamaran verhält sich gutmütiger. Man braucht kein absoluter Vollprofi zu sein, um in den Rennen vorne mitmischen zu können. Auf den Booten sucht man vergeblich nach elektronischem Schnickschnack. Einen Bordcomputer, der den optimalen Kurs weist, gibt es nicht. Auch hydraulische Assistenz fehlt. Gefordert sind auf dem zehn Meter langen Katamaran Teamplayer mit einem Gespür für die Elemente und der Bereitschaft, ordentlich anzupacken.

In den nächsten Wochen wird das Rennboot von Black Star Sailing regelmässig über den Vierwaldstättersee flitzen. Später im Juli wird das komplette Sailing-Team für intensive Trainingssessionen an Bord sein. Da dürfte der Katamaran nochmals einen Zacken zulegen. Im August geht es dann nach Lagos, Portugal. Dort ist das nächste Rennen angesetzt.

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