Kolumne

«Ürner Asichtä»: Immer mehr, immer weniger

Christoph Hirtler (Fotograf und Journalist)
Drucken
Teilen

Am 14. November 2018 titelte die «Neue Zürcher Zeitung» auf der Front: «Beängstigender Blick in die Klimazukunft der Schweiz». Die Schweiz ist besonders stark vom Klimawandel betroffen. Immer mehr Hitzetage, immer mehr Trockenheit – das Bild des ausgetrockneten Lac des Brenets im Jura gibt zu denken. Von April bis Mitte November hat es in der Schweiz kaum mehr geregnet. Die Hitzesommer 2018, 2015 und 2003 zeigen auf, wie es mit dem Klima in den folgenden Jahrzehnten weitergehen wird, wenn keine Klimaschutzmassnahmen ergriffen werden. Bis zu 5,4 Grad wärmer könnte es im schlimmsten Fall bis 2085 in der Schweiz werden.

Immer mehr – Weihnachtsartikel: Berge von Spielsachen, Weihnachtskugeln, Engel, Rentiere, Elche, Schlitten, Lichtgirlanden, Weihnachtsmänner – in Unmengen, im Überfluss. Immer mehr – «Made in China». Für diese Billigprodukte zahlen wir einen hohen Preis. 70 Prozent des Weihnachtsschmucks und der Weihnachtsdekorationen, die weltweit verkauft werden, stammen aus China, genauer aus der Stadt Yiwu. Sie werden, wie alle Exportgüter, mit Frachtschiffen nach Europa transportiert. Jährlich sind 50 000 Fracht- und Passagierschiffe auf den Weltmeeren unterwegs. Sie alle fahren mit dem hochgiftigen Treibstoff Schweröl, einem Abfallprodukt aus der Benzin- und Dieselherstellung. Was diese Schiffe in die Luft blasen, ist Sondermüll.

Immer mehr – Flugverkehr: Um 43 Prozent innert fünf Jahren stieg die Zahl der Auslandflugreisen pro Person in der Schweiz. 2017 legte jede Schweizerin, jeder Schweizer jährlich 9000 Kilometer mit dem Flugzeug zurück. Besonders dicht ist der Flugverkehr über Europa. Im Juni 2018 wurden an einem einzigen Tag 36 825 Flüge gezählt – so viel wie noch nie. Weil es so billig ist, vereisen wir nach Amerika, Australien, Südafrika oder in die Karibik.

Immer mehr – Wohnungen: Die Crédit Suisse errechnete im September 2018 den Leerwohnungsbestand in der Schweiz: 72 000 Wohnungen standen leer, so viele wie seit 20 Jahren nicht mehr. Die Schweiz verliert durch die Zersiedelung immer mehr wertvolles Kulturland.

Immer weniger – Gletscher: Bis Ende dieses Jahrhunderts dürfte der grösste Teil der Gletscher in der Schweiz wegschmelzen. Im Hochgebirge entstehen stattdessen neue Landschaften, geprägt von Fels, Schutt, spärlicher Vegetation und vielen, meist kleineren Seen.

Immer weniger – Gras: Aufgrund der Trockenheit verdorrten die Wiesen, die Heuernte fiel deutlich schlechter aus als in vergangenen Jahren. In der Ostschweiz müssen Bauern Heu importieren und Tiere notschlachten. Im Rhein wurden über drei Tonnen tote Fische aus dem Wasser gezogen.

Immer weniger – Biodiversität: In der Schweiz ist in den letzten 30 Jahren die Hälfte aller Insekten verschwunden und die Hälfte der Brutvogelarten ist bedroht.

Seit der Industrialisierung hat die Konzentration von Treibhausgasen in der Erdatmosphäre rapide zugenommen. Gleichzeitig stieg die globale Temperatur. Heute ist das gesamte Klimasystem der Erde aus dem Gleichgewicht. «Wir steuern auf einen Abgrund zu. Wir sind schon sehr nah daran, die Möglichkeiten für unser menschliches Dasein zu zerstören. Das ist eine nahezu unvermeidliche Konsequenz marktwirtschaftlicher Prinzipien», sagt der Globalisierungskritiker Noam Chomsky.

Vom 3. bis 14. Dezember 2018 findet im polnischen Katowice die 13. UN-Klimakonferenz statt – mit ungewissem Ausgang. Ob die Nationen das Pariser Abkommen verbindlich umsetzen, ist zweifelhaft. Werden wir aktiv! Engagieren wir uns für den Klimaschutz, indem wir mehr mit dem Zug pendeln, mehr Velo fahren, saisongerecht einkaufen, in der Schweiz Ferien machen etc.

Kolumne

Uri (19)18

In den «Ürner Asichtä» schreibt Christoph Zurfluh über die vielfältige Urner Wirtschaft.
Christoph Zurfluh