In Altdorf wird über Lebensqualität bis zum letzten Atemzug informiert

Der Frauenbund Uri hat im Kino Leuzinger auf das Thema Sterben und die Bedeutung von Palliativ Care aufmerksam gemacht.

Claudia Naujoks
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Vertreterinnen des Frauenbunds; von links: Emmy Gerig-Büchel (Vizepräsidentin und Vertreterin Frauenpraxis), Annerös Russi-Steinmann (Aktuarin), Miriam Christen-Zarri (Präsidentin) und Tildiy Michlig-Tresch (Ressort Elternzirkel). (Bild: Claudia Naujoks, Altdorf, 13. November 2019)

Vertreterinnen des Frauenbunds; von links: Emmy Gerig-Büchel (Vizepräsidentin und Vertreterin Frauenpraxis), Annerös Russi-Steinmann (Aktuarin), Miriam Christen-Zarri (Präsidentin) und Tildiy Michlig-Tresch (Ressort Elternzirkel). (Bild: Claudia Naujoks, Altdorf, 13. November 2019)

Keiner will, aber jeder muss sich früher oder später damit auseinandersetzen: mit dem Sterben und dem Tod. Mit diesem gesellschaftlich immer noch tabuisierten Thema setzte sich am vergangenen Mittwochabend der Frauenbund Uri zusammen mit den Experten aus verschiedenen Institutionen unter dem Motto «Sterben heute – aber wie?» im Kino Leuzinger vor rund 100 Interessierten auseinander.

Eingeladen waren der Heimleiter des Alters- und Pflegeheims Gosmergartä Bürglen Elmar Reinhardt, seine Stellvertreterin und Leiterin der Pflege und Betreuung Erika Gisler, eine Pflegerin aus dem Zentralschweizer Hospiz in Luzern, Margrit Epli, sowie Christa Scheiwiller, die als ausgebildete Trauerbegleiterin aber auch als freiwillige Schwerkranken- und Sterbebegleiterin tätig ist.

Palliativ Care füllt ein Vakuum

Die Moderation oblag der Präsidentin des Frauenbundes, Miriam Christen-Zarri, die selber als Trauerbegleiterin arbeitet. Sie zeigte zunächst einen Film, der an zwei Fallbeispielen aufzeigte, dass eine adäquate Schwerkranken- und Sterbebegleitung und die damit zwingend einhergehende Betreuung der Angehörigen schon vielerorts vorhanden, jedoch noch lange nicht flächendeckend zugänglich ist. So könnte nur ein Teil der Schweizer so sterben, wie sie es sich wünschen: umgeben von geliebten Menschen, schmerzfrei, zu Hause. Es entsteht eine Art Vakuum an der Stelle, an der die Medizin an ihre Grenzen gekommen und handlungsunfähig geworden ist, dann wird der Patient den Angehörigen überantwortet, die oft völlig überfordert sind mit dieser Situation.

An dieser Stelle dockt Palliativ Care an und füllt das Vakuum. Es ist ein standardisiertes, institutionell aufgegleistes Langzeitpflegekonzept, das in immer mehr Hospizen, Pflegeeinrichtungen, häuslichen Pflegediensten und Spitälern Einzug hält – zum Beispiel auch im Zentralschweizer Hospiz in Luzern, in dem Margrit Epli arbeitet. Sie wendet Massnahmen an unheilbar kranken Menschen an, die das Leiden lindern und so eine bestmögliche Lebensqualität bis zum Ende herstellen.

Lateinisch «Pallium» heisst Mantel, Umhang und englisch «care» bedeutet im weiteren Sinne «ich sorge mich um dich, weil du mir wichtig bist». Dieses Ethos sei die Grundlage für ihre Arbeit, sagt Epli. Konkret bedeutet das, dass auch unter intensiver Miteinbeziehung der Angehörigen auf die individuellen Wünsche und Bedürfnisse des Kranken eingegangen wird. Dazu gehört wie er die ihm verbleibende Lebenszeit verbringen möchte und wie er sterben möchte, zum Beispiel in Kleidung, die an der Sonne getrocknet hat, oder im Garten oder mit Freunden an seiner Seite.

Elmar Reinhardt, in dessen Pflegeheim in Bürglen Palliativ Care zwar nicht institutionalisiert ist, aber doch praktiziert wird, beruhigte bei der Frage nach dem Datenschutz damit, dass auch ausserverwandtschaftliche Kontakte der Bewohner zum sozialen Umfeld gehörten und wichtig seien bei der Langzeitpflege und beim Sterben. Da sie wie auch die Pfleger darüber informiert sind, dass der Datenschutz gewahrt bleiben muss, sei das kein Problem. So könnten die Angehörigen bei Sitzwachen, bei denen Sterbebegleiter bei dem Sterbenden Wache halten, speziell auch nachts entlastet werden. Dafür gibt es aber auch die Gruppe «Schwerkranken- und Sterbebegleitung Uri» des Kantonsspitals, auf die auch Erika Gisler, Leiterin der Pflege und Betreuung im Gosmergartä dankbar zurückgreift und der Christa Scheiwiller angehört: «Es geht nicht darum, viel zu reden, sondern einfach nur da zu sein, zu signalisieren, ‹du bist nicht allein›, mit Hilfe von Berührungen, Geborgenheit zu schenken, Kraft und Hilfe zu geben.»