In Staatsarchiv und Kantonsbibliothek werden vier Millionen Franken investiert

Der Landrat stellte sich in der Session am Montag, 18. Mai, klar hinter das Grossprojekt. Aber nicht alle sind zufrieden.

Markus Zwyssig
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Die Kantonsbibliothek in Altdorf und das Staatsarchiv können nun umgebaut werden.

Die Kantonsbibliothek in Altdorf und das Staatsarchiv können nun umgebaut werden.

Bild: Florian Arnold (Altdorf, 14. Februar 2019)

Das Staatsarchiv und die Kantonsbibliothek brauchen mehr Platz – unter anderem für historische Dokumente. Daher sollen die beiden Einrichtungen nun umgebaut werden. Die Kosten für das Bauprojekt betragen insgesamt 4,098 Millionen Franken. Davon entfallen 3,140 Millionen Franken auf gebundene und 0,958 Millionen Franken auf neue Ausgaben. Sowohl die gebundenen als auch die neuen Ausgaben liegen in der Kompetenz des Landrats. Dieser sagte am Montag klar Ja dazu. Bei der Abstimmung gab es eine einzige Enthaltung, weil sich eine Person im Ausstand befand.

Das Staatsarchiv Uri und die Kantonsbibliothek Uri würden in den kommenden Jahren bald einmal an ihre Kapazitätsgrenzen stossen. Mit dem Umbau soll den beiden Einrichtungen wieder ausreichend Raum geben werden. Die Archivräume des Staatsarchivs werden damit für die kommenden 20 bis 30 Jahre fit gemacht. Und das Archivgut kann wieder unter guten Bedingungen gelagert werden. Bei dieser Gelegenheit soll das Staatsarchiv auch einen sogenannten Kulturgüterschutzraum erhalten, an dem sich der Bund mit 200'000 bis 250'000 Franken beteiligt. Im neuen Magazin können die unersetzlichen Unterlagen des Staatsarchivs optimal und sicher aufbewahrt werden und auch die kantonale Kunst- und Kulturgutsammlung erhält eine angemessene Bleibe.

Geplant ist auch ein unterirdischer Gang

Bestandteil des Umbaus ist auch eine Sanierung des Liftes, der danach bis in den ersten Stock reichen soll. Nach unten soll er ebenfalls erweitert werden: Neu soll er auch vom zweiten Untergeschoss aus benutzt werden können. Auf dieser Ebene soll dann auch ein unterirdischer Gang entstehen, der die beiden Gebäude an der Bahnhofstrasse 11 und 13 miteinander verbindet. Im ersten Obergeschoss sollen auch die beiden Wohnungen umgenutzt werden – nämlich zu Büroräumen fürs Personal.

Der Lesesaal soll von der Südwest- auf die Nordostseite des Gebäudes verlegt werden. Dies wird die klimatischen Bedingungen enorm verbessern, denn bisher wurde es im Sommer im Lesesaal sehr heiss.  Zudem ist der Saal am neuen Standort via Lift optimal an die Magazine angebunden. Ein weiteres Plus ist der im Lesesaal entstehende Gruppenraum. Ausserdem soll ein Multifunktionsraum entstehen, der unterschiedlich genutzt werden kann. Geplant ist ausserdem ein Veranstaltungsraum im Bereich der Freihandbibliothek.

Kantonsbibliothek verzeichnet jährlich 52'000 Nutzer

Der Umbau soll bis Herbst 2021 abgeschlossen sein. Da der Umbau in drei Etappen unterteilt ist, muss der Betrieb der Bibliothek jedenfalls nicht unterbrochen werden. Bildungs- und Kulturdirektor Beat Jörg bezeichnete ein Kreditbegehren in dieser Grössenordnung als etwas Aussergewöhnliches. Das Geld sei aber gerechtfertigt, denn das Staatsarchiv sei das Gedächtnis des Kantons. Nun kommen man aber von den Räumlichkeiten mit dem Betrieb an die Grenzen. Die Urner seien ein lesefreudiges Publikum. So verzeichnet die Kantonsbibliothek jährlich 52'000 Nutzer. Die vom Landrat beschlossenen Ausgaben seien auch Lichtblicke für die Urner Bauwirtschaft.

Geplanter Lesesaal stand in der Kritik

Ruedi Cathry (FDP, Schattdorf) wollte Auskunft zu den im Vorfeld aufgetauchten kritischen Stimmen. «Der geplante Lesesaal hat zu Kritik geführt», so Beat Jörg. Man habe darauf den historisch forschenden Fachleuten das Projekt vorgestellt. Dabei habe man aufgezeigt, dass mindestens gleich viele Sitzplätze und die selbe Fläche angeboten würden. Um die Bedürfnisse abzudecken gebe es auch Raum für Gruppen. Vinzenz Arnold (SVP, Schattdorf) sagte, dass auf den Plänen gut ersichtlich sei, dass alles architektonisch gut geplant sei. Céline Huber (CVP, Altdorf) brach eine Lanze für Bildungsdirektor Beat Jörg und stellte sich hinter das Projekt.

«Chance vertan»

(MZ) Verschiedene historisch forschende Fachleute sind nicht glücklich über das 4-Millionen-Projekt. «Der Ausbau der Bibliothek geht auf Kosten des Lesesaals», sagt Elias Bricker, Sprecher einer Gruppierung Historiker. Durch verschiedene Projekte, insbesondere dem Institut «Kulturen der Alpen», würden künftig mehr Personen im Lesesaal forschen. Zudem sei es der einzige öffentliche Raum, der Studenten zum Lernen offen stehe und rege genutzt werde. Platz brauche es auch für Forschungsinstrumente; Literatur, Nachschlagewerke und Mikrofilmapparate – trotz Digitalisierung. «Mit den nun geplanten zu kleinen Räumen hat man
eine Chance vertan», so Bricker.