In Uri trifft Jodel auf Irish Folk – «Die Musik verändert sich im Spielprozess»

«Urchig, rassig und ‹sennerisch›»: Cottage-Gitarrist Fredi Bossart erklärt, wieso zwischen Jodelgesang und Irish Folk eine musikalische Seelenverwandtschaft besteht.

Bruno Arnold
Drucken
Teilen

Der Jodlerklub Seerose Flüelen und die Urner Irish-Folk-Band Cottage machen im Rahmen des Projekts «Vo Härzä!» gemeinsame Sache (siehe Box unten). «Diese musikalische Kombination hat es im Kanton Uri bisher noch nie gegeben», sagt OK-Präsident und Seerose-Mitglied Christian Herger. Er ist überzeugt, dass viele Musikfreunde in der aktuellen coronageprägten Zeit «sehnlichst darauf warten, einen Schritt in Richtung Normalität zu tun und wieder einmal ein Konzert besuchen zu können».

Für Cottage-Gitarrist Fredi Bossart begegnen sich bei der Konzertreihe «zwei zwar äusserst unterschiedliche, aber trotzdem gut zusammen passende Formationen». Seine Erklärung: «Uns verbindet eine Art musikalische Seelenverwandtschaft. Cottage und Seerose pflegen zwar nicht den gleichen Stil, beide Formationen bewegen sich aber im selben Genre: «Wir alle machen als Laien traditionelle Volksmusik, also Musik aus dem Volk für das Volk.»

Zeitgenössische Variante der Volksmusik

Cottage mit Fredi Bossart (Gitarre), Susan Bossart (Tin Whistle), Pia Rubi (Akkordeon), Maria Gehrig (Violine) und Micha Nussbaumer (Perkussion) präsentieren mit ihren Instrumenten die breite Vielfalt des Irish Folk. Als «urchig, rassig und ‹sennerisch›» bezeichnet Fredi Bossart die Musik des Quintetts. Mit diesen Adjektiven könnte man durchaus auch die Lieder und Naturjodel der Flüeler Seerose passend umschreiben.

Für einmal werden von Cottage nur Instrumentals zu hören sein. Die Band wird ausserdem ohne elektronische Verstärkung musizieren, «akustisch und pur», wie Bossart diese Variante beschreibt.

Kein Notenmaterial gebraucht

Bei den vier Konzerten werden die Instrumentalisten die Jodellieder «Aabästern» und «Dini Seel ä chli la bambälä» sowie «Dirty Old Town», eine Komposition, die zum Standardrepertoire zahlloser Folkbands gehört, gemeinsam mit den Jodlern interpretieren. Notenmaterial für Folkband und Jodelchor gibt es nicht. Die Cottage-Musiker arrangieren die Werke deshalb selber. Das heisst: Mit ihren Instrumenten werden sie die Jodler harmonisch und rhythmisch stützen, und zwar mit viel Fantasie, Experimentierfreude und vor allem mit überraschenden Effekten des Perkussionisten.

Dies wird unter anderem auch für Jodellieder eher ungewohnte Akkorde oder auch spezielle melodische Elementen ergeben. Und zu den Instrumentalliedern meint der 55-jährige Bossart: «Unsere Musik wird durch das Proben nicht einfach zum fixfertigen und unverwechselbaren Produkt, sondern sie entwickelt sich im Spielprozess und verändert sich von Auftritt zu Auftritt.»

Von unten: Cottage-Gitarrist Fredi Bossart, OK-Chef Christian Herger und Seerose-Präsident Stefan Bissig. Sie freuen sich auf die gemeinsamen Konzerte unter dem Motto «Vo Härzä!».

Von unten: Cottage-Gitarrist Fredi Bossart, OK-Chef Christian Herger und Seerose-Präsident Stefan Bissig. Sie freuen sich auf die gemeinsamen Konzerte unter dem Motto «Vo Härzä!».

Bild: Bruno Arnold (Schattdorf, 1. Oktober 2020)

«Beedälä» als Urner Variante des irischen Stepptanzes

Seerose-Präsident Stefan Bissig schmunzelt bei diesen Aussagen: «Die gemeinsamen Lieder beinhalten tatsächlich sehr viel Überraschungspotenzial. Ich bin selber gespannt, wie die Instrumente und unsere Stimmen ineinanderfliessen und harmonieren werden.» Bei den Proben sei es für die Jodler dann und wann schwierig gewesen, ruhig zu bleiben. Die Musik von Cottage habe immer wieder zum Schnippen und rhythmischen Klatschen oder gar zum «Beedälä» – als Urner Variante des irischen Stepptanzes – animiert.

Für Fredi Bossart besteht die grösste Herausforderung des Projekts darin, mit einer Dirigentin zu musizieren, die mit ihren Handbewegungen den Takt angibt und für die musikalische Gestaltung sorgt. «Ich muss mich als Gitarrist anpassen und wahnsinnig konzentrieren, damit ich die rhythmischen, dynamischen oder tempomässigen Vorgaben der Dirigentin sauber übernehmen kann.» Musikalisch eingeengt fühle er sich trotzdem nicht. «Aber beim ‹Stegreiflen› und freien Begleiten bin ich definitiv lockerer», meint er lachend.

Anmelde- und Maskenpflicht

Der Jodlerklub Seerose aus Flüelen und die Urner Irish-Folk-Band Cottage spielen in der Pfarrkirche Flüelen (25. Oktober, 17 Uhr), in der Konzerthalle des Hotels Radisson Blu in Andermatt (8. November, 13.30 und 17 Uhr) sowie in der Pfarrkirche Altdorf (22. November, 17 Uhr). Der Eintritt ist jeweils frei, es wird eine Türkollekte geben. Es besteht für alle Anlässe eine Anmelde- sowie eine Maskenpflicht. Sitzplätze für die vier Konzerte können online (www.jodlerklub-seerose.ch) oder über die Telefonnummer 041 870 63 60 (Montag und Freitag, 17 bis 19 Uhr) reserviert werden. (bar)