In Uri werden 773 Schwerfahrzeuge mit defekten Bremsen stillgelegt – «Alpen-Initiative» übt Kritik

Für das Jahr 2019 ist die Statistik der Schwerverkehrskontrollen erstmals nach Kantonen aufgeschlüsselt publiziert worden. Die «Alpen-Initiative» fordert eine baldige Inbetriebnahme der Kontrollzentren in der Leventina sowie am Simplon.

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Im Schwerverkehrszentrum in Erstfeld wurden im Jahr 2019 über 17'000 Lastwagen geprüft.

Im Schwerverkehrszentrum in Erstfeld wurden im Jahr 2019 über 17'000 Lastwagen geprüft.




Bild: Eveline Beerkircher (15. Februar 2019)
Im Schwerverkehrszentrum wurden im Jahr 2019 über 17’000 Lastwagen geprüft.

Im Schwerverkehrszentrum wurden im Jahr 2019 über 17’000 Lastwagen geprüft. 

Bild: Florian Arnold (Erstfeld, 14. Januar 2015)

(ml) Im vergangenen Jahr mussten im Schwerverkehrszentrum in Erstfeld 17 Prozent der kontrollierten Schwerfahrzeuge aufgrund gravierender Mängel stillgelegt werden – davon allein 773 wegen defekter Bremsen. Dies geht aus den publizierten Zahlen des Bundes zu den Schwerverkehrskontrollen 2019 hervor, die vor kurzem veröffentlicht wurden.

Schweizweit wurden bei rund einem Drittel der kontrollierten Lastwagen im abgelaufenen Jahr Verkehrsregelverstösse geahndet. Dies betrifft insbesondere Gewichts- und Dimensionsüberschreitungen, Mängel an der Fahrzeugtechnik sowie Verstösse gegen die Arbeits- und Ruhezeitvorschriften. In den mobilen Kontrollen blieb gemäss der Statistik rund ein Sechstel der landesweit kontrollierten Lastwagen hängen.

Regula Rytz: «Diese Zahlen sind alarmierend»

Aufgrund der hohen Quote mangelhafter Lastwagen fordert der Verein Alpen-Initiative eine Intensivierung der Kontrollen. Dies soll die Sicherheit auf den Strassen stärken und die Verlagerung auf die umweltfreundliche Güterbahn fördern. Regula Rytz, Präsidentin Grüne Partei Schweiz und Vorstandsmitglied der «Alpen-Initiative», sagt: «Diese Zahlen sind alarmierend. Sie zeigen aber auch, dass Kontrollen in den Schwerverkehrszentren effizienter sind als mobile Prüfungen. Es ist höchste Zeit, dass das Kontrollnetz fertiggestellt und den bestehenden Zentren ausreichende Mittel zur Verfügung gestellt werden.»

Im Kanton Uri wurden im vergangenen Jahr über 17'000 Lastwagen geprüft. Dies sind deutlich mehr als im Tessin, wo es knapp 5000 Lastwagen waren. Die Alpeninitiative fordert vom Bund deshalb insbesondere eine baldige Inbetriebnahme der Kontrollzentren in der Leventina sowie am Simplon. Im Vergleich zum Güterverkehr auf der Schiene wird der Strassentransport heute nur minimal kontrolliert, schreibt der Verein Alpen-Initiative in der Mitteilung. Eine Intensivierung der Kontrollen sei dringend angezeigt.

Kritik am lückenhaften Kontrollnetz

Auch ausserhalb der Transittäler bestehe Handlungsbedarf. Von den 13 Zentren, die der Bund 2003 in Aussicht gestellt hat, sind heute erst 7 in Betrieb. «Angesichts der neusten Zahlen ist es fahrlässig, die Lücken im Kontrollnetz nicht bald zu schliessen», hält Regula Rytz fest. «Die Kontrollen in den Schwerverkehrszentren sind entscheidend für mehr Sicherheit auf den Strassen und für die konsequente Verlagerung der Güter auf die Schiene», betont Rytz weiter. Schwerverkehrskontrollen verhindern Dumping auf Kosten der Verkehrssicherheit und sorgen damit auch dafür, dass die Güterbahn mit der Strasse konkurrenzfähig ist, heisst es in der Mitteilung weiter.

Dass es überhaupt eine schweizweite Statistik zu den Schwerverkehrskontrollen gibt, ist auch der «Alpen-Initiative» zu verdanken: 2017 hatte der Verein die damalige Verkehrsministerin Doris Leuthard in einem Aufruf mit über 10'000 Unterschriften aufgefordert, eine gesamtschweizerische Statistik zu den Schwerverkehrskontrollen zu publizieren. Der Walliser Nationalrat Mathias Reynard, der ebenfalls dem Vorstand der «Alpen-Initiative» angehört, verlieh der Forderung mit einer Motion in der grossen Kammer Nachdruck. Dieses Jahr wurde erstmals auch die geforderte Aufschlüsselung der Daten nach Kanton publiziert.

Forderungen der Motion seien nur teilweise erfüllt

Die Aufschlüsselung ermöglicht gemäss der Medienmitteilung Rückschlüsse auf Art, Intensität und Qualität der Kontrollen in den unterschiedlichen Kantonen. Der Bund erfülle die Forderungen der eingereichten Motion nur teilweise. «Es fehlen Vorschläge zur Verbesserung der Schwerverkehrskontrollen. Dieser zentrale Punkt muss das nächste Mal unbedingt berücksichtigt werden», sagt Regula Rytz. Ausserdem sollten 2021 auch die Schwerverkehrskontrollen der eidgenössischen Zollverwaltung in den Bericht einfliessen.