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Kolumne

In der Küche wird gejodelt

Am Innerschweizerischen Schwingfest 2019 in Flüelen ging es in der Küche des Bristen-Zelts oft lustig zu und her.
Christian Tschümperlin
Christian Tschümperlin, Praktikant bei der «Urner Zeitung». (Bild: Florian Arnold, 3. Juni 2019)

Christian Tschümperlin, Praktikant bei der «Urner Zeitung». (Bild: Florian Arnold, 3. Juni 2019)

«Bisch im Seich?» Diesen Satz habe ich während meines Helfereinsatzes am Schwingfest oft gehört. Zugegeben: Der Satz war meist ironisch gemeint. Das war dem schönen Wetter geschuldet. Da nahmen die Gäste lieber unter freiem Himmel Platz, statt sich im Bristen-Zelt hinzusetzen. Somit blieb aber neben den Spitzenzeiten genug Raum, Gäste zu beobachten oder meine Helferkollegen kennen zu lernen.

Um 10.30 Uhr trat ich zum Appell an, zusammen mit rund 30 anderen Helfern. Wir bezogen die grünen Helfer-T-Shirts, unsere Namen wurden kontrolliert und wir wurden in Gruppen eingeteilt. Ich wurde den Bereitstellern zugeteilt, also den «Essens-Schöpfern». Dort wies mich Aufseherin Andrea zu meinem Erstaunen darauf hin, dass man Kartoffelstock nicht irgendwie schöpft. Nein, dieser wird mit einer raschen, vertikalen Bewegung am Rande des Tellers platziert. «Wenn Du einmal tausend Menüs serviert hast, weisst Du, wie so etwas geht», meinte sie. In meinem Team trafen zwei Ursis aufeinander. Ob das gut geht? Und es ging nicht gut: Als «erste Amtshandlung» schnitt die eine Ursi der anderen in den Finger – unbeabsichtigt, wohlverstanden. «Als Krankenschwester pflege ich eigentlich Leute, statt sie zu verletzen», meinte die eine Ursi zur anderen und erntete viele Lacher.

Autor Christian Tschümperlin (links) und Stier-Besitzer Hermann Imlig (rechts) mit dem Stier "Maestro" am Innerschweizerischen Schwingfest 2019 Flüelen. (Bild: PD)

Autor Christian Tschümperlin (links) und Stier-Besitzer Hermann Imlig (rechts) mit dem Stier "Maestro" am Innerschweizerischen Schwingfest 2019 Flüelen. (Bild: PD)

Unseren Gästen standen drei Menus zur Auswahl: Schüblig mit Kartoffelsalat (kurz «Schüblig»), Rindsgeschnetzeltes mit Kartoffelstock («Geschnetzeltes») oder Rindsgehacktes mit Hörnli («Gehacktes»). Einmal bestellte eine Kellnerin einen goldenen «Schüblig», worauf es aus der Küche hiess: «Keine Extrawünsche.» Die Kellnerin drückte sich falsch aus und bestellte «Gehacktes-Geschnetzeltes», worauf sie dieselbe Antwort bekam. Für gute Stimmung in der Küche sorgten die Jodler-Künste von Ursi und Res. Die beiden machten dabei eine gute Falle. Kein Wunder: Res war früher im Jodlerklub und singt heute im Kirchenchor. Auf die Frage «Ihr könnt jodeln?», meinte Ursi: «Können wir das?» «Ja, ab und zu können wir das.» Sie selber jodelt in ihrer Freizeit gerne.

Vor Ort waren nicht nur zwei Ursis vertreten, sondern mit mir auch zwei Christians. In der Pause fragte mich der andere Christian, ob ich ursprünglich aus Deutschland stamme. «Wie kommst Du darauf?», wollte ich von ihm wissen. Er war sich nicht sicher, ob es an meiner Aura oder an meinem Dialekt lag. Ich klärte ihn auf, dass ich durchaus ein «hiäsiger» sei, aufgewachsen im Nachbarkanton Schwyz. Und fügte als möglichen Grund für seine Auffassung hinzu, dass vielleicht das viele Schreiben in Schriftdeutsch auf meinen Dialekt abgefärbt hat.

Nach dem Mittag war dann tote Hose, das Credo hiess: abwarten und Tee trinken. Oder eher: Kaffee! Ich nutzte die Zeit, um die Gäste ein wenig zu beobachten: Stramme Männer in Sennenkutteli waren da zu sehen, zierliche Männer mit verrückten Hüten, sogar ein Hipster mit Sonnenbrille und viel zu grossen Ohrenringen hatte sich an das Fest verirrt. An einem Tisch wurde gejasst. Zum Schluss traf ich dann auch noch auf einen alten Bekannten aus dem «Tübli» in Schwyz, meiner Stammbeiz: Dirk aus Norddeutschland. Der grosse «Kasten» stach schon von weitem aus der Menschenmenge hervor. Von Beruf ist er Türsteher. «Wie klein die Welt doch ist», sagte er. Da hatte er recht. Vor allem wenn man sich an einem Schwingfest befindet.

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