«Innerschweizerisches»: Kniffs, Tipps und Grenzen einer Grill-Legende

Ohne viele Helfer kann ein Schwingfest nicht durchgeführt werden. Grilleur Roland Anhorn ist einer davon.

Christian Tschümperlin
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Roland Anhorn, die Grill-Legende. (Bild: PD)

Roland Anhorn, die Grill-Legende. (Bild: PD)

Roland Anhorn erinnert sich. Unter der sengenden Sonne toben sich im Sägemehl hinter ihm zwei ganz Böse aus. Das Publikum feuert sie an. Es ist Rigi-Schwinget 2004. Der Duft von Bratwurst liegt in der Luft. Die Quelle: Der Grill von Roland Anhorn. Vor ihm bildet sich eine Schlange. Einer der Gäste fragt ihn, warum nicht alle Bratwürste gleich gross seien. «Es sind ja auch nicht alle Menschen gleich gross», gibt Anhorn zurück, der nie um einen Spruch verlegen ist. «Ich bin ein geselliger Typ», sagt der gelernte Verkäufer.

Der Kundenkontakt gehört zum professionellen Grillieren wie die Luft zum Atmen. «Man kann nicht jeden in den Verkauf schicken», ist Anhorn überzeugt. Man müsse der Typ dazu sein.

Grillieren ist mehr als das Braten einer Wurst

Ein Geheimnis lässt er sich dann aber doch entlocken: «Im Verkauf ist die Freundlichkeit das A und O.» Beispiel: Wenn man in der Migros einkaufen gehe, sage der Kassier auf Wiedersehen. «Auf der Cumulus-Karte steht aber der Name des Kunden», so Anhorn. Er würde bei der Verabschiedung den Namen des Kunden nennen. Auch andere Kleinigkeiten seien wichtig, etwa, dass man den Kunden nach einem guten Geschäft zur Türe begleite. Es wird nicht das letzte Geheimnis sein, dass man ihm entlocken kann.

«Zum Grillieren bin ich gekommen wie die Maria zum Kind», sagt er. Er war 11 Jahre alt, als ein Grill-Kollege des Vaters kurzfristig ausgefallen war. An der Schwyzer Chilbi sei das gewesen. Anhorn ergriff die Initiative: «Ich fragte meinen Vater, ob ich den Job übernehmen kann», sagt der heute 48-Jährige. Und dann hat er grilliert. Es hat ihn seither nicht mehr losgelassen. «Ich bin in das Grillieren hineingewachsen», so Anhorn.

Mit Regierungsräten über Gott und die Welt geredet

Inzwischen hat er bereits viele bekannte Gesichter am Grill-Stand kennen gelernt. «Ich kenne zum Beispiel den ehemaligen Schwyzer Regierungsrat Armin Hüppin und den aktuellen Regierungsrat Othmar Reichmuth sehr gut», sagt der gebürtige Schwyzer. Wenn das Fest vorbei sei, könne er mit ihnen über Gott und die Welt diskutieren.
Seit einiger Zeit wohnt Anhorn in Flüelen. Da ist es Ehrensache, dass er am Innerschweizer Schwingfest in Flüelen am Grill steht. Und so findet man ihn bereits während der Aufbauphase am Grill. Der Bürgi-Gasgrill ist sein grosser Stolz. «Der ist sensationell, es gibt keinen besseren Grill», sagt er mit Überzeugung. Die Platten entwickelten eine enorme Hitze. Und man könne punktgenau regulieren. «Am Jungschwingertag in Flüelen haben wir 300 Hamburger letztes Jahr ‹durä tätscht›, am Rigi-Schwinget 1000 Bratwürste», meint er. Bei so grossen Mengen brauche man einen Profi-Grill.

Aber zu einer guten Bratwurst gehört weit mehr als nur ein guter Grill. «Viele machen den Fehler, dass sie die Wurst aus dem Kühler nehmen und auf den Grill werfen. Nach wenigen Minuten ist die Wurst innen kalt und aussen schwarz», erklärt er. Am Anfang mache jeder Fehler, über die Jahre hat sich Anhorn aber viele Tricks angeeignet. Einer davon verrät er: «Du legst die Wurst auf den Grill, gibst kurz hohes Feuer, bis sie auf beiden Seiten etwas Farbe angenommen hat, und dann stellst du den Grill zurück.» Für eine gute Bratwurst müsse man schon an die 20 Minuten rechnen. Eine Einschränkung gibt es aber:

«Ich kann die Bratwurst nicht besser machen, als sie qualitativ vom Metzger kommt. Auch als Grill-Legende nicht.»

Mit seinem Metzger ist er aber sehr zufrieden: «Die Ür-Metzg ist sensationell», schwärmt Anhorn. «Znüni Roli», so sein zweiter Spitzname, weil er die Gipfeli für die Bäckerei Hauger austrägt, geht auch privat an Schwingfeste. «Wenn man grilliert, kriegt man nicht so viel vom Wettkampf mit», bedauert er. Heuer geht er auf den «Brünig» und ans «Eidgenössische» in Zug. «Die Schwinger sind ein bodenständiges, aufgestelltes Volk. Vom Bauer über den Arzt bis zum Nationalrat kommen alle», weiss der erfahrene Flüeler.

Vom kommenden «Innerschweizerischen» erhofft er sich, dass es ein unfallfreies Fest wird, dass der Richtige zum Festsieger wird und dass er viele Würste verkaufen kann. Wer die Grill-Legende erleben will, der kommt am 7. Juli zur Tribüne D.