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«Innerschweizerisches»: Ohne sie läuft an Schwingfesten nichts

Madlen Walker ist die Frau unter den Schwingern: Sie mischte bereits vor Jahren an Schwingfest-OK mit. Inzwischen wäre das erste weibliche Ehrenmitglied des Klubs aus der Szene nicht mehr wegzudenken.
Christian Tschümperlin
Madlen Walker aus Bürglen: Die Frau unter den Schwingern. (Bild: Christian Tschümperlin, Bürglen, Juni 2019)

Madlen Walker aus Bürglen: Die Frau unter den Schwingern. (Bild: Christian Tschümperlin, Bürglen, Juni 2019)

Schwingen gilt als Männerdomäne. Madlen Walker aus Bürglen hat es aber geschafft, in der Gesellschaft Fuss zu fassen. Mit einem grossen Lächeln empfängt sie einen im blühenden Garten des Bella Vista, einem Holzhaus mit scharlachroten Jalousien. Der Hitze wegen findet das Gespräch drinnen statt, in der gemütlichen Küche. Dass hier jemand mit Schwinger-Hintergrund zu Hause ist, das fällt sofort auf: Auf der Küchenuhr an der Wand steht in dicken Lettern: «Dem Ehrenmitglied Walker Madlen 2013, Schwingklub Flüelen.» Ihre Augen blitzen auf: «Diese Uhr ist mein Stolz», sagt sie.

Die Ehrung war nicht nur für sie, sondern auch für den Klub eine Premiere: Sie ist das erste weibliche Ehrenmitglied. Damals konnte sie das kaum glauben und fragte, wie sie denn das verdient habe. Die Antwort, die sie bekam, spricht für sich selbst: «Du brauchst nicht zu fragen», hiess es. Ohne Zweifel, Walker hatte es verdient.

Sie hat die Chance ergriffen, ohne lange zu überlegen

Zum Schwingen kam die Bauerntochter anno 1976. Durch ihren Mann Martin Walker, einem bekannten Kranzschwinger. Martin Walker hat acht Kränze eingeheimst. «Wir haben uns kennen­gelernt, geheiratet und er ging regelmässig ins Schwingen», erinnert sich Walker. Als die Kinder grösser wurden, habe man sie angefragt, ob sie beim Schwingklub mithelfen möchte. Walker packte die Gelegenheit beim Schopf. An ihr erstes «Jöbli» kann sie sich noch gut erinnern: Bei einem Innerschweizer Schwingfest verpflegte sie die Kampfrichter und Täfeli-Buben. «Von da an ging ich immer wieder helfen», sagt die heute 61-Jährige.

Auf die Frage, ob sie denn jemals selber geschwungen habe, hält Walker einen Moment inne und flüstert dann: «Ja.» Das angesprochene Thema sei heikel. «Zweimal ging ich in der Halle des Klubs trainieren. Das war möglich, weil mein Mann im Vorstand war», erklärt Walker. Allerdings war der weibliche Einsatz bald Thema unter den Schwingern und führte zu einigen Diskussionen. «Meinem Mann zuliebe habe ich dann wieder aufgehört, in der Halle zu trainieren», sagt Walker. Jedoch legten sich die Frauen bald einen eigenen Aussenplatz zu. «Drei, vier von uns haben damals beim Frauenschwingen einen Kranz geholt, darunter Pia und Therese Gisler», so Walker. Bloss zu laut sagen durfte man das damals nicht. Das war Anfang der 1980er-Jahre. Inzwischen haben sich die Zeiten auch beim Schwingen geändert. Es gibt einen eidgenössischen Frauen-Schwingverband. Und Frauen wie Madlen Walker sind ein fester Bestandteil in Organisationskomitees und an den Schwingfesten der Männer. «Zahlreiche Schwingerinnen werden beim kommenden Innerschweizerischen Schwingfest auch mithelfen», sagt sie.

Im persönlichen Kontakt hat man mehr Erfolg

Die Organisation eines solchen Anlasses ist nicht ohne. Bereits im Vorfeld des «Innerschweizerischen» gab es viel zu tun: Walker hat für das kommende Schwingfest in den vergangenen Wochen und Monaten Hunderte von Telefonanrufen getätigt und so einen Grossteil der Helfer rekrutiert. «Ich habe eine ganze Tasche voll von Namen. Die Tasche ist schwer», so Walker. Im Ganzen konnten 700 Helfer von 41 Vereinen rekrutiert werden. Es kommen beispielsweise die Trachtengruppe Glarus, die Katzenmusik Erstfeld, die Feuerwehr Göschenen, Schützen- und Turnvereine. Auch auf die Pensionierten kann man laut Walker heute nicht mehr verzichten: Sie leisten einen wichtigen Beitrag beim Aufbau und bei der Festwirtschaft. Die älteste Helferin sei übrigens 75. «Ursprünglich hatten wir die Helfer per E-Mail angeschrieben, das Echo fiel aber flau aus», sagt sie. Deshalb habe sie zum Telefon gegriffen. «Wenn du persönlich anklopfst, kommst du viel weiter», weiss die Verkäuferin.

In 35 Minuten versorgt dank 90 Personen im Service

Walker trägt an dem Fest die Gesamtverantwortung für den Personalbedarf der Gastronomie. «Wir haben allein 90 Personen, die nur Teller tragen», sagt sie. Das Ziel sei es, dass am Mittag alle Gäste innerhalb von 35 Minuten etwas zu essen haben. Walkers Spontaneität ist es zu verdanken, dass sie im Gespräch mit den Leuten immer mal wieder unverhofft einen zusätzlichen Helfer findet. So hat sie auch mich im Laufe des Interviews gefragt, ob ich dabei sein wolle. Ich habe zugesagt. Und so werde ich am 7. Juli erstmals an einem Schwingfest mit von der Partie sein.

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