Inspektoren des Laboratoriums der Urkantone bemängeln jede fünfte Speise

Ein Gutes Zeugnis erhält die Trinkwasserqualität. Das Laboratorium der Urkantone hat keine Pestizide nachgewiesen. Bei den über 2200 Lebensmittelinspektionen wurden vor allem Fertigprodukte beanstandet.

Philipp Zurfluh
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Der Kantonschemiker Daniel Imhof bezeichnet 2019 Betreff Lebensmittelsicherheit als gutes Jahr: «Wir mussten keine gröberen Verfehlungen feststellen», bilanziert er. Das Laboratorium der Urkantone (Laburk) hat vergangenes Jahr insgesamt 2223 Lebensmittelinspektionen durchgeführt. Dies geht aus dem Jahresbericht hervor, der am Mittwoch veröffentlicht wurde. In 26 Fällen musste eine erneute Kontrolle innert kurzer Frist durchgeführt werden, weil gravierende Mängel zu beheben waren, geht aus dem Bericht hervor. Bei 19 Prozent der Inspektionen wurden Lebensmittel beanstandet, im Vorjahr waren es noch 22 Prozent. «Die meisten Betriebe arbeiten seriös und vorbildhaft, die Entwicklung ist positiv», erklärt der Kantonschemiker.

Nüsse werden auf Schimmelpilze untersucht.

Nüsse werden auf Schimmelpilze untersucht.

Bild: PD

4 Prozent der Frittieröle waren verdorben

1356 Lebensmittel wurden mikrobiologisch untersucht, insbesondere vorgekochte und Fertigprodukte. Von diesen Proben mussten 265 oder 20 Prozent beanstandet werden wegen hygienischer Mängeln. Betroffen waren vor allem vorgekochte und Fertigprodukte, Desserts, Patisserie- und Konditoreiprodukte, Speiseeis, Eiswürfel, Käse, Fleischwaren und Schlagrahm. Als Schwerpunkt wurden 899 Frittieröle und -fette vor Ort getestet. Bei 33 Proben (4 Prozent) wurde der so genannte «polare Anteil» von 27 Prozent überschritten. Solche Öle gelten als verdorben und mussten beanstandet werden.

Ungenügende Hitzebehandlung von eingemachten Produkten

Laut dem Kantonschemiker war vor allem die Qualität von eingemachten Produkten mangelhaft. Bei mehr als einem Drittel von insgesamt 46 eingemachten Produkten waren weder die Hitze- und Säurebehandlung noch die Lagerungsbedingungen genügend, um eine mögliche Vermehrung des Bakteriums Clostridium botulinum zu verhindern. Die von diesem Bakterium gebildeten Nervengifte können gemäss Daniel Imhof tödlich sein. «Hier hat die Selbstkontrolle eine wichtige Bedeutung. Ich appelliere an die Eigenverantwortung», sagt Daniel Imhof. In erster Linie sind Lebensmittel mit unzureichender Zugabe von Salz oder Säuerung gefährdet, die unter sauerstofffreien Bedingungen gelagert werden, zum Beispiel selbst eingelegtes Gemüse und Obst oder selbst hergestellte Konserven.

Gute Noten für das Trinkwasser

Seit Anfang Jahr ist das Pestizid Chlorothalonil verboten, da es als wahrscheinlich krebserregend gilt. In einigen Gebieten der Schweiz wurden Pflanzenschutzmittel im Grundwasser nachgewiesen. Daniel Imhof hält fest, dass zum jetzigen Zeitpunkt in den Urkantonen Entwarnung gegeben werden kann. 66 Trinkwasserproben wurden untersucht, keine Pflanzenschutzmittel wurden nachgewiesen. «Die Qualität des Trinkwassers in den Urkantonen ist sehr hoch», sagt Kantonschemiker Daniel Imhof.

Fall von «unzumutbaren hygienischen Bedingungen»

(pz) Weniger positiv ist dagegen die Entwicklung bei der Zahl von vernachlässigten Heimtieren. 270 Fälle bearbeitete das Laburk im vergangenen Jahr. Davon sind die gravierenden Fälle zwar relativ selten, sie nehmen jedoch zu. Es mussten drei vollständige Tierhalteverbote ausgesprochen werden. Bei allen handelte es sich um Haustierhaltungen. In drei weiteren Fällen wurden Teiltierhalteverbote erlassen, wo die Haltung einer Tierart verboten oder die Anzahl Tiere beschränkt wurde. 

Erwähnenswert ist insbesondere ein Fall im Herbst, bei dem 23 vernachlässigte Hunde, davon 5 Welpen, aus einer Haltung beschlagnahmt werden mussten. Die Tiere waren unterernährt, teilweise krank und wurden unter «unzumutbaren hygienischen Bedingungen» gehalten. Die Anzahl solcher Fälle von Vernachlässigung von Heimtieren ist zwar relativ gering, nimmt jedoch zu. Oft betreffen solche Fälle nicht nur die Haltung der Tiere, sondern sind Teil einer allgemeinen Überforderung einer Person oder Familie.

Hier ist der Jahresbericht 2019 zu finden.