Institut «Kulturen der Alpen» beleuchtet Urner Sakrallandschaft

Das Institut «Kulturen der Alpen» näherte sich in einer Veranstaltung der Urner Sakrallandschaft aus kulturhistorischer, theologischer und rechtlicher Perspektive. Denn gerade in Uri geben Kapellen und Kirchen der Landschaft eine Identität.

Elias Bricker
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Beschäftigten sich an einer Veranstaltung mit der Urner Sakrallandschaft (von links): Roland Norer, Thomas Brunner und Markus Ries.

Beschäftigten sich an einer Veranstaltung mit der Urner Sakrallandschaft (von links): Roland Norer, Thomas Brunner und Markus Ries.

Bild: Elias Bricker

Uri zählt rund neunzig Kapellen, dreissig Kirchen, drei Klöster sowie etliche Bildstöcke, Gipfel- und Alpkreuze. Das ist Grund genug für das Urner Institut «Kulturen der Alpen» an der Universität Luzern, sich intensiver mit der Urner Sakrallandschaft auseinanderzusetzen. Am Montag, 12. Oktober, befasste sich das Institut im Rahmen einer öffentlichen Veranstaltung intensiv mit der Thematik. Am Nachmittag fand eine Führung zur bedeutenden Wallfahrtskapelle im Riedertal statt, am Abend standen mehrere Referate auf dem Programm. Sie beleuchteten die Urner Sakrallandschaft aus kulturhistorischer, theologischer und rechtlicher Perspektive.

Martin Kopp, langjähriger Generalvikar der Urkantone.

Martin Kopp, langjähriger Generalvikar der Urkantone.

Bild: Elias Bricker

Martin Kopp, langjähriger Generalvikar der Urkantone, freute sich, dass das Institut «Kulturen der Alpen» sich intensiv mit dem kulturellen Erbe auseinandersetzt. Die Säkularisierung mache aber auch vor dem Kanton Uri nicht halt, Kirchen würden heute nicht mehr so rege genutzt. «Dennoch sind sie für viele Leute immer noch etwas Heiliges», sagte Kopp. Man stelle Kirchenbauten heute unter Schutz und für ihre Erhaltung würden trotz Säkularisierung weiterhin grosse Opfer erbracht. «Denn gerade im Kanton Uri geben die vielen Kirchen und Kapellen der Landschaft schliesslich eine Identität.»

Wallfahrten wurden gezielt initiiert

Der kantonale Denkmalpfleger Thomas Brunner brachte in seinem Referat den Anwesenden die Urner Sakrallandschaft näher. Er erläuterte ihre Geschichte – von den ursprünglichen drei Landespfarreien Altdorf, Bürglen und Silenen bis hin zu den reformierten Kirchen des 20. Jahrhunderts, die ein Bedürfnis der zugezogenen Industrie- und Bahnarbeiter befriedigten. Uri sei zudem reich an Wallfahrtskapellen. «Diese sind nicht zufällig entstanden», sagt der Denkmalpfleger. «Sie wurden im Kanton Uri gezielt gefördert.» Umtriebige Kirchenleute hätten damit teilweise auch wirtschaftliche Interessen verfolgt.

Markus Ries, Professor für Kirchengeschichte an der Universität Luzern, erläuterte, dass gerade die Innerschweizer Sakrallandschaft geprägt sei von Bauten der Gegenreformation. Die Reformation hatte nicht nur eine Kirchenspaltung zur Folge, sondern auch eine Reformbewegung innerhalb der katholischen Kirche. Während sich die reformierte Theologie von Bildern, Sakralgegenständen und Reliquien lossagte und nur noch Christus und das Wort Gottes heiligte, machte die katholische Kirche genau das Gegenteil. «Demonstrativ haben die Katholiken ein riesiges Gegenprogramm aufgefahren und eine offensive Sakralisierung vorangetrieben», sagte Ries. Dies hiess: Noch mehr Bilder, Reliquien, Kapellen, Wegkreuze und noch prunkvollere Bauten.

Auch Kirchen müssen zonenkonform sein

Romed Aschwanden, Geschäftsführer des Instituts.

Romed Aschwanden, Geschäftsführer des Instituts.

Bild: Elias Bricker

Roland Norer, Mitglied der Institutsleitung von «Kulturen der Alpen» und Rechtsprofessor an Universität Luzern, befasste sich in seinem Referat hingegen mit den baurechtlichen Grundlagen für Sakralbauten. Auch Kapellen, Kirchen und gar Gipfelkreuze unterstünden heute den Bau- und Zonenordnungen. Dabei gelte selbst bei Sakralbauten der Grundsatz, dass ausserhalb der Bauzone eigentlich nicht gebaut werden darf. «Ein absolutes Bauverbot ausserhalb der Bauzone gibt es nicht», sagte Norer. «Aber es müssen sachliche Gründe vorliegen, die einen Bau rechtfertigen würden.» Dabei spiele die sogenannte Standortgebundenheit eine grosse Rolle. Eine Gedenkkapelle könne beispielsweise nur nahe einem Unglücksort erstellt werden.

Romed Aschwanden, Geschäftsführer des Instituts, fasste die Referate treffend zusammen: «Der Standort eines Sakralbaus hat in allen geschichtlichen Epochen eine Rolle gespielt, die Kriterien dafür haben sich aber grundlegend geändert.» Im Mittelalter oder der frühen Neuzeit seien oft Erscheinungen oder Kraftorte für eine Standortwahl grundlegend gewesen, heute die Raumplanung.