Interpellation
Aktionsprogramme und Massnahmen: Das tut der Kanton Uri für die psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen

In der Antwort der Regierung auf eine Interpellation wird deutlich, dass es vor allem im Bereich der Kinder- und Jugendpsychiatrie noch Ausbaubedarf gibt.

Carmen Epp
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Dori Tarelli, FDP-Landrätin aus Altdorf.

Dori Tarelli, FDP-Landrätin aus Altdorf.

Bild: PD

Der Regierungsrat soll aufzeigen, was er für die psychische Gesundheit der Urner Kinder und Jugendlichen tut. Dafür haben sich die beiden Landrätinnen Lea Gisler-Bissig (CVP/Mitte, Altdorf) und Dori Tarelli (FDP, Altdorf) mit einer Interpellation zum Thema eingesetzt.

Sie bezogen sich auf eine Studie von Unicef Schweiz und Liechtenstein, bei der 1097 Jugendliche zwischen 14 und 19 Jahren online befragt wurden. Dabei gaben 37 Prozent der Teilnehmenden an, von psychischen Problemen betroffen zu sein. Nur ein Drittel der Befragten spreche mit jemandem über seine Probleme, weniger als die Hälfte suche Hilfe bei Fachstellen.

Lea Gisler, CVP/Mitte-Landrätin aus Altdorf.

Lea Gisler, CVP/Mitte-Landrätin aus Altdorf.

Bild: PD

Die Interpellantinnen forderten deshalb vom Urner Regierungsrat eine Stellungnahme zu den Empfehlungen, die Unicef im Rahmen der Untersuchung herausgegeben hat. So sollen Präventionsprogramme junge Menschen bereits früh erreichen. Das Stigma um psychische Krankheiten soll abgebaut und Angebote in Zusammenarbeit mit den Jugendlichen sollen erstellt werden. Ausserdem sei ein stetiges Monitoring essenziell.

«Glückliche Jugendliche» zu wenig vertreten

Nun liegt die Antwort der Regierung vor. Darin hält sie zunächst fest, dass die zitierte Studie «wahrscheinlich nicht repräsentativ» sei. Da die Online-Befragung in den sozialen Netzwerken gestreut wurde, sei davon auszugehen, dass die Teilnehmenden interessierte Jugendliche waren, die sich vom Thema «Psychische Gesundheit von Jugendlichen» angesprochen fühlten und mithin auch persönlich stärker betroffen waren. Die Regierung schreibt:

«Die ‹glücklichen Jugendlichen› sind in der Studie daher höchstwahrscheinlich statistisch untervertreten.»

«Die Prävention auf individueller Ebene geschieht bei Kindern und Jugendlichen bereits in den Familien», schreibt die Regierung weiter. Deshalb seien Fragen in diesem Zusammenhang dringend in erster Linie an die Sozialbehörden, familienergänzenden Betreuungsinstitutionen, Suchtberatungsstellen, Familienhilfswerke, die Mütter- und Väterberatung und so weiter zu adressieren.

Frühe Kindheit ist zentral

In diesem Zusammenhang verweist die Regierung auf zwei Aktionsprogramme der Fachstelle Gesundheitsförderung. Die Mehrheit der dort enthaltenen Massnahmen – die Regierung zählt deren 17 auf – hätte einen Fokus auf den frühkindlichen Bereich, das heisst von der Schwangerschaft bis zum siebten Lebensjahr. Dazu schreibt die Regierung:

«Die frühe Kindheit ist ein zentraler Lebensabschnitt zur langfristigen Stärkung der Lebenskompetenzen und zur Förderung zentraler Schutzfaktoren.»

Diese wiederum würden die Ausgangslage für die psychische Gesundheit von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen bilden.

Weiter wollten die Interpellantinnen wissen, wie etabliert die Schulsozialarbeit in Urner Schulen ist. Hier verweist die Regierung auf die laufende Revision des Schulgesetzes, mit welcher der Regierungsrat alle Gemeinden verpflichten will, für ihre Schülerinnen und Schüler den Zugang zur Schulsozialarbeit anzubieten.

Lange Wartefristen und kein eigenes Monitoring

Auf die Frage nach der psychiatrischen Grundversorgung von Kindern und Jugendlichen in Uri verweist die Regierung auf das Psychiatriekonkordat der Kantone Uri, Schwyz und Zug, das die stationäre, teilstationäre und ambulante psychiatrische Versorgung sicherstellt. Seit 2015 würden in allen drei Kantonen immer mehr stationäre und auch ambulante Leistungen in der Kinder- und Jugendpsychiatrie beansprucht, wie der Regierungsrat ausführt. Gleichzeitig sei ein zunehmender Mangel an stationären Plätzen zu beobachten. Das führe teilweise zu Wartefristen von sechs bis neun Monaten. Ein wohnortnahes stationäres und tagesklinisches Angebot für Kinder und Jugendliche fehle. Deshalb werde eine entsprechende Erweiterung der Spitalliste mit hoher Priorität geprüft.

Auf die Frage, wie der Kanton Uri die Empfehlung des Unicef für ein stetiges Monitoring von Jugendlichen mit psychischen Krankheiten sicherstellt, verweist der Regierungsrat darauf, dass der Kanton Uri durch das Schweizerische Gesundheitsobservatorium 2010, 2015 und 2020 kantonale Gesundheitsberichte erstellen liess. Dabei gebe es nur in wenigen Bereichen signifikante Abweichungen zu den nationalen Daten, weshalb auf ein eigenes kantonales Monitoring verzichtet werden könne. Zudem komme die Schweizerische Gesundheitsbefragung zum Schluss, dass die Gesundheit und das Gesundheitsverhalten der Urnerinnen und Urner in vielen Bereichen besser sei als jene der Gesamtschweiz.

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