Interpellation im Landrat
Die Polizei trainiert ihre Cyberfitness – Es braucht auch in Uri mehr Fachkräfte

Die Zahl der Cyberdelikte dürfte in Zukunft deutlich ansteigen. Dazu sind zusätzliche Stellen bei Polizei und Staatsanwaltschaft nötig, wie die Regierung in ihrer Antwort auf eine Interpellation schreibt.

Markus Zwyssig
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Die Kriminalität im Internet nimmt zu. Auch die Urner Polizei beschäftigt sich immer öfter damit.

Die Kriminalität im Internet nimmt zu. Auch die Urner Polizei beschäftigt sich immer öfter damit.

Symbolbild: Keystone/Gaetan Bally

Der Ausbildungsaufwand im Bereich der Cyberkriminalität ist hoch und wird auch künftig hoch bleiben. «Das aktuelle Ermittlungsniveau der Kantonspolizei, bezogen auf den Bereich der digitalen Ermittlungen, ist knapp genügend», schreibt die Regierung in ihrer Antwort auf eine Interpellation von Michael Arnold (CVP, Altdorf). Der grösste Teil dieser Arbeiten könne das Polizeikorps mit eigenen Mitteln erledigen. Teilweise müsse fallbezogen die Unterstützung anderer Korps beigezogen werden. «Ungenügend ist das Niveau im Bereich der komplexeren Cyberdelikte», so die Regierung. Bei diesen Delikten ist das Urner Polizeikorps zu grossen Teilen auf Unterstützung aus anderen Kantonen angewiesen.

In den vergangenen Jahren hat die Kantonspolizei viel in ihre Cyberfitness investiert, wie die Regierung weiter festhält. So haben sämtliche Polizisten ein E-Learning-Programm gemacht. Zudem absolvieren alle Mitarbeitenden der Kriminalpolizei einen Ausbildungskurs am Schweizerischen Polizei-Institut (SPI). Das Polizeikommando hat, nicht zuletzt aufgrund der Zunahme der Cyberfälle, auf Anfang dieses Jahres die Struktur der Abteilung Kriminalpolizei angepasst und acht Fachbereiche geschaffen. Dem Fachbereich «Cyberdelikte + IT-Ermittlung» sind drei (von total zwölf) Ermittler zugewiesen. «Aufgrund der aktuellen Ressourcensituation ist es nicht möglich, dass sich diese Mitarbeitenden ausschliesslich auf den Bereich Cyber konzentrieren können», hält die Regierung fest. Mittel- bis langfristig ist geplant, dass ausgewählte und spezialisierte Ermittler der Polizeikorps eine externe Weiterbildung an Fachhochschulen besuchen.

Während die Zahl der Delikte gemäss Strafgesetzbuch in etwa stabil geblieben ist (Durchschnitt von 714 Delikten zwischen 2015 bis 2020), steigt die Zahl der Cyberdelikte weiterhin deutlich an. Im Kanton Uri hat sich ihre Zahl von 2017 bis 2020 mehr als verdreifacht. Bei der Internetkriminalität muss zudem mit einer sehr hohen Zahl nicht gemeldeter Fälle gerechnet werden. Die Kantonspolizei schätzt die Dunkelziffer auf gegen 80 Prozent. «Oftmals werden die Opfer auf perfide Art und Weise um ihre Ersparnisse gebracht», schreibt die Regierung. «Es ist anzunehmen, dass häufig aus Scham keine Anzeige bei der Polizei erstattet wird.» So zum Beispiel, wenn ein junger Mann durch die Androhung der Veröffentlichung von Nacktfotos zu Geldüberweisungen genötigt wird. Auch haben viele Opfer das Gefühl, dass sie selber Schuld seien an ihrer Situation, da sie auf E-Mails, Anrufe oder dergleichen hereingefallen sind und sich so selber in eine solche Lage gebracht haben. «Die Kantonspolizei verfügt über gut geschulte Mitarbeitende, die es verstehen, auf heikle und persönliche Fälle einzugehen», schreibt die Regierung dazu. «Einfühlungsvermögen mit den Opfern ist bei sämtlichen Deliktsarten gefragt, nicht nur im Fall von Cyberkriminalität.»

Es braucht zusätzliche Stellen bei Polizei und Staatsanwaltschaft

Die heutigen Ressourcen im Bereich Cyber seien zu knapp bemessen, stellt die Regierung fest. Im Rahmen der Strukturanpassung innerhalb der Abteilung Kriminalpolizei habe sich gezeigt, dass die vorhandenen Personaleinheiten künftig nicht genügen würden. Das Urner Polizeikorps ist mittelfristig auf Mitarbeitende angewiesen, die sich ausschliesslich um Cyberfälle kümmern können. Der zusätzliche Personalbedarf wird auf mindestens zwei Vollzeitstellen geschätzt.

Die Zahl der Delikte und auch deren Komplexität werden weiter deutlich ansteigen. Bei der Bearbeitung dieser Fälle werde sich der Kanton Uri nicht auf die Unterstützung durch Dritte verlassen können, so die Regierung. «Der Beizug von Spezialisten anderer Polizeikorps darf nicht zur Regel werden.» Vor diesem Hintergrund ist aus Sicht der Regierung eine Investition in zusätzliche Stellen zu prüfen. Es werde zudem nicht genügen, einzig die Kapazitäten der Polizei im Bereich Cyber zu erhöhen. Auch bei der Staatsanwaltschaft müsse eine spezialisierte Stelle geschaffen werden.

Trotz Prävention werden Urner regelmässig Opfer von Cyberdelikten

Die Kantonspolizei engagiert sich heute im Bereich der Prävention stark, einerseits mit Referaten an Schulen zum Umgang mit sozialen Medien, andererseits auch mit Elternvorträgen zu dieser Thematik und zudem auch mit regelmässigen Warnmeldungen im Rahmen von Medienmitteilungen. Trotz des betriebenen Aufwands werden Urnerinnen und Urner regelmässig Opfer von Cyberdelikten. Dies insbesondere deshalb, weil die Täter äusserst raffiniert vorgehen. Vor diesem Hintergrund müsse der Bereich der Prävention insbesondere durch entsprechende Veranstaltungen verstärkt werden. Zusätzliche Stellenprozente seien aber nötig, um auch vor den Gefahren der sozialen Medien zu warnen.

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