INTERPELLATIONEN: Ersthelfer stehen im Fokus der Politiker

Frieda Steffen lässt bei der Regierung nicht locker, was den Rettungsstützpunkt in Andermatt angeht. Claudia Gisler hat zudem Fragen zur Bewältigung des grossen Bahnunfalls im September.

Florian Arnold
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Beim Bahnunfall wurden 13 Ambulanzen benötigt. (Bild: Keystone/Urs Flüeler (Andermatt, 11. September 2017))

Beim Bahnunfall wurden 13 Ambulanzen benötigt. (Bild: Keystone/Urs Flüeler (Andermatt, 11. September 2017))

Florian Arnold

florian.arnold@urnerzeitung.ch

Die beiden CVP-Vertreterinnen Frieda Steffen (Andermatt) und Claudia Gisler (Bürglen) haben im Landrat gestern je eine Interpellation eingereicht, die sich unter anderem um die sogenannten First Responder drehen. Dabei handelt es sich um geschulte Einsatzkräfte in der nahen Umgebung, die im Notfall eine erste Versorgung übernehmen, ehe die professionelle Rettung eintrifft.

Frieda Steffen bezieht sich auf eine Interpellation, die sie 2014 eingereicht hatte. Damals stellte die Regierung in Aussicht, ab dem 1. April 2016 in Altdorf und Andermatt je einen Rettungsdienst-Stützpunkt zu betreiben. Auf den 1. Januar 2017 werde zudem eine Leistungsvereinbarung mit den First Respondern unterzeichnet. Nun stellt Steffen der Regierung folgende Fragen:

1. Wie begründet der Regierungsrat die für die First Responder sehr unbefriedigende Situation, dass die Leistungsvereinbarung noch nicht unterzeichnet ist? Liegt die Zuständigkeit bei der Spitalleitung oder bei der Gesundheitsdirektion?

2. Wie sieht bei andern Gemeinden die Zusammenarbeit der First Responder mit dem Rettungsstützpunkt des Urner Kantonsspitals aus?

3. Den First Respondern in Andermatt steht für ihre Einsätze ein Fahrzeug zur Verfügung. Wie rechtfertigt der Regierungsrat den Entscheid, dieses Fahrzeug zu veräussern, und zwar aufgrund einer Umstellung im Verrechnungswesen? Ist eine Veräusserung nur in finanzieller Hinsicht notwendig? Wurden alle Optionen geprüft wie beispielsweise eine Mitfinanzierung oder Schenkung durch oder an eine dritte Person oder Organisation?

4. Wie weit kann der Regierungsrat garantieren, dass der Rettungsdienst des Kantonsspitals Uri übers ganze Jahr zwei Rettungsdienst-Stützpunkte betreibt?

5. Im Entscheid der Regierung wurde festgehalten, den Rettungsdienst-Stützpunkt in einer Versuchsphase zu betreiben. Wie und wann wird der Rettungsdienst-Stützpunkt Andermatt definitiv zugesichert?

«Die Zusammenarbeit mit den First Respondern und dem Kantonsspital Uri läuft bereits sehr erfolgreich», sagte Spital­direktor Fortunat von Planta auf Anfrage unserer Zeitung. Es bestehe eine mündliche Vereinbarung, die schriftliche sollte nach der Klärung einzelner Details schon bald unterzeichnet werden können. Zu klären gibt es laut von Planta noch Fragen rund um die Haftpflichtversicherung.

4 Helikopter und 13 Ambulanzen

Zu einem grossen Einsatz kam es in Andermatt am 11. September, als eine Lokomotive beim Rangieren in einen stehenden Zug fuhr. Dabei verletzten sich 33 Fahrgäste. Im Einsatz standen 4 Helikopter und 13 Ambulanzfahrzeuge. Claudia Gisler wundert sich nun, weshalb nicht andere Mittel zur Bewältigung des grossen Ereignisses zugezogen wurden, und stellt diese Fragen:

1. Auf wie viele First Responder kann der Kanton Uri zurückgreifen? Wie ist ihre Anstellung und Ausbildung geregelt? Wie viele First Responder wurden beim Bahnunfall aufgeboten?

2. Die professionellen sanitätsdienstlichen Rettungskräfte werden von den First Respondern und von der mobilen Sanitätshilfsstelle Uri (Mob San Hist) unterstützt. Die Mob San Hist ist personell und materiell darauf ausgerichtet, 20 Patientinnen und Patienten innerhalb einer Stunde ab Alarmierung versorgen und betreuen zu können. Wieso stand sie beim Bahnunfall nicht im Einsatz?

3. Wer versorgte die Verletzten, bis die Ambulanzfahrzeuge aus den verschiedenen Kantonen eingetroffen waren? Wie lange dauerte es, bis das letzte Ambulanzfahrzeug vor Ort war?

4. Eine komplette Sperrung der Schöllenen ist für die Bevölkerung einschneidend und die Wirtschaft negativ. Auf welchem Kommunikationsweg werden Einheimische und Gäste informiert? Ab welcher Grösse eines Ereignisses muss die Strasse komplett gesperrt werden?

5. Wie setzen sich die Gesamt­kosten für den Rettungseinsatz zusammen?

6. Welche Erkenntnisse ergeben sich aus der Nachbearbeitung des Schadenereignisses für die Rettungsorganisation?