Interview
Direktor der Schweizerischen Arbeitsgemeinschaft für die Berggebiete: «Bewerbungen wurden auch schon zurückgewiesen»

Thomas Egger ist Direktor der Schweizerischen Arbeitsgemeinschaft für die Berggebiete (SAB). Im Interview spricht er über die Ziele der Labelvergabe und wer wirklich über die Auszeichnung entscheidet.

Interview: Bruno Arnold
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Thomas Egger, Direktor der Schweizerischen Arbeitsgemeinschaft für die Berggebiete (SAB).

Thomas Egger, Direktor der Schweizerischen Arbeitsgemeinschaft für die Berggebiete (SAB).

Bild: Bruno Arnold (Unterschächen, 25. August 2021)

Herr Egger, was will die SAB mit der Vergabe des Labels erreichen?

Thomas Egger: Das Label stellt einerseits eine Anerkennung dar für bereits erbrachte Leistungen. Ausgezeichnet werden Bergdörfer, die sich gezielt mit den Bedürfnissen und für die Anliegen der Jugendlichen und junger Familien auseinandergesetzt haben. Anderseits soll das Label auch ein Ansporn sein, sich zusätzlich zu engagieren.

Wie soll dieses Engagement aussehen?

Egger: Die Gemeindeverantwortlichen sollen im direkten Gespräch mit den Jugendlichen deren Wünsche und Anliegen anhören, mögliche Massnahmen diskutieren und für deren Umsetzung sorgen. Damit entsteht eine interne Dynamik auf Gemeindestufe. Das Label soll aber gleichzeitig auch auf nationaler Ebene ausstrahlen.

Was heisst dies konkret?

Das Label gibt den Gemeinden die Möglichkeit, ihr Engagement für die Jugend nach aussen zu präsentieren. Sie können damit beweisen: Bei uns läuft etwas, wir sind jugendfreundlich und auch für Familien interessant. Die Attraktivität der Gemeinde für Neuzuzüger kann mit dem Label gesteigert werden. Und schliesslich verhilft es den Jugendverantwortlichen zu mehr Rückhalt für ihre Arbeit.

Kontrolliert die SAB auch, ob die Gemeinden auch nach der Labelverleihung aktiv bleiben?

Egger: Das ist so. Das Label wird nicht von der SAB direkt verliehen, sondern vom jährlich tagenden Jugendforum der SAB, in dem sich je zwei Jugendliche aus den ausgezeichneten Gemeinden engagieren. Die Mitglieder des Jugendforums analysieren die Bewerbungen im Detail und entscheiden, wer den Zuschlag erhält. Das Forum hat auch schon Bewerbungen zurückgewiesen, weil beispielsweise festgestellt wurde, dass die Jugendlichen im Bewerbungsverfahren nur ungenügend miteinbezogen worden waren.

Hat das Jugendforum noch weitere Aufgaben?

Egger: Wichtige Aufgaben des Jugendforums sind neben der Labelvergabe auch das Controlling und Reporting aus den Gemeinden. Der Ausschuss des Jugendforums überwacht, ob die Labeldörfer die vorgegebenen Kriterien einhalten. Die Gemeindebehörden müssen zum Beispiel mindestens einmal pro Jahr mit den Jugendlichen zusammensitzen und dabei prüfen, welche Massnahmen effektiv umgesetzt worden sind und welche eben nicht. Die Vertreter der Labelgemeinden schildern im Jugendforum die entsprechenden Ergebnisse. Genügen die Bemühungen der Verantwortlichen nicht, wird die entsprechende Gemeinde genauer unter die Lupe genommen. Solche Kontrollen haben auch schon dazu geführt, dass das Jugendforum einer Gemeinde das Label entzogen hat.

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