Interview
Präsident des FC Altdorf: «Der Verein soll sich nachhaltig entwickeln»

Armin Auf der Maur, seit vergangenem September Präsident des FC Altdorf, im Interview über die aktuelle Situation und die Herausforderungen beim FC Altdorf.

Jamin Schürpf *
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Wann die Spieler des FC Altdorf wieder auf den Rasen dürfen, ist unklar.

Wann die Spieler des FC Altdorf wieder auf den Rasen dürfen, ist unklar.

Bild: Urs Hanhart (19. September 2020)

Ihre ersten fünf Monate als Präsident sind geprägt von Absagen und Verschiebungen. Wie geht der Verein mit der aktuellen Situation um?

Armin Auf der Maur: Die Situation ist für uns nicht einfach. Es herrscht eine grosse Unsicherheit, wie es weiter geht. Für uns wäre eine zeitliche Perspektive wichtig. Froh bin ich, dass wenigstens die Mannschaften im Kinderfussball trainieren dürfen.

Wie gehen die Spielerinnen und Spieler mit der Situation um?

Sie vermissen alle den Fussball sehr. Daneben fehlt ihnen auch der gegenseitige Kontakt, das Gesellschaftliche. Gewisse Teams haben nun mit individuellen Trainingseinheiten gestartet. Beispielsweise mit Jogging oder Kraftübungen via Videokonferenz.

Armin Auf der Maur, seit September Präsident des FC Altdorf.

Armin Auf der Maur, seit September Präsident des FC Altdorf.

Bild: PD/Jamin Schürpf

Was wissen Sie aktuell über eine mögliche Wiederaufnahme des Spielbetriebs?

Der Verband hat drei Szenarien erarbeitet. Die Szenarien bedingen jeweils eine vollständige Trainingsaufnahme Anfang März, Anfang April oder Anfang Mai. Falls im März oder April gestartet werden kann, gibt es im Juniorenbereich eine komplette Meisterschaft, bei den Aktivteams wird die Saison normal fortgesetzt. In Worst-Case-Szenario «Mai» werde lediglich die offenen Nachtragsspiele vom Herbst gespielt und die Tabelle danach gewertet.

Fast die Hälfte der vergangenen 12 Monate war Fussball nicht erlaubt, befürchten Sie längerfristige Konsequenzen für den Verein?

Wir gehen aktuell noch nicht davon aus. Aber klar, wenn die Situation in diesem Jahr sich nicht normalisiert, ist vieles ungewiss.

Auch sportlich ist die Situation schwierig, die 1. Mannschaft ist nur knapp über einem Abstiegsplatz rangiert, zuletzt lief es gar nicht mehr. War der Saisonunterbruch gar ein Glücksfall?

Aus Sicht der 1. Mannschaft vielleicht ja. Das häng aber auch davon ab, wie es im Frühling dann weitergeht. Finden nur drei Spiele statt, ist der Druck auf die Mannschaft gross. Aber ich finde es falsch, den Abbruch lediglich mit unserer ersten Mannschaft zu verknüpfen. Betroffen waren schliesslich auch die Juniorenabteilung und unsere Damenteams. Für sie alle war der Unterbruch sehr bedauerlich.

In der Vergangenheit wurde in solchen Situationen oft in den Kader investiert, auch diesmal?

Nein. Wir fahren mit unserer Linie mit maximal drei auswärtigen Spielern konsequent weiter. Jedoch haben uns die Gebrüder Weickert verlassen. Unsere sportliche Leitung hat darauf aber reagiert. Im Detail werden wir dies in den kommenden Wochen kommunizieren.

Was ist, wenn die Mannschaft absteigt?

Wir sind überzeugt, dass wir den Ligaerhalt schaffen. Die Mannschaft hat in der Vorrunde mehrmals gezeigt, dass in ihr Potenzial steckt. Für uns wäre aus dieser Sicht besonders bedauerlich, wenn nur noch drei Spiele stattfinden würden. Diese Spiele hätten Cupcharakter und die Situation wäre unberechenbarer. Ein Abstieg wäre sehr schade, aber bereits in der Vergangenheit haben wir gezeigt, dass dies kein Beinbruch ist. Aber klar, wir wollen mittelfristig eine starke 2. Liga Mannschaft sein.

Der Anteil auswärtiger Spieler wurde in den letzten Jahren kontinuierlich kleiner, der sportliche Erfolg aber auch. Geht dieser Weg für den FCA wirklich auf?

Unsere Strategie will, dass wir mit eigenen Spielern uns nachhaltig weiterentwickeln und nicht nur den kurzfristigen Erfolg anstreben. Wir wollen eine 1. Mannschaft entwickeln, die sich langfristig etabliert. Dafür braucht es halt auch mal Geduld. Eine Strategie kann nur dann erfolgreich sein, wenn sie auch mal konsequent umgesetzt wird.

Liegt es nicht auch an der aktuellen finanziellen Lage, dass «Gelb-Schwarz» jetzt nicht investiert?

Es ist zwar in der Tat so, dass wir in eine nicht einfache finanzielle Situation haben. Diese wurde zuletzt noch durch Corona verschärft. Die Strategie der ersten Mannschaft ist aber unabhängig dieser Situation getroffen worden. Nochmals, wir wollen langfristig was aufbauen und nicht für den schnellen Erfolg finanzielle Abenteuer eingehen.

Was unternimmt der FCA, um finanziell wieder gesünder zu werden?

Es ist für mich entscheidend, dass wir aus den vergangenen Jahren unsere Lehren ziehen. Es kann nicht sein, dass wir über Jahre mehr ausgeben, als wir einnehmen. Auch ist es nötig, dass wir mit unseren Finanzen haushälterischer umgehen. Die finanzielle Situation des Vereins geniesst für mich höchste Priorität. Von einem gesunden Verein profitiert schliesslich der ganze FCA.

Erwartet der FC Altdorf auch von der Gemeinde oder dem Kanton finanzielle Unterstützung?

Momentan liegt der Fokus bezüglich Unterstützungsmassnahmen bei den wirtschaftlichen Folgen für Unternehmen. Das ist auch richtig so. Bei uns hängt aktuell noch vieles davon ab, wie es im Jahr 2021 weiter geht. Verbessert sich die Situation nicht nachhaltig und Veranstaltungen, welche unsere Haupteinnahmequelle sind, können weiter nicht durchgeführt werden, dann wird dies sicher zum Thema.

Neben den Finanzen ist auch die Infrastruktur in Altdorf ein Dauerthema. Haben der ESC Erstfeld und der FC Schattdorf den Hauptortverein überholt?

Infrastrukturmässig sicher. Was die beiden Vereine in den letzten Jahren mit Unterstützung ihrer Gemeinden und dem Kanton aufgebaut haben, verdient grossen Respekt. Wir nehmen diese Herausforderung jedoch an und wollen uns in den nächsten Jahren auch weiterentwickeln.

Einen Kunstrasen wird es aber bekanntlich nicht geben. Wie kann sonst ein Mehrwert geschaffen werden?

Für mich ist primär eine gute Zusammenarbeit mit unserer Gemeinde wichtig. Aktuell sind wir in Gesprächen am Evaluieren, was möglich und finanzierbar ist. Was klar ist, dass unsere Anlage in den kommenden Jahren Investitionen benötigen wird.

Es scheint, dass Ihnen die Arbeit im Verein momentan nicht ausgeht. Was ist Ihre Motivation dafür?

Ich bin seit über 30 Jahre im Verein und dieser ist mir sehr ans Herzen gewachsen. Ich erlebe seit Jahren, dass wir tolle Integrations- und Jugendarbeit leisten. Für mich ist sehr wichtig, dass wir dies auch in Zukunft tun können. Deshalb entschloss ich mich, diese Herausforderung anzunehmen.

Man hört, dass Diverses bereits in Bewegung ist. Was läuft hinter den Kulissen des Vereins?

Trotz Corona ziemlich viel. Einerseits sind wir an einer langjährigen Vereins- und Finanzplanung dran, daneben wird der Verein auf verschiedenen Ebenen neu aufgestellt. Und wie erwähnt, erste kleinere Infrastruktur Projekte sind in Vorbereitung. Aber vieles davon ist letztlich abhängig davon, ob es uns gelingt, dass unsere Mitglieder wieder aktiver mithelfen. Momentan ist die meiste Arbeit auf sehr wenigen Schultern verteilt.

Und langfristig, was ist die Vision vom FC Altdorf?

Unser Ziel ist es, wieder ein attraktiver Hauptortverein zu werden, in dem jeder Freude hat, Teil davon zu sein, aber auch bereit ist, dafür mitzuhelfen.

Zum Schluss, was ist Ihr grösster Wunsch für die kommenden Monate?

Dass wir uns alle möglichst bald wieder auf der Schützenmatte treffen können.

* Das Interview hat Jamin Schürpf vom FC Altdorf der «Urner Zeitung» zur Verfügung gestellt.