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ISENTHAL: Die Angst vor dem Wolf wächst

Die Schafhalter fürchten weitere Raubtierattacken und treiben ihre Schafe zusammen. Behörden klären nun den Einsatz sofortiger Schutzmassnahmen ab.
Ist ein Wolf (wie hier im Zoo Zürich) für die Schafrisse verantwortlich? (Bild: Anian Heierli / Neue UZ)

Ist ein Wolf (wie hier im Zoo Zürich) für die Schafrisse verantwortlich? (Bild: Anian Heierli / Neue UZ)

Anian Heierli

«Ich fühle mich ohnmächtig und wütend», sagt Landwirtin Antonia Furrer. Mindestens drei ihrer Schafe sind mutmasslich dem Wolf zum Opfer gefallen, der im Grenzgebiet zwischen Uri und Nidwalden unterwegs sein soll. Unterhalb des Risetenstocks bei der Alp Gitschenen im Isenthal riss ein Raubtier vor kurzem 14 Schafe (siehe unsere Zeitung von gestern). 15 weitere Schafe sind verletzt und müssen eventuell notgeschlachtet werden. Gemäss des Isen­thaler Jagdaufsehers Oskar Bissig ereignete sich ein erster Angriff zwischen Donnerstagabend und Samstagmorgen, der zweite in der Nacht auf Montag. Zum Zeitpunkt der Angriffe weideten 207 Schafe aus verschiedenen Betrieben gemeinsam auf der Alp.

Antonia Furrer ist aufgewühlt. Es fällt ihr schwer, über das Geschehene zu sprechen. «Der emotionale Schaden ist viel grösser als der finanzielle», sagt sie. Als Bergbäuerin mit einem kleinen Betrieb habe sie eine starke persönliche Beziehung zu jedem ihrer Tiere. «Der Wolf hat den Bauch eines hochträchtigen Schafs aufgeschlitzt. Die Beine des ungeborenen Lamms waren zu sehen», berichtet Furrer. Sie sei noch immer besorgt. Denn momentan ist unklar, ob der Wolf mutmasslich nicht noch weitere Tiere gerissen hat und ob das Raubtier wieder zuschlägt. Zur Kontrolle haben die Landwirte gestern ihre Schafe auf der Alp Geissboden zusammengetrieben. Erst nachdem sämtliche Schafe gezählt sind, kann der effektive Verlust beziffert werden.

Ganze Gliedmassen abgetrennt

Ob tatsächlich ein Wolf für die Risse verantwortlich ist, soll eine DNA-Analyse zeigen die Auswertung der Spuren dauert drei Wochen. Doch die Behörden gehen bereits jetzt davon aus. «Die Gewalt der Bisse deutet auf einen Wolf hin», sagt Jagdaufseher Oskar Bissig. «Bei einigen Tieren wurden Köpfe und Gliedmassen abgetrennt. Ein Luchs hätte dazu nicht die nötige Kraft.» Für den Jagdaufseher gibt es kaum Zweifel: «Es würde mich erstaunen, wenn ein anderes Tier als ein Wolf für die Risse verantwortlich wäre.» Wegen des unwegsamen Geländes schliesst Bissig einen streunenden Hund anstelle des Wolfs aus.

Für den Wolfsverdacht spricht auch, dass der Angriff auf die Schafe in Isenthal der dritte Vorfall innert zehn Tagen im Grenzgebiet von Uri und Nidwalden ist. Am 5. Juni wurden in Emmetten NW acht Schafe gerissen vermutlich von einem Wolf. Dasselbe Tier soll am Vortag wenige Kilome­-ter entfernt bei Isleten UR unterwegs gewesen und von einem Autofahrer fotografiert worden sein.

Etwas machte Jagd auf Kälber

Auch für Landwirtin Furrer kommt kein anderes Tier als ein Wolf in Frage. Ihre Familie lebt in Gitschenen in unmittelbarer Nähe der Alp. «Vor ein paar Tagen hat etwas in der Nacht unsere grösseren Kälber gejagt, die hinter dem Haus eingezäunt gewesen sind. Die Kälber sind am Morgen ganz verstört gewesen», so Furrer. An einigen Stellen hätten sie sogar den Elektrozaun eingerissen. Die Landwirtin vermutet, dass der mutmassliche Wolf die Kälber verängstigt hat. Sie wünscht sich, dass die Behörden das Raubtier zum Abschuss freigeben. «Der Tierschutz sollte sich nicht nur um Wölfe, sondern auch um Schafe kümmern.» Doch gemäss Wolfskonzept darf ein Wolf erst geschossen werden, wenn er innerhalb eines Monats 25 Nutztiere reisst. Bislang ist aber kein Abschuss geplant. «Wir konzentrieren uns auf sofortige Herdenschutzmassnahmen», erklärt der Urner Jagdverwalter Josef Walker. Aktuell seien Herdenschutzspezialisten im Gebiet und diskutierten Massnahmen. Die Schafe könnten im Tal untergebracht und in der Nacht eingeschlossen werden. Zudem wird der Einsatz einer mobilen Herdenschutzgruppe geprüft.

Schutzhund sei riskant und teuer

Für die betroffene Bäuerin sind Herdenschutzmassnahmen aber mit Problemen verbunden. «Auf der Alp gibt es keinen Strom, was einen Elektrozaun verunmöglicht», erklärt sie. Solarbetriebene Elektrozäune würden bei schlechter Witterung versagen. Auch Schutzhunde machen aus ihrer Sicht wenig Sinn, da ein Wanderweg geradewegs durch die Alp führt und Schutzhunde können zu Konflikten mit Wanderern führen, wobei im Schadensfall der Landwirt haftet. «Schutzhunde müssen auch gefüttert werden», erklärt Furrer. «Wenn wir aber jeden zweiten Tag auf die Alp wandern müssen, macht das Schafhalten finanziell keinen Sinn mehr.» Furrer und ihr Mann haben sogar schon ans Aufhören gedacht.

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