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ISENTHAL: Die Kinder werden mit der Seilbahn zur Schule chauffiert

Ein offenes Transportschiffchen erschliesst den ganzjährig bewirtschafteten Bauernbetrieb der Familie Eberli hoch über dem Urnersee. Die Seilbahn ist nebst einem Fussweg die einzige Verbindung ins Tal.
Der Schulweg von Jonas, Carmen und Marco Eberli beginnt mit der Seilbahn. (Bild: Christof Hirtler (Isenthal, 6. November 2017))

Der Schulweg von Jonas, Carmen und Marco Eberli beginnt mit der Seilbahn. (Bild: Christof Hirtler (Isenthal, 6. November 2017))

Auf dem Heimet Oberbärchi im Isental freuen sich Jonas, David, Marco und Carmen jeweils auf den ersten Schnee: «Jetzt können wir mit dem Schlitten zur Schule!» Doch zuerst geht es mit der of­fenen Seilbahn talwärts. Früh­morgens steigen die Kinder mit ihren Schultheken zu viert in das Holzkistchen. Jonas hängt das Absperrgitter ein, es gibt keine Türen, keine geschlossene Kabine. Im Winter ist es kalt, und es zieht. Die Kinder, dick eingepackt in ­Jacken, Kappen und Handschuhen, legen Decken über ihre Beine, ­rücken zusammen.

Heidi Eberli startet den Motor und der Keilriemen setzt die grossen eisernen Umlenkräder in Bewegung. Schnell entschwindet das Kistchen in der Dunkelheit und gleitet über den Mast. «Wir haben den Kindern eingetrichtert, dass sie in der Bahn nicht streiten oder hin- und herschaukeln dürfen», sagt Heidi Eberli, derweil sie die Anzeige beobachtet. Die Anlage ist rein mechanisch, es gibt keine elektronische Steuerung. Eine Sichtverbindung zur Talstation gibt es nicht. Langsam bewegt sich ein Zeiger über einer kleinen Holzscheibe. Verschie­dene Beschriftungen und Markierungen zeigen, wo sich die Bahn zurzeit befindet. Nähert sich die Scheibe dem roten Strich, betätigt Heidi Eberli den grossen Bremshebel. Die Talstation ist erreicht, die Bahn hält an. Die Kinder steigen aus, setzen sich auf ihre Schlitten und sausen auf der Strasse ins Dorf. Eine halbe Stunde dauert ihr Schulweg.

Alles Lebensnotwendige kommt mit der Bahn

2010 haben Thomas und Heidi Eberli das Heimet Bärchi erworben. Vor drei Jahren haben sie das alte Haus abgerissen und an derselben Stelle ein modernes, grösseres Haus gebaut. Die Niederberger-Seilbahn, eine einspurige Personenseilbahn mit umlaufendem Zugseil, stammt aus dem Jahr 1979. «Vom Dorf Isenthal bis zur Talstation kann man fahren. Zum Oberbärchi führt keine Strasse, die Seilbahn ist unser einziges Transportmittel», sagt Thomas Eberli. «Im Sommer befördern wir auch Touristen. Dann hilft uns mein Schwiegervater Edy Ziegler beim Seilen, wenn wir am Heuen sind.»

Mit der Seilbahn transportiert die Familie Eberli Ess­waren, Futter, Stroh, Tiere, Material, überhaupt alles, was es auf dem 13,5 Hektaren grossen Berg­bauernbetrieb zum Leben und Arbeiten braucht. Die Bahn kann mit 300 Kilogramm belastet werden. Bei Föhn fährt die Bahn nicht, bei starkem Schneefall oder Regen kann es in der offenen Seilbahn ungemütlich werden. «Wenn wir als Familie fortgehen, läuft der Letzte ins Tal. Er muss die Seilbahn steuern, denn sie kann nur auf der ­Bergstation bedient werden», so Thomas Eberli.

Entlastung für Kleinseilbahnen

2006 wurden mit dem Bundesgesetz über Seilbahnen zur Personenbeförderung die gesetz­lichen Anforderungen an die ­Sicherheit und den Unterhalt der Seilbahnen erhöht. Das wirkte sich besonders bei den Kleinseilbahnen aus, die wegen des geringen Umsatzes und der schmalen Eigenkapitalbasis ohnehin zu kämpfen hatten.

Mit einer kantonalen Seilbahn-Förderstrategie erarbeitete der Kanton Uri ein Finanzierungskonzept für touristische Seilbahnen. Neben den touristischen Bahnen werden landwirtschaft­liche Kleinbahnen seit 2015 bei den periodischen Wiederinstandstellungen (PWI) vom Kanton, dem Bund und der Korporation Uri unterstützt. Dazu gehören beispielsweise der Ersatz von Seilen oder Rollenbatterien. Der Kanton Uri, welcher als erster Kanton diese PWI-Massnahmen subventionierte, hat bereits an 21 Kleinseilbahnen Beiträge ausbezahlt oder zugesichert. Ausgenommen von den PWI ist die jährliche ­Sicherheitsinspektion durch die Kontrollstelle des Interkantonalen Konkordats für Seilbahnen und Skilifte: Sie ist nach wie vor Sache der Bahneigentümer. «Mit den Einnahmen aus dem Per­sonentransport können wir ge­rade die Kosten für den Techniker decken», meint Thomas Eberli.

Christof Hirtler

redaktion@urnerzeitung.ch

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