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ISENTHAL: Für «gefährliche Arbeit» ausgezeichnet

Das Isenthaler Wildheuer-Gebiet ist zur «Landschaft des Jahres 2016» erkoren worden. Mit dem Preis wird die Arbeit der Einheimischen honoriert.
Paul Gwerder
Neben dem Barpreis erhielt Anton Jauch von Raimund Rodewald (links) noch zwei Rechen zum Wildheuen. (Bild Paul Gwerder)

Neben dem Barpreis erhielt Anton Jauch von Raimund Rodewald (links) noch zwei Rechen zum Wildheuen. (Bild Paul Gwerder)

Paul Gwerder

Die Isenthaler Landschaft strahlte am vergangenen Samstag richtiggehend. Das spätsommerliche Wetter gab einen perfekten Blick auf die umliegenden Berge frei. Bessere Bedingungen hätte man sich für einen Festakt auf der Alp Gitschenen nicht aussuchen können – erst noch, wenn es um die Landschaft geht. Denn das Isenthaler Wildheu-Gebiet ist nun offiziell zur «Landschaft des Jahres 2016» ausgezeichnet worden. Honoriert wird damit vor allem die Arbeit der Wildheuer. Am Samstagmorgen fand die feierliche Preisübergabe statt.

Breite Öffentlichkeit angesprochen

«Ich verneige mich vor der Natur und den Leuten, die sich für sie einsetzen», sagte Raimund Rodewald, Geschäftsleiter der Stiftung Landschaftsschutz Schweiz, die den Preis seit 2011 jährlich vergibt. Mit der Auszeichnung wird die Möglichkeit geschaffen, die Werte der heimischen Landschaften zu kommunizieren, über deren Gefährdungen zu informieren und das lokale Engagement der Bevölkerung für die Landschaftspflege zu honorieren. Das Wildheuen im Isenthal sei arbeitsintensiv und anstrengend, so Rodewald. «Mit unserem Preis wollen wir das Engagement der Leute einer breiten Öffentlichkeit zeigen, die sonst eher im Hintergrund sind.»

Martin Schläpfer, Leiter Wirtschaftspolitik des Migros-Genossenschaftsbundes, überreichte den Preis in der Höhe von 10 000 Franken Anton Jauch stellvertretend für die rund 30 anderen Wildheuer aus dem Isenthal. Zudem erhielt jeder Wildheuer eine spezielle Urkunde. «Mit dem Slogan ‹Aus der Region – für die Region› wollen wir die regionale Wirtschaft stärken», erklärte Schläpfer. «Die Nachfrage nach diesen Produkten ist riesengross, aber leider haben wir zu wenig davon, deshalb unterstützen wir solche Aktionen sehr gerne.»

Neues Werkzeug

Er habe von dem Preis gar nicht gewusst, sagte Jauch. «Ich schätze diesen Preis sehr, er ist eine Wertschätzung für unsere nicht immer einfache Arbeit in der Natur», so der Wildheuer. Mit dem Geld wollen die Wildheuer neues Werkzeug wie Sensen und Bergschuhe anschaffen. «Und vielleicht reicht es noch für ein Bänklein, wo man die Wildheuer von einem sicheren Ort aus beobachten kann», erklärte der 44-jährige Landwirt, der das ganze Jahr auf Gitschenen lebt und einen kleinen Bauernbetrieb mit neun Mutterkühen besitzt. Ältester Wildheuer ist der bald 89-jährige Josef Aschwanden: «Ich gehe immer noch in die ‹Wildi›, auch wenn ich für den Weg hinauf etwas länger als früher brauche. Dort oben ist meine Lieblingsarbeit immer noch das Mähen mit der Sense.»

Regierungsrätin Heidi Z’graggen gratuliert den Wildheuern zu ihrer hart verdienten Auszeichnung. «An solchen steilen Hängen zu mähen und das Heu zusammenzurechen, das kann man nicht lernen, dazu muss man hier geboren und aufgewachsen sein», glaubte sie. Die Wildheuer würden einer schönen Arbeit nachgehen, die aber auch gefährlich sei. «Ich bin stolz auf alle Urner Wildheuer, die für eine intakte Berglandschaft sorgen, und bin überzeugt, dass der Preis ein Ansporn ist, sich weiter für unsere wunderschöne Natur einzusetzen», sagte Z’graggen.

Auch der Kanton unterstützt das Wildheuen, denn dort, wo die Flächen bearbeitet werden, gibt es eine grössere Vielfalt von Blumenwiesen, und die Erosionsschäden nehmen ab. «Zu guter Letzt ist die herrliche Landschaft Uris die Visitenkarte für die Touristen von nah und fern», betonte die Regierungsrätin.

«Ein bisschen Kraft» ist wichtig

«Ich habe nie erwartet, dass wir zu diesem Preis kommen», sagte der Isen­thaler Gemeindepräsident Pirmin Bissig. «Umso stolzer bin ich heute auf die Wildheuer, die das verdient haben.» Moderator Michael Zezzi wollte wissen, welche Voraussetzungen ein Wildheuer mitbringen müsse. Bissig: «Er muss eine besondere Faszination zur Natur haben, trittsicher und schwindelfrei sein, und ein bisschen Kraft würde auch nicht schaden.»

Filmemacher Fredi Murer («Höhenfeuer», «Vitus») sagte: «Seit heute weiss ich definitiv, dass das Wildheuen nicht aussterben wird. Ich bin stolz, sind wir in der Landschaftspflege europaweit an der Spitze.» Murer, der im Kanton Uri zur Schule ging, ist seit Kindheit mit den Berglern sehr verbunden. Nach dem Mittagessen demonstrierten die Isen­thaler Wildheuer ihre Arbeit im steilen Gelände.

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