ISENTHAL: «Gekauftes Glück» lebt neu auf

Vor fast dreissig Jahren war das Bergdorf der Drehort eines grossen Schweizer Films. Weil «Gekauftes Glück» nun restauriert auf DVD erhältlich ist, erinnerten sich die Bewohner an die Entstehung des Streifens.

Markus Zwyssig
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Szene aus dem Schweizer Filmklassiker «Gekauftes Glück»: Der Nidwaldner Bergbauer Windleter (Wolfram Berger) fällt im Dorf in Ungnade, weil er eine Thailänderin geheiratet hat. (Bild: PD (Isenthal, 1989))

Szene aus dem Schweizer Filmklassiker «Gekauftes Glück»: Der Nidwaldner Bergbauer Windleter (Wolfram Berger) fällt im Dorf in Ungnade, weil er eine Thailänderin geheiratet hat. (Bild: PD (Isenthal, 1989))

Markus Zwyssig

markus.zwyssig@urnerzeitung.ch

Die Turnhalle in Isenthal war am Donnerstagabend fast zu klein. Eilends mussten kurz vor Beginn weitere Stühle herbeigeschafft werden, damit die über 200 Personen bei der Filmvorführung alle sitzen konnten.

Der Aufmarsch erstaunt. Denn in Isenthal wurde ein Film gezeigt, der vor fast dreissig Jahren ins Kino kam. Zwei Gründe gab es, die das Publikum in Scharen anlockten: Einerseits war der Film «Gekauftes Glück» damals mehrheitlich in Isenthal gedreht worden. Anderseits ist der inzwischen zum Klassiker gewordene Streifen nun erstmals auf DVD erhältlich.

Bekannte Schauspieler sprechen raue Mundart

Der Nidwaldner Regisseur Urs Odermatt konnte für sein Erstlingswerk bekannte Schauspieler wie den Österreicher Wolfram Berger, den Erfolgsregisseur Werner Herzog und den inzwischen verstorbenen Schweizer Charakterdarsteller Mathias Gnädinger verpflichten. Während der Film in Deutschland und Österreich auf Hochdeutsch lief, synchronisierte der Regisseur den Film für die Schweizer Kinoversion mit Mitgliedern des Theaters und des Kirchenchors Buochs in rauster Nidwaldner Mundart.

«Es macht mir grossen Spass, nach fast dreissig Jahren wieder ins Isenthal zu kommen», sagte Regisseur Urs Odermatt bei der Aufführung in Isenthal. Er sei schon lange nicht mehr hier gewesen, aber es habe sich fast nichts geändert. «Es sieht immer noch ähnlich aus, und es riecht auch noch gleich.»

Das war der Anfang von «Bauer, ledig, sucht ...»

Die im Film erzählte Geschichte ist auch heute noch aktuell. Es ist quasi eine Urversion von «Bauer, ledig, sucht ...». Die Geschichte spielt im fiktiven Nidwaldner Dorf Oberrickenthal – eine Wortkonstruktion aus den beiden Drehorten Isenthal und Oberrickenbach. Der Bauer Windleter (Wolfram Berger) lebt allein auf seinem Bergheimet. Der Film beginnt mit dem Begräbnis seiner Mutter. Windleter will nicht allein leben und bestellt sich bei einem Frauenhändler eine Thailänderin (Arunotai Jitreekan). Während zwischen dem Bauern und der Thailänderin trotz Sprachbarriere Liebe entsteht, verbündet sich das Tal gegen die beiden.

«Gekauftes Glück» sorgte damals für heftige Diskussionen. Odermatt erzählte, wie er zusammen mit seiner Crew das Filmprojekt in Isenthal vorgestellt hat. Die Bewohner seien zuerst skeptisch gewesen. Es kam zu einer Abstimmung. Odermatt und seine Filmcrew erhielten aber die Mehrheit der Stimmen im Bergdorf und durften mit dem Filmdreh beginnen.

«Gekauftes Glück» polarisierte auch bei den Aufführungen. Die einen waren entsetzt über den rauen Umgang im Film und die ungehobelte Sprache. In Buochs wurde dem Regisseur von erbosten Besuchern nach einer Vorführung sogar ein Hosenlupf angedroht. Andere waren begeistert. Sie lobten den Regisseur, dass es ihm gelungen sei, ein heisses Eisen anzupacken.

Kichern und viele Aha-Erlebnisse

Die Aufregung um den Film hat sich inzwischen gelegt. «Die Menschen sind weltoffener geworden», ist Odermatt überzeugt. Das zeigte sich auch bei der Filmvorführung am Donnerstagabend. Es gab höchstens ein paar Lacher und ein Kichern beim Wiedersehen mit vertrauten Gesichtern. Die einen davon sind inzwischen schon gestorben.

Die Vorführung in Isenthal war gratis, dafür mit Beamer und Leinwand auch ein bisschen ­improvisiert. «Es ist ein Geschenk an die Bevölkerung», sagte Regisseur Urs Odermatt. Gestern Abend war der Film im Cinema Leuzinger ein weiteres Mal zu sehen. «Wir hatten sehr viele Anfragen von Kinofans, die den Film gerne kaufen wollten», so Odermatt. «Daher konnten die Aufnahmen von ­damals nun – auch dank Unterstützung verschiedener Sponsoren – aus der analogen Hölle ­befreit werden.»

Die sechs Wochen Dreharbeiten im Isenthal haben sich gelohnt. «Gekauftes Glück» war 1989 der erfolgreichste Schweizer Film – und dies trotz eines ­relativ kleinen Budgets. Rund 75 000 Personen gingen dafür ins Kino. Allein in Altdorf wurden 2200 Personen gezählt.

Sie haben den Film aus der zeitlichen Distanz in aller Ruhe anschauen können, sagte Mar­grit Bissig-Arnold. Sie hatte im Film damals selber mitgespielt und sei damals kritisch auf den Film angesprochen worden. Die Sprache im Film empfinde sie heute gar nicht mehr so grob. «Einzig der Pfarrer, der regt mich mit seiner arroganten Art immer noch auf.»

Sepp Bernasconi hat Werner Herzogs Worte in marchiges Nidwaldner Deutsch übersetzt. «Mit dem Flieger gings früh am Morgen nach München in die Bavaria-Studios», so Bernasconi. Manchmal habe er einen Satz zehnmal sprechen müssen, bis alles gestimmt habe. «Zum Schluss war ich fast heiser.» Er habe den Film schon mehrere Male gesehen. «Die Geschichte berührt mich immer wieder.»

Roland Bissig, der heute in Erstfeld lebt, erinnert sich noch gut an die Aufnahmen: «Vieles wurde gedreht, kommt im Film aber gar nicht vor.» Sie hätten damals gerne mitgemacht, so Bissig. Immer wieder seien Statisten gesucht worden, beispielsweise um die Kirche zu füllen. «Viele mussten gar nichts sagen, verdienten aber trotzdem ein paar Franken», erinnert er sich.

«Als Bauer war ich froh um den finanziellen Zustupf, den wir für unsere Arbeit erhalten haben», sagt der Isenthaler Edy Ziegler. Er sei damals in der Musik gewesen. «Die Filmemacher haben nach Originalen gesucht», so Ziegler. Und weil alle seine Kollegen sofort auf ihn gezeigt hätten, habe er sich zum Mitmachen entschieden.

Hinweis

Die DVD ist erhältlich beim www.theodermattshop.ch/filme/gekauftes_glueck.html