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ISENTHAL: Mundart soll Wanderer zum Nachdenken bringen

Der Mundartweg ist eine schweizweite Premiere. Für Felix Aschwanden ist die Sprache aber nicht für alle Zeiten in Fels gehauen.
Markus Zwyssig und Urs Hanhart
Sprachforscher Felix Aschwanden half bei der Umsetzung des Urner Mundartwegs. (Bild Urs Hanhart)

Sprachforscher Felix Aschwanden half bei der Umsetzung des Urner Mundartwegs. (Bild Urs Hanhart)

Den neu eröffneten Mundartweg kann man zu Fuss begehen, oder man kann mit dem «Gifi» eine Abkürzung nehmen. Und da sind wir schon mittendrin im Urner Dialekt. «Gifi» ist nämlich eines der Wörter, das man unterwegs auf dem Mundartweg in einen Stein gemeisselt findet. Damit ist eine «Bähndli-Kabinä» gemeint. Und dazu passt «seilä», das zweite Wort auf dem Stein. Das bedeutet so viel wie mit der Seilbahn fahren. Dreizehn solcher Steine sind insgesamt auf dem am Samstag eröffneten Mundartweg zu finden.

Regnerische Eröffnung

Trotz zum Teil recht garstiger Witterung mit kurzen Regenphasen und aufziehenden Nebelschwaden nahmen am Samstag rund 40 Teilnehmer die offizielle Eröffnungswanderung über den neuen Mundart-Weg in Angriff. Dabei nutzten die Verantwortlichen die Gelegenheit, einige Worte an die Gäste zu richten. Der Präsident von Isenthal-Tourismus, Walter Zurfluh, dankte allen, die zur Realisierung der neuen Attraktion einen Beitrag geleistet haben, insbesondere dem Initianten Josef Schuler und den verschiedenen Geldgebern.

Geniessen statt pressieren

«Mit dem neuen Weg wird der Urner Mundart ein Denkmal gesetzt», freut sich Felix Aschwanden, der Schöpfer des Urner Mundartwörterbuchs (siehe Box). «Das heisst aber nicht, dass die Sprache für ewige Zeiten in Fels gehauen ist.» So wäre es denn auch ganz im Sinne von Felix Aschwanden, wenn die Steine später wieder ausgewechselt würden. Die von Aschwanden verwendeten Wörter schaffen einen Bezug zum Alltag im Berggebiet. Sie machen auf kulturelle Eigenheiten aufmerksam, zeigen, mit was sich die Menschen in Isenthal beschäftigen. Wer den Weg gehe, müsse «nid jufflä», rät Aschwanden. Die Landschaft und die Aussicht auf den Urnersee, auf Rophaien, Gitschen und Urirotstock seien es Wert, immer wieder «zu vertwiilä».

Urschner meisselt Wörter in Stein

Seine Ideen für passende Mundartwörter sind Felix Aschwanden gekommen, als er mit den Verantwortlichen auf dem neuen Mundartweg gelaufen ist. «Ich überlegte mir, wo die Steine hinpassen würden, und welche Wörter ich verwenden könnte», erzählt Aschwanden. Einer der Initianten des Mundartwegs war der Urner Kulturbeauftragte Josef Schuler. Die Kulturkommission und der Verein Tourismus Isenthal waren als Träger verantwortlich für die Umsetzung. Massgeblich beteiligt war dabei Lehrer Markus Aschwanden. Für die Broschüre und die Bilder war Christoph Hirtler verantwortlich. Holzbildhauer Peter Bissig ist als Gemeinderatsmitglied verantwortlich für die Isen-thaler Wanderwege. Schon früh nahm er Kontakt auf mit seinem Bildhauerkollegen Gedeon Regli, der die Mundartwörter in Kalksteine meisselte. «Wir wollen Denkanstösse schaffen mit den Wörtern», sagt Aschwanden.

Geschichten und Lieder hören

Wer auf dem Mundartpanoramaweg wandert, braucht Trittsicherheit und gute Bergschuhe. Der Abstieg erfolgt über eine drei Meter hohe Leiter. Kinder dürfen den Weg nur in Begleitung Erwachsener passieren. Der Weg führt von der Posthaltestelle Dorf in 10 Gehminuten zur Talstation Wyssig-Furggelen, 800 Meter hinter dem Dorf. Mit der offenen Dreierkabine gelangen die Wanderer auf Furggelen (1222 Meter über Meer), hoch über dem Grosstal. Oder die Wanderer marschieren zur Furggelen hinauf. Dort beginnt der Mundartweg. Er führt über die Scheidegg (1407 Meter über Meer). Unterwegs entdecken die Wanderer – bei genauem Hinsehen – die in Stein eingravierten Urner Mundartwörterpaare. Eine kleine handliche, gratis erhältliche Broschüre aus der Feder von Felix Aschwanden begleitet die Wanderer, erklärt den Hintergrund der Dialektwörter. Auf dem Mobiltelefon hören die Wanderer beim Scannen der QR-Codes Ausschnitte und Lieder aus der CD «Gschichtä unt Liätli üs em Ürnerland».

Isenthal feiert mehrfach

Der Weg befindet sich auf BLN-Gebiet, das heisst, er ist im Bundesinventar schützenswerter Landschaften verzeichnet. Die drei Landwirtschaftsbetriebe (mit Direktvermarktung) entlang des Weges sind nur mit offenen Seilbahnen (Oberbärchi, Furggelen) erschlossen. «Die Erhöhung der Seilbahn-Frequenzen ist ein wichtiges Ziel des neuen Wegs», so Josef Schuler.

Isenthal hat gleich mehrfach Grund zum Feiern. So wurde die Isenthaler Wildheulandschaft von der Stiftung Landschaftsschutz zur Landschaft des Jahres 2016 auserwählt. Die Kulturkommission Isenthal schreibt auch deshalb einen Fotowettbewerb aus.

Markus Zwyssig und Urs Hanhart

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