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ISENTHAL: «Wir müssen um die Jungen kämpfen»

Bei der MG Ursenbach machen mehr Frauen als Männer mit. Präsidentin Anita Aebersold sagt, was das mit sich bringt und was sie ans Blasmusikfestival in Uri zieht.
Markus Zwyssig
Die Musikgesellschaft Ursenbach mit ihrem jungen Dirigenten Alain Nilly (vorne liegend). (Bild: PD)

Die Musikgesellschaft Ursenbach mit ihrem jungen Dirigenten Alain Nilly (vorne liegend). (Bild: PD)

Anita Aebersold, in der Musikgesellschaft Ursenbach sind zu zwei Dritteln Frauen dabei. Weshalb ist der Frauenanteil in ihrem Blasmusikverein derart hoch?

Anita Aebersold: Früher durften in der Musikgesellschaft Ursenbach Frauen gar nicht mitmachen. Wir haben eine Veteranin im Verein, die selber erlebt hat, wie sie kämpfen musste, damit sie in den Verein aufgenommen wurde. Das liegt aber inzwischen über 30 Jahre zurück. Damals waren ausschliesslich Männer im Verein. Plötzlich ist es jetzt aber so, dass Frauen die Mehrheit haben.

Weshalb ist das so?

Aebersold: Die Gründe weiss ich auch nicht so genau. Möglicherweise hat es mehr Frauen im Dorf oder in der Umgebung, die sich für Blasmusik interessieren. Oder vielleicht bleiben die Frauen dem Verein einfach länger treu.

Haben Frauen genug Puste?

Aebersold: Das ist eigentlich nicht das Problem. Ich selber spiele Bassklarinette. Das ist relativ ein schweres Instrument zum Tragen und benötigt viel Puste. Vor allem bei der Marschmusik ist das Gewicht des Instruments ein Nachteil. Die Frauen spielen eher Klarinette, Querflöte, Trompete oder Cornet und weniger die grossen Instrumente wie Bass oder Euphonium.

Sind Frauen die besseren Blasmusikanten?

Aebersold: Das kann man so generell nicht sagen. Sowohl Frauen als auch Männer können beim Musizieren in einem Blasmusikverein sehr ehrgeizig sein.

Welche Vorteile hat es, wenn derart viele Frauen in einer Formation mitspielen?

Aebersold: Männer sehen Sachen vielfach lockerer. Frauen hinterfragen mehr. Wenn Frauen unterschiedliche Meinungen haben, kommt es eher zu Reibereien als bei Männern. Nicht dass wir jetzt im Vorstand oder im Verein damit irgendwelche Probleme hätten. Frauen machen sich aber eher ein Gewissen und hinterfragen einen Entscheid. Das geht auch mir als Präsidentin so. Wenn ich etwas sage, hinterfrage ich das manchmal dreimal. Das wäre vielleicht bei einem Mann weniger der Fall.

Weshalb überlassen Sie den Dirigentenstab einem Mann?

Aebersold: Wir hatten früher eine Dirigentin. Es ist sehr schwierig, jemanden zu finden, der den Dirigentenstab führt. Als wir vor zwei Jahren einen neuen Dirigenten suchten, kamen nicht viele Bewerbungen rein. Wir sind froh, einen ehrgeizigen jungen Dirigenten gefunden zu haben. Es spielt keine Rolle, ob dies nun ein Mann oder eine Frau ist. In unserer Jugendmusik hingegen haben wir eine Dirigentin. Sie kennt den Umgang mit jungen Menschen, denn sie ist Primarlehrerin.

Haben die Blasmusikvereine als typische Dorfvereine überhaupt eine Zukunft? Gibt es genügend Leute, die sich im Verein engagieren?

Aebersold: Unser Verein zählt rund 50 aktive Mitglieder. Das ist eine gute Zahl. Wir sind einer der grössten Musikvereine der Region. Das mag verschiedene Gründe haben. Wir haben einen sehr guten Zusammenhalt. Wenn wir in die Beiz gehen nach einer Probe, kommen nicht fünf oder sechs sondern zwanzig oder dreissig Musikanten mit. Das gute Klima trägt sicher auch dazu bei, dass man im Verein bleibt und nicht nach ein oder zwei Jahren aufhört. Aber es ist ein intensives Hobby. Vor wichtigen Auftritten und Konzerten proben wir zweimal pro Woche.

Wie schaffen sie es trotzdem, dass immer wieder neue Musikanten bei Ihnen mitmachen?

Aebersold: Wir stecken viel Zeit in die Nachwuchsförderung. Alle Musikanten bilden wir selber aus. Die Grundausbildung dauert zwei Jahre. Vorgängig besuchen wir die Kinder der dritten und vierten Primarklasse und stellen die Instrumente vor. Nach der Grundausbildung kommen die Mädchen und Buben in die Jugendmusik. Wir haben eine engagierte Dirigentin. Den Sprung in die Musikgesellschaft schaffen zwar noch viele, dem Verein aber auf längere Zeit bleiben vielleicht 50 Prozent der jungen Musikanten treu.

Was sind die Gründe fürs Aufhören?

Aebersold: Es gibt so viele Möglichkeiten heute in der Freizeit – insbesondere im Sportbereich mit Turnverein, Handballklub und vielen weiteren Vereinen. Wir haben zu kämpfen, dass wir Junge in unseren Verein locken können. Trotzdem haben wir es diesbezüglich noch gut.

Wie meinen Sie das?

Aebersold: Das Durchschnittsalter in der Musikgesellschaft Ursenbach liegt bei 37 Jahren. Das ist relativ jung und kommt dem Verein zu Gute. Vorstand und Musikkommission bringen neue Ideen. Wir haben ein Repertoire für alle. Märsche, Polka, Pop und Rock-Stücke sind in unserem Repertoire. Damit können wir 15-Jährige ebenso unterhalten wie 80-Jährige. Wir machen Musik für alle.

Wie kam es, dass sie am Urner Blasmusikfestival in Isenthal mitmachen?

Aebersold: Wir sind eigentlich eher durch Zufall dabei. Der Kontakt lief über Peter Muggler von der Musikgesellschaft Isenthal. Als Vizepräsident des Organisationskomitees hat er über einen Arbeitskollegen unseren Verein angefragt, ob wir mitmachen möchten. Wir haben im Verein diskutiert. Eine Mehrheit sprach sich dafür aus, ins Isenthal zu reisen.

Was reizt Sie, am Blasmusikfestival in Isenthal mitzumachen?

Aebersold: Für uns ist es eine gute Vorbereitung auf das Bernische Kantonal-Musikfest, das am 14. Juni in Aarwangen statt findet. Der Ausflug ins Isenthal gibt uns die Möglichkeit, einen anderen Kanton und andere Experten kennen zu lernen. Ein solches Festival prägt einen Musikanten. Ich bin mir sicher, dass auch Isenthal zu einem Erlebnis wird, an das wir noch lange gerne zurück denken. Im Vereinsleben sind solche Anlässe für den Zusammenhalt wichtig. Zudem werden wir ein Feedback von den Experten erhalten. Es ist immer interessant, mit anderen Vereinen verglichen zu werden. Vor allem werden wir diesmal von Experten und Musikanten beurteilt, die uns sonst nicht kennen.

Hinweis

Die 33-jährige Anita Aebersold-Lanz ist Präsidentin der Musikgesellschaft Ursenbach. Die Berner Gemeinde liegt eingebettet in einem Seitental zwischen Langenthal und Huttwil. Ursenbach zählt 940 Einwohner. Die MG Ursenbach ist am 2. Urner Blasmusikfestival in Isenthal zu Gast. Insgesamt werden daran am Samstag, 24. Mai, rund 600 Musikanten teilnehmen.

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