Kilbibetrieb in Isenthal ist abgesagt – die Kilbiausstellung findet jedoch statt

Jedes der 90 Isenthaler «Berg-Häimä» hat eine Geschichte. In der Dorfturnhalle wird nun das ganze Spektrum der Isenthaler Bergbetriebe in einer Ausstellung aufgezeigt.

Josef Schuler
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In Isenthal muss dieses Wochenende auf den Kilbibetrieb verzichtet werden. Die involvierten Vereine und Gaststätten des Isenthaler Organisationskomitees trafen sich im Hinblick auf die erhöhten Fallzahlen am Donnerstagnachmittag zur Krisensitzung, wie es in einer Mitteilung heisst. «In Absprache mit dem Gemeinderat Isenthal wird auf den traditionellen Kilbibetrieb verzichtet», heisst es darin.

Die Ausstellung «Häimä – Isenthaler Bergheimet in ihrer Vielfalt und Tradition» könne mit dem Schutzkonzept jedoch von Freitag bis Montag in der Turnhalle gezeigt werden. Auch der Kilbi-Festgottesdienst am Sonntagmorgen finde statt. «In der Turnhalle gilt Maskenpflicht und die Kontaktdaten werden aufgenommen, um das Contact-Tracing jederzeit zu gewährleisten», schreiben die Verantwortlichen.

Am Viehtriebweg an der Via Urschweiz nach Gitschenen steht das obere Stettlihaus.

Am Viehtriebweg an der Via Urschweiz nach Gitschenen steht das obere Stettlihaus.

Bild: PD

Die Ausstellung widmet sich unter anderem der Geschichte der Portlers. Diese wird zum Beispiel im Buch «Aschwanden Familienchronik» von Hedi Kleiner-Aschwanden. In grosser Fleissarbeit dokumentierte die Lokalhistorikerin 2001 die Portler-Aschwanden. Ihr Port-Bergheimet liegt auf 960 Metern über Meer in der Nähe bei St. Jakob. Zur Liegenschaft gehören das Portrütteli und das oberste Stettlihaus. Josef-Mariä Silvester Aschwanden‏ – genannt Port Maryjä – ist Urgrossvater des heutigen Port Otti Junior. Der Name Silvester wurde ihm angehängt, weil sein Geburtstag auf Silvester fiel. Als Jüngling verdingte er sich als Melker nach Frankreich. Nach dem Tod der Eltern übernahm er 1896 Port und Portrütteli, wo bis zur Heirat mit Theresia Imhof auch seine sieben Geschwister lebten.

Die Weid im Hinterdorf auf der Sonnenseite wird durch ein Tobel zweigeteilt. Mit der offenen, abenteuerlichen Seilbahn zur Furggelen kommt man über die Scheidegg zum Urner Mundartweg.

Die Weid im Hinterdorf auf der Sonnenseite wird durch ein Tobel zweigeteilt. Mit der offenen, abenteuerlichen Seilbahn zur Furggelen kommt man über die Scheidegg zum Urner Mundartweg.

Bild: PD

Glück im Unglück

Ein herber Schlag traf das Paar, als 1912 das Port-Haus ein Raub der Flammen wurde. Vier kleine Kinder wurden in letzter Not durchs Fenster in den Schnee geworfen und gerettet. Die Obdachlosen fanden Unterschlupf bei Nachbarn, 1913 erwarben sie das obere Stettli. Heute ist es das elterliche «Stöckli». Drei Generationen wuchsen dort auf.

Port Maryjä war dabei tüchtig. Er erwarb Alprechte im Langenboden, Hangbaum und kaufte das Jäntli. Doch er starb früh mit 50 Jahren, als noch keines der Kinder volljährig war. Das Port wurde verpachtet, bis der ältere Sohn Otto 1936 das Heimet übernahm. Dieser heiratete Katharina Herger, doch wiederum schlug das Schicksal früh zu. Die junge Frau starb 39-jährig, als ihre acht Kinder noch klein waren.

Tochter Hedi Aschwanden erinnert sich an die schwierigen Zeiten: «Von nun an mussten wir die Arbeit gemeinsam meisterten. Im Sommer lebten wir im Portrütteli und überliessen das Port viele Jahre den treuen Sommergästen, die uns auch beim Heuen halfen.» Hedi Aschwanden schildert, wie man in die Wildi ging und das Wildheu ins Heuplangge-Gädeli einbrachte. Erst im Winter zog man die Burdeli über den Schnee hinunter zur Bodmi und Strasse. Mit dem «Mäni-Zwick» – so nannten sie die Arbeitskuh – zog man das Heu auf einem Schlitten in den Port-Stall.

Portler passten sich rasch dem Strukturwandel an

Erst ab den 1960er-Jahren wurde der Strukturwandel in der Berglandwirtschaft richtig spürbar. Die Portler waren unter den Ersten, die sich den Veränderungen anpassten. Viehzuchterfolge, Mechanisierung, gezieltere Düngung und intensivere Flächenbewirtschaftung brachten die erwünschten Mehrerträge. Ab 2000 wurde die Agrarpolitik umgebaut und die ökologischen Leistungen vermehrt durch den Staat abgegolten.

Diesen und anderen Geschichten widmet die Kulturkommission Isenthal derzeit eine Ausstellung (wir berichteten). «Mit der Ausstellung möchten wir Geschichte und Gegenwart der ‹Berghäimä› erfahrbar machen», erklärt Initiant Markus Aschwanden. Dies interessiere die Bevölkerung. «Die ‹Häimä›-Besitzer haben sich viel Zeit genommen.» Die Kilbi habe in Isenthal Tradition, und eine Ausstellung gehört dazu. Im Hotel Urirotstock wird ausserdem Volksmusik geboten. «Wir brauchen gerade jetzt diese Wertschöpfung und Kilbi-Atmosphäre, die zum Dorf einfach gehört», sagt Tourismuspräsident Ruedi Bissig.

Hinweis: Kilbi-Ausstellung «Häimä»: Samstag, 10 bis 20 Uhr; Sonntag, 17 bis 20 Uhr; Montag, 10 bis 12 und 14 bis 16 Uhr. Die Dorfgaststätten sind trotz Kilbiabsage unter Einhaltung ihrer Schutzkonzepte geöffnet. Auf die Ländler- und Volksmusik im Hotel Urirotstock wird verzichtet. Die Plätze sind beschränkt. Reservation: Hotel Urirotstock (041 878 11 52) und Gasthaus Tourist (041 878 11 51). Auf das Platzkonzert der Musikgesellschaft Isenthal am Kilbisonntag um 14 Uhr und auf die Kinderkilbi und Kaffeestube wird verzichtet.