Isidor Baumann: Der Schaffer im Hintergrund sagt Bern Adieu

Das Ständeratsmandat von Isidor Baumann ist offiziell zu Ende – und damit seine politische Karriere. Verstummen wird er aber nicht.

Lucien Rahm
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Er begann 1990 als Gemeindepräsident des 400-Einwohner-Dorfes Wassen, nun hat er seine politische Karriere auf der Bundesebene beendet. Der 64-jährige Wassner Isidor Baumann hat seinen Ständeratssitz nach zwei Legislaturperioden freigegeben. In den acht Jahren habe er vor allem das Wirken im Hintergrund als spannend erlebt, und weniger die sichtbaren Arbeitsebenen wie die Sitzungen im Plenum. Dort hat er während seiner Zeit neun Vorstösse eingereicht. «Es war von Anfang an klar, dass ich kein Vorstoss-Politiker sein würde», sagt Baumann.

Isidor Baumann unter Parteikollegen an der letztwöchigen CVP-Mitgliederversammlung in Altdorf.

Isidor Baumann unter Parteikollegen an der letztwöchigen CVP-Mitgliederversammlung in Altdorf.

Florian Arnold (28. November 2019)

Nicht von Beginn weg klar war ihm 2011 bei seiner Wahl ins Stöckli, dass er diese mit einem derart guten Wahlresultat gewinnen würde. Dabei nutzte er erst die zweite sich ihm bietende Gelegenheit, um nach Bern zu kommen, wie der gelernte Vermessungstechniker und Landwirt sagt. Seine erste Chance, Ständerat zu werden, liess er bewusst ungenutzt. «Darauf hatte ich verzichtet, weil ich die laufende Amtsperiode als Regierungsrat beenden wollte – im Wissen, dass sich bald eine zweite Chance bieten würde», sagt Baumann.

Der CVP-Mann befand sich damals, im Jahr 2009, in seiner dritten Amtszeit als Urner Volkswirtschaftsdirektor, als Ständerat Hansruedi Stadler seinen Rücktritt per Mitte 2010 ankündigte. Ein Jahr später gab Hansheiri Inderkum sein Ausscheiden aus dem Stöckli bekannt. «Auf diesen Zeitpunkt hin war ich dann interessiert und engagiert, für den Ständerat zu kandidieren.» Bei der Wahl, zu welcher sich vier Kandidaten um die beiden Sitze bewarben, wurde Baumann als einziger im ersten Wahlgang gewählt und sass damit ab Ende 2011 zusammen mit Markus Stadler für Uri in der kleinen Kammer. Sein Regierungsratsmandat konnte er zwar zu Ende führen, hatte aber dennoch ein halbes Jahr lang ein Doppelmandat inne, da er noch bis Mai 2012 Regierungsrat war. Das sei etwas, das man nur eine kurze Zeit lang ertrage, sagt Baumann.

Entscheidender Moment am Schafmarkt

Über sein Wahlresultat war Baumann etwas überrascht. «Es war für mich keine Selbstverständlichkeit, so gut in den Ständerat gewählt zu werden.» Wohl habe er die Wähler aber mit seiner stets klaren Haltung überzeugen können. «Ich bin immer für meine eigene Meinung eingetreten und habe dabei nie darauf geachtet, ob das für die nächste Wahl nützlich oder schädlich ist.»

Isidor Baumann im Ständeratssaal während der Frühlingssession 2014.

Isidor Baumann im Ständeratssaal während der Frühlingssession 2014.

Bild: Peter Klaunzer/Keystone

Bereits seine Wahl in die Urner Regierung im Jahr 2000 dürften damals nicht alle erwartet haben. Baumann war im Kanton noch eher unbekannt und wirkte bislang ausschliesslich auf Gemeindeebene. Sein Entscheid, ins Rennen um die vier frei werdenden Sitze einzusteigen, sei eigentlich eher spontan gefallen. Als die Rücktritte bekannt wurden und die Medien nach möglichen Nachfolgern suchten, fragte man auch bei ihm an, ob er sich eine Kandidatur vorstellen könne. «Ich war gerade am Schafmarkt, als mich der Anruf eines Journalisten erreichte», erinnert sich Baumann. Da habe er eine Kandidatur nicht ausgeschlossen und sein Name sei damit bereits früh im Spiel gewesen. «Das war wahrscheinlich ein entscheidender Moment.» Seinen zuvor eher geringen Bekanntheitsgrad konnte er dadurch wettmachen. Die fehlenden Politstationen wie ein Landratsmandat habe er mit seinem Engagement in anderen Funktionenkompensieren können. Baumann war beispielsweise Präsident des Urner Bauernverbandes. So hätten letztlich auch Anti-Inserate gegen ihn seine Wahl nicht verhindern können. Die Inserenten waren der Meinung, dass Wassen mit dem damaligen FDP-Regierungsrat Peter Mattli bereits ausreichend vertreten sei.

Rollenwechsel in Bundesbern

Als Regierungsrat sei er damals auf einen Kanton im «demoralisierten Zustand» getroffen, sagt Baumann rückblickend. Arbeitsplätze habe es in Uri immer weniger gegeben und Unternehmen im Kanton zu halten, sei eine Herausforderung gewesen. «Aber wir waren bereit, neue Visionen zu verwirklichen.» Durch eine effektive Wirtschaftsförderung sei es gelungen, Arbeitsstellen zu kompensieren und Firmen anzusiedeln. Auch die Verwirklichung der Neuen Eisenbahn-Alpentransversale (Neat), des Tourismusprojektes von Samih Sawiris in Andermatt sowie von Schutzmassnahmen im Zuge des Jahrhunderthochwassers 2005 fallen in die Regierungsperiode von Baumann. «Eine sehr spannende Zeit» sei es gewesen, in der er auch einige Raumentwicklungsprojekte für den Urner Talboden habe anstossen können.

Die Rolle, die Baumann ab Ende 2011 in Bern wahrnahm, sei demgegenüber eine andere gewesen. «Ich war 22 Jahre lang in einem Exekutivgremium, wo man immer an der Front steht, direkt Verantwortung trägt und die Volksnähe einen hohen Stellenwert hat.» Im Ständerat sei man dann einer von 46 und etwas weiter weg von der Bevölkerung. Man wirke vor allem in der Kommission, wo man als Einzelperson weniger Einfluss habe als in einer Regierung.

«In einer kommunalen Behörde hat man viel mehr Gestaltungsfreiheit.»

Dennoch habe er auch die Arbeit in Bern als spannend empfunden. «Man beeinflusst den nationalen Finanzhaushalt und wirkt zuoberst am Schaltwerk mit.» Als alt Regierungsrat habe er zudem ein Sensorium dafür gehabt, welche Folgen die Entscheide auf Bundesebene für die Kantonsregierungen haben können.

Direkter Zugang zum Bundesrat

Den grössten Reiz habe auf ihn jedoch die Arbeit im Hintergrund ausgeübt. In bilateralen Gesprächen mit Bundesräten oder Personen aus der Verwaltung hätten sich einige Dinge zu Gunsten des Kantons Uri beeinflussen lassen. «Das ist die grosse Chance eines Parlamentariers in Bern, ein Netzwerk auch zu den Institutionen aufzubauen.» So könne man sich offene Türen zur Bundesverwaltung schaffen. «Und im Notfall kann eine Aktion direkt beim Bundesrat noch zum Erfolg führen.»

Weniger lasse sich hingegen mit den klassischen Vorstössen im Ständerat selber erreichen, sagt Baumann. «Drei Viertel der Vorstösse sind bereits wirkungslos, nachdem sie abgeschickt wurden.» Bei Themen, die nach einer breiten Diskussion verlangen, würde sich dieses Instrument jedoch anbieten, um eine solche zu lancieren.

Baumann befasst sich mit Armee

Die Arbeit in den Kommissionen erlaube wiederum durchaus, Projekte mitzuprägen. So habe er beispielsweise in der Sicherheitskommission die Weiterentwicklung der Armee mitgestalten können. Und auch im Rahmen der Beschaffung neuer Kampfflugzeuge habe er eine «spürbare Rolle spielen können».

Was Baumann derzeit noch nicht spürt, ist das Ende seines Mandates. «So richtig bemerkbar wird das wohl erst im Januar.» Im Dezember stünden naturgemäss immer noch viele Anlässe an. Er freue sich aber auf die Zeit, wenn nicht jeder Tag mit zwei bis drei Terminen besetzt sei. «Die Schafhaltung und die Landwirtschaft werden wieder mehr Zeit bekommen.» Daneben habe er noch diverse kleinere Mandate in Verwaltungs- und Stiftungsräten.

Ganz still bleibt er kaum

Aus der Politik verabschiede er sich dagegen hiermit nun. Allerdings: «Ob man das politische Mitdenken und Empfinden so schnell ablegen kann, darüber bin ich mir nicht sicher.» Dass er sich auch weiterhin an einer Gemeindeversammlung zu Themen äussern wird, sei nicht ausgeschlossen.