ISLETEN: «Plötzlich hörten wir, wie es rumpelte»

Wegen eines Steinschlags war die Strasse zwischen Isleten und Seedorf gestern Morgen gesperrt. Anwohner hatten am späten Abend Alarm geschlagen.

Drucken
Teilen
Felsblöcke blockierten gestern Morgen die Strasse zwischen Bolzbach und der Isleten. (Bild Elias Bricker)

Felsblöcke blockierten gestern Morgen die Strasse zwischen Bolzbach und der Isleten. (Bild Elias Bricker)

Gestern Morgen gab es auf der Strasse zwischen Isleten und Seedorf kein Durchkommen. Pendler und Schüler aus Bauen und Isenthal mussten zu Hause bleiben. Denn am Sonntagabend, kurz vor 23 Uhr, waren zwischen Bolzbach und der Isleten Steine auf die Strasse gedonnert. Beide Fahrspuren der kantonalen Seestrasse wurden getroffen. Einige rund einen Kubikmeter grosse Felsblöcke und Schutt bedeckten auf einer Länge von rund 70 Metern die Strasse. Zudem wurde auch die Privatstrasse ins Bergheimwesen Biel verschüttet. Personen kamen jedoch keine zu Schaden

Tagesanbruch abwarten

Das betroffene Gebiet ist grossmehrheitlich unbewohnt. Nur im Heimwesen Biel, gleich über dem Südportal des Seelisbergtunnels, lebt eine junge Familie mit drei Kindern im Vorschulalter. «Die Steine donnerten rund 500 Meter hinter dem Haus runter», erzählt Maya Herger. «Wir sassen gemütlich auf dem Sofa. Plötzlich hörten wir, wie es laut rumpelte.» Danach sei sie mit ihrem Mann Markus nach draussen gegangen, um zu schauen, was passiert war. «Auf der Strasse zu unserem Heimwesen lagen Steine und einige Bäume.» Die beiden stiegen dann zur Kantonsstrasse hinunter, sahen die Felsblöcke auf der Fahrbahn und alarmierten die Polizei. «Hauptsache ist, dass niemandem etwas passiert ist», sagt Maya Herger gefasst. «Wir leben hier in den Bergen. Da muss man mit solchen Ereignissen rechnen.»

Aus Sicherheitsgründen wurden die Strasse und der Weg der Schweiz zwischen Seedorf und der Isleten sofort für jeglichen Verkehr sowie für Fussgänger gesperrt. «Wir konnten in der Nacht die Situation nicht genau einschätzen», sagt Kantonsingenieur Stefan Flury. Erst bei Tagesanbruch konnten Spezialisten mit einem Geologen das Gebiet mit einem Helikopter sowie zu Fuss erkunden und vorerst Entwarnung geben. Kurz nach 9 Uhr begannen die Räumungsarbeiten, und bereits um 10 Uhr konnte die Kantonsstrasse wieder für den Verkehr freigegeben werden.

Eis könnte Auslöser gewesen sein

«Die genaue Ursache des Steinschlags ist nicht bekannt», sagt Flury. Eine mögliche Erklärung wäre aber Eisbildung im Fels. Denn tagsüber schmilzt Schnee. Das Schmelzwasser rinnt in Felsritzen und gefriert während der Nacht. Durch die Ausdehnung kann das Eis Felspartien wegsprengen. «Das kann in diesem Gebiet immer wieder passieren», so Flury. «Glücklicherweise konnten Bäume oberhalb der Strasse das meiste Material auffangen. Nur einzelne Steine erreichten die Fahrbahn.» Insgesamt lösten sich rund 50 Kubikmeter Gestein. Die Verantwortlichen rechnen nicht mit weiteren, grösseren Felsabbrüchen. Die Lage wird weiterhin überwacht. Zur Sicherheit der Arbeiter und der Verkehrsteilnehmer wurden Streckenposten aufgestellt. Als zusätzlichen Schutz wurden provisorische Metallpalisaden installiert. Die Räumungsarbeiten dauerten gestern den ganzen Tag. Die Höhe der Schäden kann noch nicht beziffert werden. Die Felsblöcke beschädigten Teile des Waldes, eine Mauer an der Strasse und schlugen Löcher in die Fahrbahn. Zudem demolierte ein Stein, der bis zum See hinunterrollte, das Strassengeländer. Im Einsatz standen das Bauamt Uri, die Feuerwehren Seedorf und Isenthal sowie die Kantonspolizei Uri.

Elias Bricker