Jahresrechnung
Kantonsspital Uri schliesst Geschäftsjahr mit einem Verlust ab ‒ dieser ist jedoch geringer als befürchtet

Das Urner Kantonsspital hat wegen der Pandemie im vergangenen Jahr weniger Einnahmen erzielt. Dennoch fiel das Endergebnis besser aus als erwartet.

Lucien Rahm
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Er fällt zwar tiefer aus, als erwartet worden sei. Dennoch muss das Kantonsspital Uri (KSU) beim Abschluss des vergangenen Geschäftsjahrs einen Verlust hinnehmen, wie es in einer Mitteilung schreibt. Dieser beträgt rund 961'000 Franken. Der Hauptgrund für das Minus sei in der Pandemie zu finden. Denn im März und April des vergangenen Jahres durften in den Spitälern keine Operationen mehr durchgeführt werden, die medizinisch nicht dringend notwendig sind. Therapien waren ebenfalls keine mehr möglich. So entgingen auch dem KSU Einnahmen. «Die damit verbundenen finanziellen Folgen waren gross», heisst es in der Mitteilung. Bis zum Jahresende hätten sie nicht mehr aufgeholt werden können.

Erwartet habe man nach dem Halbjahresabschluss gar einen Verlust von rund 1,8 Millionen Franken, sagt Spitaldirektor Fortunat von Planta auf Nachfrage. Denn aufgrund der Einschränkungen beim Angebot im Frühling sei man davon ausgegangen, dass sich auf die zweite Jahreshälfte ähnlich gestalten werde. «Im zweiten Halbjahr ging es dann aber ganz ordentlich weiter.» Dennoch nicht genug gut, um die Verluste des Frühlings aufzuholen. Mit der zweiten Welle im Dezember nahm der Betrieb im Spital dann aber nochmals zu – und damit die Einnahmen.

Weniger Unfälle dank Schliessung der Skigebiete

Spitaldirektor Fortunat von Planta.

Spitaldirektor Fortunat von Planta.

Bild: Urs Flüeler / Keystone (Altdorf, 4. Januar 2021)

Abgesehen von der Verschiebung von Operationen und Therapien fanden 2020 aber auch ganz allgemein weniger Patienten ins Kantonsspital. Wegen der Sicherheitsmassnahmen verzichteten manche Leute wohl lieber auf einen Spitalbesuch. «Zudem haben die Hygienemassnahmen rund um die Pandemie dazu geführt, dass wir weniger Grippepatienten hatten – sonst immer ein grosses Thema bei uns», so von Planta. Ausserdem kam es auch zu weniger Unfällen, nachdem der Bundesrat im Frühjahr 2020 die Skigebiete geschlossen hatte.

Konkret sind die Erträge des Spitals um einstellige Prozentwerte gesunken. Die Einnahmen aus stationären Behandlungen sanken gegenüber dem Vorjahr um 2,4 Millionen Franken, was einem Minus von 6,1 Prozent entspricht. Auch ambulante Behandlungen wurden übers Jahr gesehen weniger durchgeführt. Hier nahm der Ertrag um 601'000 Franken ab – ein Rückgang um 3,5 Prozent.

Aber auch die Einnahmen aus der Langzeitpflege sind vergangenes Jahr gegenüber 2019 zurückgegangen, und dies um knapp 1,2 Millionen Franken. Aus einem einfachen Grund: Die Langzeitpflegestation, auch als «Geriatrie» bekannt, wurde bereits im vergangenen März geschlossen. Seither dient die Abteilung als Coronastation. Unter dem Strich falle die Schliessung des spitaleigenen Pflegeheims aber nicht ins Gewicht, sagt von Planta. Grosse Gewinne seien damit nie gemacht worden.

Seit seiner Schliessung im März dient das Langzeitpflegeheim als Coronastation.

Seit seiner Schliessung im März dient das Langzeitpflegeheim als Coronastation.

Bild: PD

Lohnkosten und Überstunden wurden reduziert

Doch nicht nur die Einnahmen fielen 2020 tiefer aus. Auch auf der Ausgabenseite konnte das KSU Rückgänge erzielen. So konnten die Lohnkosten verglichen mit 2019 um 327'000 Franken reduziert werden, Überstunden wurden abgebaut. Denn wegen des zeitweise geringen Spitalbetriebs musste auch das Personal weniger oft eingesetzt werden. Aus der Arbeitslosenversicherung seien dem KSU dann wegen der Kurzarbeit rund 585'000 Franken zugeflossen.

Ebenso konnten die Ausgaben für das medizinische Verbrauchsmaterial gesenkt werden, und dies um 153'000 Franken gegenüber dem Vorjahr. Dabei handelt es sich beispielsweise auch um Medikamente oder Hüftprothesen. Dass diese Einsparungen angesichts der betriebsarmen Phasen nicht höher sind, liege an unvorhergesehenen Ausgaben im Rahmen der Pandemie. Zum Beispiel betreibt das Kantonsspital für die Urner Bevölkerung seit März eine Teststation, oder es mussten medizinische technische Geräte und Hygienematerialien beschafft werden. «Diese Kosten in der Höhe von 886'000 Franken wurden jedoch vom Kanton übernommen, was unter dem übrigen Betriebsertrag verbucht wurde», heisst es in der Mitteilung. Auch die Abschreibungen konnten auf einen «historischen Tiefstwert» reduziert werden und betrugen rund 1,4 Millionen Franken.

Mehr Patienten benötigt

«Der Verlust von 961'000 Franken ist nicht bedrohend», schreibt das Spital weiter. Allerdings komme er in einem «sehr ungünstigen Moment». Denn das KSU müsse in den kommenden vier Jahren einen Grossteil seiner medizinisch technischen Anlagen ersetzen. Diese werden beim Umzug in den Neubau, der derzeit entsteht, erneuert. Hierfür seien im Entwicklungs- und Finanzplan insgesamt 14 Millionen Franken vorgesehen.

Um die Kosten der neuen Anlagen auf mittlere Frist tragen zu können, müssten am Kantonsspital wieder mehr Patienten behandelt werden können. «Ansonsten droht eine schmerzhafte Korrektur der strategischen und unternehmenspolitischen Ausrichtung.» Die Hoffnung, dass die Pandemie im Sommer überstanden sein wird, hat daher auch das KSU.

Die Bilanz des Spitals weise aber nichtsdestotrotz nach wie vor eine gesunde Struktur auf, auch wenn das Eigenkapital nun um den Jahresverlust von 961’000 Franken auf 6,3 Millionen Franken gesunken ist. Das KSU weist Aktiven in der Höhe von 22,2 Millionen Franken auf und das Fremdkapital beträgt 15,9 Millionen Franken. Die Liquidität reiche aus, um den kurz- und mittelfristigen Verbindlichkeiten nachzukommen.