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Jazz-Musik trifft in der Kirche von Wassen auf sakrale Resonanz

Am Sonntag, 30. Juni, tritt die Jazz-Saxofonistin Nicole Johänntgen in der Pfarrkirche von Wassen auf. Während des Konzerts will die Musikerin dem «Chileli» besondere Klänge entlocken.
Christian Tschümperlin
Am 30. Juni tritt die Saxofonistin Nicole Johänntgen in der Pfarrkirche in Wassen auf. (Bild: Daniel Bernet, 30. Juni 2015)

Am 30. Juni tritt die Saxofonistin Nicole Johänntgen in der Pfarrkirche in Wassen auf. (Bild: Daniel Bernet, 30. Juni 2015)

Das «Chileli» von Wassen geniesst einen Nimbus weit über die Kantonsgrenzen hinaus. Von diesem «magischen» Ort fühlte sich die Jazz-Saxofonistin Nicole Johänntgen schon immer angezogen. Die 37-Jährige ergriff deshalb vor einigen Wochen die Initiative und fragte die zuständige Kirchenrätin Ursi Gerig an, ob sie im Rahmen ihrer Solo-Tournee in der Kirche spielen darf. In Wassen rannte sie offene Türen ein. Nun gibt sie am 30. Juni ihr Wassner Debüt.

Die Jazz-Musikerin lässt sich in der berühmten Kirche Wassen zu einem speziellen Solo-Konzert inspirieren. (Bild: Urs Hanhart, Wassen, 7. Juni 2018)

Die Jazz-Musikerin lässt sich in der berühmten Kirche Wassen zu einem speziellen Solo-Konzert inspirieren. (Bild: Urs Hanhart, Wassen, 7. Juni 2018)

Auf die Gäste wartet mit dem Auftritt ein ganz besonderer Nachmittag, denn: Jazz ist 20 Prozent Thema und 80 Prozent Improvisation. Auf die Improvisation in Wassen freut sich Johänntgen sehr. «Ich habe noch nie zuvor mit meinem Saxofon in der Kirche von Wassen gespielt», gesteht sie. Eine Premiere also, die verblüffen könnte. Denn welchen Impuls kann Jazz in eine Kirche hineintragen? «Lassen Sie sich überraschen», meint die Musikerin. Eines ist aber bereits jetzt klar: Jazz jongliert nicht nur mit harmonischen, sondern auch mit schrägen Tönen. Dies verleiht dem Stil eine seltene Authentizität und Tiefe. Man könnte fast soweit gehen zu sagen, dass Jazz damit das Leben widerspiegelt, das ja auch nicht nur aus frohen «Dur-Klängen» besteht.

Mit 12 Jahren entdeckte sie die Liebe zum Saxofon

Wesentliches Stilelement des Jazz ist der Puls eines Liedes, der bei einem Solo besonders gut zum Tragen kommt. «Ich kann die Melodie spontan langsam oder schnell spielen, je nachdem wie ich mich gerade fühle, was mit einer Band nur bedingt möglich ist. Beim Solo-Spiel kann ich aus dem Moment heraus entscheiden», sagt die erfahrene Musikerin. Während des Konzerts will sie 30 Minuten lang mit dem Raum «verschmelzen» und sich überraschen lassen, welche Melodien die Kirche freigibt.

Nicole Johänntgen hat die Passion zur Musik quasi schon mit der Muttermilch aufgesogen. Ihr Vater spielte auf der Posaune und der Gitarre. Bereits mit fünf Jahren begann sie mit der musikalischen Früherziehung an der Musikschule Sulzbach/Fischbachtal im Saarland, mit sechs Jahren mit dem klassischen Klavierspiel und mit 12 Jahren entdeckte sie ihre Liebe zum Saxofon. Ausschlaggebend für den Wechsel zum Saxofon war ein Auftritt von Candy Dulfer in der Sendung «Ohne Filter Extra Show» auf dem Südwestfunk. «Von ihrer Energie war ich einfach angetan, von da an wollte ich nur noch Saxofon spielen», erinnert sich Johänntgen. Dasselbe wollte sie von nun an auch tun: Die Menschen mit positiver Energie anstecken.

Inzwischen hat die Zürcherin viele Preise gewonnen, etwa 2003 den Berliner-Preis Yamaha Sax Contest oder 2006 in Fribourg den Concours de jeunes solistes de Jazz. Und sie ist mit Duos, Trios, und Quartetten quer durch Europa unterwegs und weit darüber hinaus. «Mit der Musik will ich umherreisen», sagt sie. Ihre persönlichen Highlights waren das «herzliche» Gunung in Indonesien, das «coole» Titirangi Festival in Auckland City, Neuseeland, das «verrückte» New York und die Wiege des Jazz, New Orleans.

Grundstein für eine besondere Freundschaft

In New Orleans entstand auch eine besondere Freundschaft zu Musikern, mit denen sie eine CD aufgenommen hatte. Da die CD grossen Erfolg feierte, ist daraus eine Band entstanden, die «Henry» heisst und von Zeit zu Zeit in der Schweiz und in Deutschland auf Tour ist.

Für den einen oder anderen Lacher sorgen Johänntgens Tourneen mit dem deutschen Kabarettisten Piet Klocke. Eine grosse Inspiration für sie ist auch Jazz-Legende Nils Landgren, mit dem sie regelmässig zusammenarbeitet. «Ich spielte gerade diese Woche mit ihm die skandinavische Geschichte ‹Klaus Klettermaus›, bei der ich auf dem Saxofon den ‹Waschbär› mime», sagt sie. Für Johänntgen steht fest: «Ich möchte nichts anderes mehr machen als Musik. Ich lasse mich jeden Tag neu inspirieren, davon lebe ich», sagt sie.

Und was sind ihre nächsten Projekte? «Im Juli erscheint mein neues Solo-Album», so Johänntgen. Und ab Herbst will sie an der Universität Zürich einen zweiten Master beginnen, in Musikwissenschaften und Gender Studies. Denn die Genderfrage ist auch in der Jazz-Szene gerade aktuell: «Man versucht vermehrt Frauen einzubinden», sagt sie. Ihr persönliches Ziel sind 50 Prozent Jazz-Musikerinnen auf der Bühne bei Festivals und in Clubs. Johänntgen glaubt, dass dies möglich ist. «Es gibt sehr viele gute Jazzmusikerinnen in der Schweiz und auch im Ausland», sagt sie. «Veranstalterinnen und Veranstalter müssen sich aktiv darum bemühen, Frauen in ihr Musik-Programm aufzunehmen. Wir müssen uns vernetzen, uns sichtbar machen und die Jugend inspirieren – ihnen ein Vorbild sein.»

Der Auftritt findet am Sonntag, 30. Juni um 15 Uhr in der Pfarrkirche Wassen statt. Es gibt eine Kollekte.

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