Kolumne

«Jetzt haben wir die Chance, packen wir sie!»

Schauspieler und Buchautor Urs Althaus spricht über die herausfordernde Zeit. Er hofft, dass die Gesellschaft die Zeit nutzt, um die Welt positiv zu verändern.

Urs Althaus
Drucken
Teilen
Urs Althaus

Urs Althaus

Der Virus behandelt alle gleich, kennt keine Vorurteile, unterscheidet nicht zwischen Arm und Reich und beachtet keine Landesgrenzen.

Der Bundesrat und die Urner Regierung haben sehr schnell reagiert und den Lockdown angeordnet, sowie die Grenzen gesperrt. Bravo! Das hat aber nur geklappt, weil das Schweizer Volk auch mitgemacht hat und die Weisungen freiwillig und grossartig umgesetzt hat. Ich bedanke mich bei uns allen für unsere Disziplin, dieses Biest in den Griff zu bekommen. Wir alle wussten, schützen können wir uns nur selber duch die Mottos «wir bleiben zu Hause» und «Social Distancing». Dies half uns Schreckensszenarien abzuwenden. Wir sind auf einem guten Weg.

Die Lockerungspläne des Bundesrats machen mir etwas Sorge. Ursprünglich mussten wir bei grösseren Menschenansammlungen unsere Adressen hinterlassen, um den Verlauf der Ansteckungen nachzuverfolgen. Plötzlich redete niemand mehr davon. Viele Fragen beschäftigen mich und andere: Gibt es zu wenig Tests? Und zu wenige Masken? Sollen wir einfach von unserem Erfolgsweg abweichen, obwohl uns niemand die Garantie geben kann, dass die Epidemie wieder ausbricht? Macht es Sinn, unsere Kinder schon wieder in die Schule zu schicken? Ist der Druck der Wirtschaft, so gut ich ihn nachvollziehen kann, gerechtfertigt? Denn was ist eine Wirtschaft ohne Menschen?

Gerne hätte ich mich auf Antikörper testen lassen – und bestenfalls hätte ich mein Blutplasma gespendet, um anderen zu helfen, oder damit ein Impfstoff rascher entwickelt werden könnte. Doch diese Tests lassen sich in Uri nicht durchführen. Vorerst bleibe ich in freiwilliger Quarantäne, wie ich dies schon seit zwei Monaten bin. Ich bin dankbar dafür, dass ich ein Dach über dem Kopf, zu Essen und zu Trinken habe.

Die Ungewissheit über die Zukunft verursachen auch psychische Probleme. Nur darüber spricht fast niemand, zumindest nicht öffentlich. Gott sei Dank habe ich eine Familie und Freunde, wo ich dies ansprechen kann. Auch haben wir tolle Nachbarn und Freunde, die uns anerboten haben, für uns einkaufen zu gehen. Das finde ich grossartig und bedanke mich dafür von ganzem Herzen.

Ich hoffe sehr, dass wir Menschen in dieser Zeit lernen, was wirklich wichtig im Leben ist und die Chance wahrnehmen, unsere Welt positiv zu verändern. Bin mal gespannt, ob wir den an vorderster Front stehenden Corona-Helden immer noch applaudieren, wenn alles vorbei ist. Oder uns erinnern, wie gut die Luftqualität war. Oder aber, dass in Venedig plötzlich wieder Delfine in der Bucht zu sehen waren. Jetzt haben wir die Chance, eine sozialere, gerechtere, umweltfreundlichere Welt zu erschaffen. Packen wir sie! Wunder gibt es ja immer wieder!