Urner Wahlsystem: Jetzt heisst es Köpfe aufbauen

Der Kommentar von Redaktionsleiter Florian Arnold zur deutlichen Zustimmung zum neuen Urner Wahlsystem

Florian Arnold, Redaktionsleiter
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Florian Arnold, Redaktionsleiter der Urner Zeitung.

Florian Arnold, Redaktionsleiter der Urner Zeitung.

Die Urner sagen sehr deutlich Ja zum neuen Mischwahlsystem für den Kanton Uri. Vorangegangen waren der Abstimmung zwei übergeordnete Verdikte: ein Bundesgerichtsurteil, welches das bisherige System als verfassungswidrig taxierte, – sowie der Entscheid des eidgenössischen Parlaments gegen eine Standesinitiative, welche die Unabhängigkeit der Kantone in Wahlfragen gefordert hatte. Eine Anpassung des Systems schien den Urnern somit zwingend und war unbestritten. In kleineren Gemeinden wird wie früher per Majorz gewählt; in den grösseren nach dem faireren Parteiwahlsystem «Doppelter Pukelsheim».

Spannung in die Abstimmung brachte der Landrat. Im Februar zog er die Grenze zwischen kleineren und grösseren Gemeinden neu, indem er für Parteiwahlgemeinden die Mindestanzahl Sitze im Landrat von drei auf fünf anhob. Was ist wichtiger, Kopf oder Partei? So lautete die zentrale Frage bezogen auf die potenziell neuen Majorzgemeinden Attinghausen, Flüelen, Seedorf und Silenen. Allgemein gültige Antworten lieferten auch Analysen vergangener Wahlen nicht. Gefühlsmässig dürfte aber die Kopfwahl als urnerischer angesehen worden sein.

Der Abstimmungskampf war emotional. Doch dürfte die Sache heisser gekocht worden sein als gegessen. Denn dass es durch die neuen Majorzgemeinden zu epochalen Veränderungen bei der Sitzverteilung im Landrat kommen wird, ist unwahrscheinlich. Für kleinere Parteien gilt es nun, Köpfe aufzubauen. Wer sich innerhalb der Gemeinde engagiert, hat beste Chancen, später in den Landrat gewählt zu werden – unabhängig davon, welche Partei hinter seinem Namen steht.