Kommentar

Jetzt liegt die Wahl bei Ihnen, liebe Urnerinnen und Urner

Am 8. März wählt der Kanton Uri einen neuen Regierungs- und Landrat. Florian Arnold, Leiter der Redaktion Urschweiz, meint: Für Spannung ist sicherlich gesorgt – auch dank des Doppelten Pukelsheims.

Florian Arnold, Redaktionsleiter
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Florian Arnold

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«Gesamterneuerungswahlen», was für ein geflügeltes Wort, das fast eine Spaltenbreite unserer Zeitung einnimmt! Neues Spiel, neues Glück? Die Chance auf eine komplette Neuausrichtung unseres Kantons? Zweifelsohne: Wahlen halten auch immer Überraschungen bereit. Und für Spannung ist sicherlich gesorgt – nicht zuletzt deswegen, weil sich die grösseren Urner Gemeinden erstmals mit dem System Doppelter Pukelsheim arrangieren müssen.

Allerdings lässt die Ausgangslage aber auch auf Kontinuität schliessen. Fünf von sieben Regierungs­räten wollen weiterhin im Amt ­bleiben: Landammann und Bau­direktor Roger Nager (FDP, Andermatt), Volkswirtschaftsdirektor Urban Camenzind (CVP, Bürglen), Finanzdirektor Urs Janett (FDP, Altdorf), Bildungs- und Kulturdirektor Beat Jörg (CVP, Gurtnellen) sowie Sicherheitsdirektor Dimitri Moretti (SP, Erstfeld). Daneben drängt die SVP Uri auf den Sitz zurück, den sie 2016 verlor. Landrat Christian ­Arnold, Seedorf, als offizieller Kandidat und der ­aktuelle Landrats­präsident Pascal Blöchlinger als «Wilder» möchten dies erreichen. Daneben sind aber weder die CVP noch die FDP gewillt, einen oder mehrere ihrer drei Sitze abzutreten. Auch sie schicken amtierende Landräte ins Rennen, die CVP den Erstfelder Daniel ­Furrer, die FDP den Realper Georg Simmen. Die Referenzen der Neuen unterscheiden sich somit nicht wesentlich, obwohl selbstverständlich jeder der Kandidaten seine eigene Politik verfolgt.

Über zwei Drittel der amtierenden Parlamentarier wollen eine weitere Amtszeit anhängen: 45 der 64 Landrätinnen und Landräte treten erneut zur Wahl an. Ihnen stehen 75 neue Gesichter gegenüber, welche die Geschicke des Kantons Uri gerne mitprägen würden. Wer die Liste nach Anzahl Kandidaten ordnet, merkt, dass ­diese der Reihenfolge der aktuellen Machtverhältnisse im Urner Par­lament entsprechen: Die CVP als grösste Partei im Landrat stellt mit 33 Personen auch am meisten Kandidaten, gefolgt von der FDP mit 32, der SVP mit 27 und SP/Grünen-Fraktion mit 24 Personen.

Bei der Rekrutierung neuer Kandidaten war die FDP am erfolgreichsten, hat sie doch 20 frische Gesichter nominiert. Die drei anderen Fraktionen kommen je auf 17 Neue. Neben zwei Parteilosen, die auf den Listen der Linken zu finden sind, haben sich vier Personen (noch) keiner Partei angeschlossen.

Von den 16 kleineren Gemeinden, in denen im Majorzsystem gewählt wird, sind in 11 die Würfel bereits gefallen: Hier treten gleich viele Kandidaten an, wie Sitze zur Verfügung stehen. Daneben kommt es in Andermatt, Flüelen, Göschenen und Gurtnellen zu Kampfwahlen. In Seedorf buhlen sechs Kandidaten um drei Sitze. Dem neuen Wahlsystem geschuldet treten alle Fraktionen in allen vier Proporzgemeinden an und halten sich dort kandidatenmässig ungefähr die Waage. Man darf gespannt sein, wem das neue System besonders gut in die Karten spielt.

Aus Frauensicht ist diese Wahl ernüchternd, steht die Urner Exekutive doch mit grosser Wahrscheinlichkeit bald ohne eine einzige Regierungsrätin da. Nicht ausgeschlossen, aber doch sehr erstaunlich wäre, wenn plötzlich noch ein unerwarteter Frauenname auftauchen würde. Auch für den Landrat sind neben 90 Kandidaten nur gerade 30 Kandidatinnen nominiert worden. Mit anderen Worten: Selbst wenn sämtliche Frauen gewählt würden, erreichten sie im Urner Kantonsparlament noch ­keine Mehrheit. Bei der SVP beträgt der Frauenanteil magere 11 Prozent, bei der FDP 12,5 und bei der CVP 27 Prozent. Nur bei den Linken sind die Kandidatinnen in der Überzahl (13 Frauen und 11 Männer).

Wie die Urner Wählerinnen und Wähler mit dieser Ausgangslage umgehen, wird sich weisen.