Jodlerchor aus Schattdorf ist in weltbekannter Netflix-Serie zu hören

Eine Aufnahme des Jodlerklubs Bärgblüemli aus Schattdorf hat einen Auftritt in einer weltweit bekannten Fernsehserie.

Lucien Rahm
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Während dieser Szene erklingt der Jodlerklub aus Schattdorf.

Während dieser Szene erklingt der Jodlerklub aus Schattdorf.

Bild: Screenshot Netflix

Eine rote Ameise, gezeigt aus nächster Nähe, eröffnet die neuste Folge der aktuellen Staffel der weltweit erfolgreichen Netflix-Krimidrama-Serie «Better Call Saul». Als die sechs Beine des Insekts, das sich in Richtung einer zu Boden gefallenen Glace bewegt, über das Trottoir krabbeln, erklingt plötzlich die durchdringende Stimme eines Jodlers. Wie der Untertitel auf dem Bildschirm ausweist, dürfte der Sänger mit dem Ort des Geschehens – der US-Stadt Albuquerque – nicht allzu viel zu tun haben. Er stammt nämlich aus dem Kanton Uri und ist Mitglied des Jodlerklubs Bärgblüemli aus Schattdorf.

Über eine Minute lang ist der anschliessend von einem ganzen Chor gesungene «Jänzigrat-Jüz» zu hören, währenddessen die Ameise die Glace erreicht, sie besteigt und das auf dem Kopf stehende Cornet erklettert, als würde sie einen Berggipfel erklimmen. Möglicherweise hat diese Analogie die Fernsehmacher dazu bewogen, die Szene, die weltweit von mehreren Millionen Menschen gesehen wird, mit einem Jodlerstück zu unterlegen.

Platte stammt von 1982

Bruno Aschwanden, Präsident des 23-köpfigen Jodlerklubs Bärgblüemli, erfährt durch unsere Zeitung von der Verwendung der Aufnahme seines Vereins. «Es überrascht mich, dass das Stück in einer derart grossen Produktion zum Einsatz kommt.» Warum die Verantwortlichen genau dieses Lied ausgewählt haben, ist auch Aschwanden nicht klar. «Aber es ist sicher ein schöner ‹Jüz›.»

Aufgenommen hat der Jodlerklub das Werk bereits vor Jahrzehnten. Zu seinem 40-Jahr-Jubiläum veröffentlichte er 1982 eine Schallplatte, die unter anderem den besagten Jutz enthält. Als Komponist gilt ein gewisser Karl Sigrist, der den Naturjodel 1978 als Überlieferung geschaffen und dem Obwaldner Jodlerklub Echo vom Glaubenberg gewidmet hat. Arrangiert wurde die Komposition von Melk Ulrich.

Der Jodlerklub Bärgblüemli von 1982.

Der Jodlerklub Bärgblüemli von 1982.

Bild: PD

Studio hat Aufnahme weiterverkauft

Bei der Aufnahme war damals auch Felix Arnold dabei, der seit 1978 Mitglied des Klubs ist. Als Stimme des ersten Tenors hat er beim Einsingen des Stücks in einem Studio im zürcherischen Küsnacht mitgewirkt. «Das macht natürlich schon Freude, dass das Lied nun weltweit gehört wird – eine grosse Ehre für uns», sagt der heute 74-Jährige. An der Aufnahme von damals hat er auch heute noch Freude. «Dieser urchige Klang, der durch die vier Stimmlagen entsteht, das ist einzigartig.»

Dass der Jutz irgendwann auch in andere Teile der Welt gelangte, erklärt sich Arnold damit, dass das Studio die Aufnahme später auch selbst weiterverkauft habe, da es die notwendigen Rechte besass. Mittlerweile gebe es dieses Tonstudio nicht mehr.

Den Weg in die USA hat die heute rund 40-jährige Aufnahme so mindestens über einen Sampler gefunden, auf dem verschiedene Stücke von unterschiedlichen Jodlerchören zu finden sind. Die CD «Jodelperlen: Swiss Yodeling» ist in den Vereinigten Staaten erhältlich und erfreut sich gemäss Amazon.com auch unter Amerikanern grosser Beliebtheit. «If you’re into yodel music, this is outstanding», kommentiert ein Kunde dort den Tonträger. Möglicherweise haben auch die Fernsehproduzenten auf einen solchen Sampler zurückgegriffen.

Offenbar nicht um Erlaubnis gefragt

 Bruno Aschwanden, Präsident Jodlerklub Bärgblüemli.


Bruno Aschwanden, Präsident Jodlerklub Bärgblüemli.

Bild: PD

Jedenfalls habe sie als Interpret niemand um Erlaubnis für die Verwendung gebeten, sagt Klubpräsident Aschwanden. Das habe ihn überrascht. Ärger kommt bei ihm dennoch nicht auf. Im Gegenteil: «Es ist schön, dass unser Jodlerklub auf so einer Plattform gespielt und erwähnt wird.»

Allerdings ist unklar, ob der Klub überhaupt angefragt werden musste. Das hängt von den vertraglichen Umständen ab, unter denen das Lied aufgenommen wurde. Zumindest der Urheber und der Verlag des Stückes hätten aber vorgängig angefragt werden müssen, sagt Giorgio Tebaldi, Mediensprecher der Urheberrechtsgenossenschaft Suisa, auf Anfrage. Das sei gemäss seinem Kenntnisstand nicht geschehen. Derzeit würden hierzu nähere Abklärungen getroffen.

Auch dem Jodlerklub als Interpreten könnten für die Verwendung ihrer Aufnahmen gewisse Vergütungen zustehen. Ob der Jodlerklub finanziell profitieren kann, ist Aschwanden jedoch gar nicht so wichtig. Der Sache aktiv nachzugehen, habe er nicht vor. «Wenn es etwas gibt, ist es recht und sonst ist das auch nicht so schlimm.» Die Freude über die weltweite Präsenz scheint zu überwiegen.

Hinweis: Das nächste Mal wird der Jodlerklub Bärgblüemli am 1. und 2. Mai zu hören sein. Jeweils um 20 Uhr tritt er dann in der Aula des Gräwimattschulhauses in Schattdorf auf.