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JUBILÄUM: Gemeinde feiert ihre Treib-Seelisberg-Bahn

Die Treib-Seelisberg-Bahn fährt seit 100 Jahren und ist aus der Gemeinde nicht mehr wegzudenken. Bis ein Projekt umgesetzt wurde, brauchte es aber einiges.
Christoph Näpflin
Heute verkehrt die Bahn jährlich rund 10 000 Mal und befördert so über 90 000 Fahrgäste. (Bild Christoph Näpflin)

Heute verkehrt die Bahn jährlich rund 10 000 Mal und befördert so über 90 000 Fahrgäste. (Bild Christoph Näpflin)

Am kommenden Montag jährt sich die erste Fahrt der Treib-Seelisberg-Bahn zum 100. Mal. Mit einem Bahnhofsfest feiert die Bahn nun am kommenden Wochenende das grosse Jubiläum. Während am Samstagnachmittag Musikanten live in den beiden Bahnwagen spielen, findet am Sonntag um 10.30 Uhr auf dem Bahnhofplatz ein Festgottesdienst begleitet von der Waldstätterländlermesse statt. Anschliessendem gibt es ein Folkloreprogramm mit Festwirtschaft im grossen Festzelt. Der Festanlass ist öffentlich. Am Montag, 30. Mai, dem eigentlichen Geburtstag der Bahn, fahren alle Gäste zum Preis von 100 Rappen – gleich wie vor 100 Jahren. Bis Ende Jahr gibt es zudem jeden Monat Spezialangebote.

Sänftentragen wird zu Boom

Die Bahn ist aus Seelisberg nicht mehr wegzudenken. Dabei war vor etwas mehr als 100 Jahren nicht klar, ob es je eine solche geben würde. Tourismus spielte in Seelisberg seit dem Bau einer Wallfahrtskapelle im 17. Jahrhundert eine wichtige Rolle. Die ersten Gäste übernachteten noch häufig in Kuhställen oder im Wald. 1874 aber entstand das heutige Grand-Hotel Sonnenberg, was auch vornehme Gäste anzog. Viele von ihnen wurden auf Sänften vom See hochgetragen. Dies entwickelte sich zu einem lukrativen Geschäft, sodass der Gemeinderat die Träger ermahnen musste, neben dieser Arbeit auch noch zu Haus und Hof zu schauen. Schon 1854 wurde für das Hochtragen ein Preis von 3 Franken verlangt. Erst als dann das Grand-Hotel Sonnenberg auf eigene Rechnung eine Strasse von Treib bis zum Hotel Sonnenberg bauen liess, war es mit der Trägerromantik vorbei.

Krieg verzögert Projekt

1883 wurde dem Gemeinderat ein erstes Bahnprojekt vorgelegt. Allerdings hatte man Angst, das Dorfleben könne darunter leiden, sodass das Projekt scheiterte. 1905 versuchte es die Gemeinde Seelisberg selber, scheiterte aber an den Finanzen. Am 24. Juni 1910 erhielt das Gesuch vom Bau einer Standseilbahn von Treib nach Seelisberg von der Bundesversammlung die nötige Konzession. Leo Meyer aus Altdorf wurde kurze Zeit später an die Spitze der neuen Bahngesellschaft berufen, der er bis 1945 vorstand. Ausgerechnet 1914, als mit dem Bau begonnen wurde, brach der 1. Weltkrieg aus und verzögerte das Projekt. Erst am 30. Mai 1916 nahm die Treib-Seelisberg-Bahn ihren fahrplanmässigen Betrieb auf.

Der Zürcher Architekt H. H. Peter übernahm den Bau. Dieser hatte bereits Erfahrungen mit der Jungfrau-Bahn. Zudem hatte er ein neues Brems- und Antriebssystem für Standseilbahnen entwickelt, das höhere Fahrgeschwindigkeiten zuliess und die Bahn leistungsfähiger machte. Gut 400 000 Franken kostete das Projekt schliesslich.

Vorerst nur Sommerbetrieb

In den ersten Betriebsjahren fuhr die Bahn nur von April bis Oktober. Mit immerhin 50 000 Fahrgästen konnte die Bahn trotz Krieg ins erste Betriebsjahr starten. Um mehr Fahrgäste für die Bahn zu erhalten, betrieb die Treib-Seelisberg-Bahn zusammen mit dem Tourismusverein 1923 eine Motorbootlinie zwischen Treib und Brunnen. Die Fahrgastzahlen stiegen kontinuierlich an und überstiegen 1925 zum ersten die Marke von 100 000 Fahrgästen. Ab 1932 fuhr die Bahn dann das ganze Jahr. Rekordtag ist aber bis heute der 9. August 1996, wo dank einer sportlichen Grossveranstaltung 6683 Personen die Treib-Seelisberg-Bahn benutzten.

Lange Zeit änderte sich wenig an Technik und Rollmaterial. Zum 50-Jahr-Jubiläum 1965 wurden neue Bahnwagen angeschafft. Die aus Aluminium gefertigten Bahnen hatten mehr Platz, waren geschlossen und im Winter heizbar. Allerdings wäre beim Anliefern der Wagen beinahe ein Unglück passiert: Der Kran, der den Bahnwagen von einem Nauen auf die Schiene hätte setzen sollen, kippte auf dem gefrorenen Boden fast um. Der nigelnagelneue Bahnwagen verschwand zur Hälfte im Wasser.

Synergien werden genutzt

1967 wurde auf eine Fernsteuerung umgestellt, was den Maschinisten seine Stelle kostete. Heute kann die Bahn an Randzeiten sogar im Einmannbetrieb gefahren werden. Neben dem Bahnbetrieb kamen für das Personal neue Aufgaben hinzu. 1966 eröffnete das Unternehmen einen Kleinbusbetrieb. Später kamen Schülerfahrten dazu und ab 1973 der Kursbetrieb zwischen Seelisberg und Emmetten. Bis heute fahren die Busse der Treib-Seelisberg-Bahn im Auftrag von Postauto Zentralschweiz. Bereits 1963 gab es eine Übereinkunft mit dem örtlichen Verkehrsverein zur Führung eines Tourismusbüros. Dieses wird noch heute im Auftrag von Uri Tourismus geführt. Aber auch spannende Zusammenarbeitsprojekte wie dasjenige der «Bergbahnmatrosen», einer Zusammenführung der Mitarbeiterteams von Schiff und Bahn im Winterhalbjahr, führten zu interessanten Synergien.

Christoph Näpflin

Theaterbahn

Ein weiterer Höhepunkt ist die Theaterbahn im August 2016. An den ersten beiden Wochenenden spielen neun Laienschauspieler zusammen mit zwei Musikanten die Geschichte der 100-jährigen Bahn. Mit der Bahn fahren die Zuschauer von Schauplatz zu Schauplatz und erleben hautnah, wie die vielen Bahn-Projekte entstanden, die Bahn gebaut wurde und sich die Geschichte der letzten 100 Jahre entwickelte. Im fünften Akt wagt das Theaterspiel sogar einen Blick in die Zukunft. Das wohl einzigartige Theater verspricht einen unterhaltsamen Abend mit ein paar humorvollen Überraschungen. Die Theaterbahn verkehrt vom 4. bis 6. sowie 11. bis 13. August jeweils um 20 Uhr in Seelisberg und dauert rund 80 Minuten. Billette sind ab sofort bei der Treib-Seelisberg-Bahn erhältlich.

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