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Diese jungen Urner brechen Berufsklischees auf

Als jeweils einzige Berufsabsolventen ihres Geschlechts haben sie ihre Lehren abgeschlossen. Alessio Triulzi ist Fachmann Gesundheit, Michaela Brand Elektroinstallateurin. Unsere Zeitung hat den beiden auf den Zahn gefühlt.
Remo Infanger

An den Feiern der Lehrabschlüsse der vergangenen Woche standen im Theater Uri junge Frauen und Männer verschiedener Berufe im Rampenlicht. Zwei Absolventen genossen dabei besondere Aufmerksamkeit. Nicht etwa, weil sie mit dem UKB- oder Urner Lehrlingspreis ausgezeichnet wurden, sondern weil die beiden Berufsleute heuer als jeweils einzige Absolventen ihres Geschlechts in ihrem Beruf eine Rede hielten.

Alessio Triulzi als Gurtnellen war zwischen 27 Fachfrauen Gesundheit der einzige Fachmann, Michaela Brand aus Altdorf die einzige Frau neben 22  Elektroinstallateuren. In einem Interview mit den jeweils selben Fragen erklären die beiden Absolventen, wie man sich fühlt, in einer Domäne des anderen Geschlechts zu arbeiten. Ob Bartstoppeln am Pflegebett oder Frauenpower auf der Baustelle – die beiden Lehrabsolventen brechen berufliche Klischees auf und erzählen aus ihren Erfahrungen.

Alessio Triulzi
Fachmann Gesundheit

Zwischen 27 Absolventinnen der Fachleute Gesundheit (FaGe) war Alessio Triulzi der einzige Fachmann, der in der ersten Juli-Woche das Fähigkeitszeugnis entgegennehmen durfte. Der 19-jährige Gurtneller arbeitet im Kantonsspital Uri und erzählt, wie es ist, in der Schule der «Hahn im Korb» zu sein.

Alessio Triulzi fühlt sich in der beruflichen Frauendomäne wohl. (Bild: Urs Hanhart (Altdorf, 6. Juli 2018))

Alessio Triulzi fühlt sich in der beruflichen Frauendomäne wohl. (Bild: Urs Hanhart (Altdorf, 6. Juli 2018))

Ist Fachmann Gesundheit ein eher ungewöhnlicher Beruf für einen Mann oder war es blosser Zufall, dass Sie der einzige männliche Absolvent in ihrem Jahrgang waren?

FaGe ist schon eher ein Männer-untypischer Beruf, wobei man sagen könnte, dass die Anzahl Männer in diesem Job tendenziell steigt. Zwei Lehrjahre unter mir arbeiten jetzt bereits drei Fachmänner Gesundheit. Ich habe auch meine Vertiefungsarbeit über dieses Thema geschrieben mit dem Titel «Bartstoppeln am Pflegebett». Nach der FaGe-Ausbildung kann man die höhere Fachschule auf Pflege absolvieren. Diese treten bereits mehr Männer an.

Wie fühlt man sich, als Mann in einem Job zu arbeiten, der offensichtlich eine Frauendomäne ist?

Am Anfang war das schon speziell. Von der Schule bin ich mir eher ein männliches Kollegenumfeld gewohnt. Dementsprechend waren auch die Gesprächsthemen etwas anders und man hatte mehr «Seich im Kopf». Dann kommt man in eine Frauenklasse und fragt sich, wie man wohl als einziger Mann aufgenommen wird. Es hat sich dann aber rasch herausgestellt, dass das überhaupt kein Problem war. Lustig war auch unsere Abschlussreise in Bulgarien, wo manch einer gestaunt hat, als ich mit mehr als 20 Frauen angelaufen kam.

Gab es kritische Stimmen, die Ihnen vielleicht Maurer oder Elektroinstallateur als Job eher ans Herz gelegt hätten?

Nein, das gab es überhaupt nicht – weder in der Familie noch im Kollegenkreis. Nur im Ausgang stiess ich manchmal auf verdutzte Gesichter. Fragte man mich nach meinem Beruf, stellte ich meistens die Gegenfrage, was sie denn denken. Die Antwort hiess in der Regel Maurer, Metallbauer und so weiter. Als ich dann meinen Beruf aufdeckte, waren die Leute oft erstaunt oder klopften auch mal einen Spruch. Mit der Zeit nimmt man das mit Humor.

Sehen Sie sich bei der Ausführung mancher Aufgaben den Frauen gegenüber im Vorteil?

Durch die Körperlichkeit bin ich in einzelnen Aufgaben manchen Frauen ein wenig im Vorteil. Aber auch wenn ich einen jüngeren Mann als Patienten habe, der mir dann eher etwas anvertraut, als einer Fachfrau, ist das ein Vorteil. Jedenfalls kann man von einem gemischten Team nur profitieren.

Was war ihr Traumberuf als Kind?

Als grosser James-Bond-Fan wollte ich immer Geheimagent werden. Da mein Traumberuf jetzt aber Rettungssanitäter ist, entschied ich mich, zunächst einmal im gesundheitlichen Bereich schnuppern zu gehen. FaGe hat mir dann auf Anhieb gefallen.

Was gefällt Ihnen besonders an Ihrem Beruf?

Ich mag den Kontakt mit verschiedenen Leuten und die Arbeit im Team. Man lernt die Menschen mit ihren Lebensumständen kennen. Auch interessiere ich mich für die Medizin, wovon ich im Spital sehr profitiere.

Sind vorurteilsbehaftete Berufe ein Problem?

Ich denke schon. Gerade im Alter des Berufseinstiegs haben Freunde einen grossen Einfluss auf die Wahl des Jobs. Einige entscheiden sich dann vielleicht gegen eine Stelle, die ihnen zwar gefallen würde, aber halt nicht typisch Mann oder Frau ist.

Wie macht man eine Frauenbranche für männliche Berufseinsteiger interessanter?

Es ist unter anderem die Ansicht der Gesellschaft, welche sich ändern müsste. Die Leute haben eine Vorstellung von einer Krankenschwester – und das ist eben eine Frau. Es erstaunt, dass dieses Bild seit Jahrzehnten immer noch gleich geblieben ist. Auch bei Infoveranstaltungen in Schulen ist es wichtig, dass man Bilder zeigt, auf denen Männer und Frauen zu sehen sind – egal, welchen Beruf man vorstellt.

Wie geht es jetzt nach dem Abschluss beruflich weiter?

Im November beginne ich an der höheren Fachschule für Gesundheit. Mein Ziel ist es, Rettungssanitäter zu werden oder in der Anästhesie zu arbeiten.

Michaela Brand
Elektroinstallateurin

22 Elektroinstallateure, eine Elektroinstallateurin – Michaela Brand hat 2018 als einzige Frau ihres Berufs die Lehre im Elektrizitätswerk Altdorf (EWA) abgeschlossen. Die 19-jährige Altdorferin erklärt, wie man eine Männerbranche für Berufseinsteigerinnen interessanter machen kann.

Frauenpower auf der Baustelle: Michaela Brand bei ihrer Arbeit. (Bild: Florian Arnold (Altdorf, 6. Juli 2018))

Frauenpower auf der Baustelle: Michaela Brand bei ihrer Arbeit. (Bild: Florian Arnold (Altdorf, 6. Juli 2018))

Ist Elektroinstallateurin ein eher ungewöhnlicher Beruf für eine Frau oder war es blosser Zufall, dass sie die einzige weibliche Absolventin in ihrem Jahrgang waren?

Man kann schon sagen, dass Elektroinstallateur ein eher ungewöhnlicher Beruf für eine Frau ist. Trotzdem stelle ich fest, dass es immer mehr Elektroinstallateurinnen gibt. So war ich im EWA lange Zeit die einzige Frau, mittlerweile habe ich zwei Unterstiftinnen.

Wie fühlt man sich, als Frau in einem Job zu arbeiten, der offensichtlich eine Männerdomäne ist?

Mir hat es nichts ausgemacht, nur mit Männern zusammenzuarbeiten. Alle haben stets gut auf mich geschaut, haben Rücksicht genommen, und wenn etwas anfangs nicht funktionierte, durfte ich immer auf die Hilfe der Männer zählen. Auch auf der Abschlussreise mit 21 Männern habe ich mich sehr wohl gefühlt. Klar, mit blöden Sprüchen zwischendurch muss man rechnen, aber die halten sich erstens in Grenzen und sind zweitens nie wirklich böse gemeint.

Gab es kritische Stimmen, die Ihnen vielleicht Coiffeuse oder Fachfrau Gesundheit als Job eher ans Herz gelegt hätten?

Nein. Am Anfang sprach ich zwar nicht so gerne darüber, wenn mich jemand nach meinem Beruf fragte. Ich wusste einerseits, dass es für mich genau der richtige Beruf ist, der mir unglaublich gut gefällt, hatte jedoch manchmal Angst, man würde meine Berufswahl negativ auffassen. Das spielte sich jedoch nur im Kopf ab, denn als ich wirklich mit jemand darüber sprach, war die Reaktion zwar überrascht – aber immer sehr positiv.

Sehen Sie sich bei der Ausführung mancher Aufgaben den Männern gegenüber im Vorteil?

Da ich die kleineren Hände habe als die Männer, bin ich bei feinen Arbeiten im Vorteil. Zudem habe ich das Gefühl, dass die Vorgesetzten auf der Baustelle bei mir einen anderen Umgangston anschlagen als bei meinen Arbeitskollegen. Sie sind dann eher zurückhaltender und vielleicht ein wenig rücksichtsvoller.

Wie war Ihr Traumberuf als Kind?

Lange Zeit hatte ich gar keinen Traumberuf. Was aber bereits seit Beginn feststand: Ich wollte etwas Handwerkliches machen, am allerliebsten auf einer Baustelle. So schnupperte ich bei den Berufsinfotagen nur bei den handwerklichen Berufen. Weil mich die Elektrizität immer schon faszinierte, fiel die Wahl dann auf Elektroinstallateurin. Als ich schliesslich beim EWA anfangen durfte, wusste ich, dass ich das Richtige gefunden habe.

Was gefällt Ihnen besonders an Ihrem Beruf?

Am besten gefällt mir die Vielseitigkeit: Mal habe ich mit Kunden zu tun, mal bin ich auf einer Grossbaustelle, teilweise wird man körperlich gefordert, dann gibt es wieder lockerere Arbeiten.

Sind vorurteilsbehaftete Berufe ein Problem?

Vorurteile im Beruf sind nach wie vor ein Problem, weil viele ein gewisses «Kistendenken» haben. Frauen überlegen sich oft gar nicht erst, solch einen Beruf auszuüben. Ich finde aber, dass sie das genau so gut könnten, wie die Männer. Und umgekehrt können Männer auch genau so gut in «Frauen-Jobs» etwas bewirken.

Wie macht man eine Männerbranche für Berufseinsteigerinnen interessanter?

Für Frauen gibt es sicherlich anfangs eine gewisse Hemmschwelle, in einer Männerbranche einzusteigen. Vielleicht braucht es mehr Frauen, die am Anfang zeigen können, dass es auch in einer Männerdomäne klappt. Darum ging ich im vergangenen Jahr in Schulklassen, um ein Stück weit aufzuklären.

Wie geht es jetzt nach dem Abschluss beruflich weiter?

Ich wechsle zwar die Abteilung, erhielt aber die Festanstellung beim EWA.

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