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JUSTIZ: Koch fordert 18000 Franken von Ex-Chef

Ein ehemaliger Koch eines Gastrobetriebs ist der Ansicht, dass ihm noch mehrere Monatslöhne zustehen. Das ehemalige Wirtepaar ist anderer Meinung. An der Hauptverhandlung vor dem Urner Landgericht gab es aber nur eine Sichtweise zu hören.
Die Justitia trägt eine Waage als Symbol für das richterliche Abwägen der Schuld (Symbolbild Keystone).

Die Justitia trägt eine Waage als Symbol für das richterliche Abwägen der Schuld (Symbolbild Keystone).

Der Koch glänzte am Montag erneut durch Abwesenheit. Nachdem er bereits vor einer Woche der Beweisverhandlung vor Gericht ferngeblieben war, erschien er auch nicht zur Hauptverhandlung. Das Landgerichtspräsidium muss sich daher bei der Beurteilung der Sichtweise des Klägers auf die Akten stützen. Das Wirtepaar und dessen Anwalt waren hingegen bei beiden Gerichtsterminen persönlich anwesend, um ihren Standpunkt zu vertreten.

Der grosse Streitpunkt zwischen dem Wirtepaar und seinem ehemaligen Koch ist die Kündigung. Der Koch soll am 28. April 2015 mündlich auf den 31. Mai gekündigt haben. Das jedenfalls sagt der Arbeitgeber. Der Koch bestreitet dies. Kurz nach dem mutmasslichen Kündigungstermin erlitt der Koch einen Bandscheibenvorfall. Er war von Mai bis Ende September für arbeitsunfähig erklärt worden und zu 100 Prozent krankgeschrieben. Schriftlich reichte er erst per 3. November die Kündigung ein. Seiner Meinung nach stehen ihm deshalb noch ­mehrere Monatslöhne zu, die er über den Rechtsweg einfordert. Insgesamt will er 18000 Franken.

Gutes Vertrauensverhältnis

Der Wirt betonte am Montag vor ­Gericht, dass er ein sehr gutes Verhältnis zu seinem Koch gehabt habe. «Wir hatten kein reines Chef-Angestellten-Verhältnis.» Vieles habe auf gegenseitigem Vertrauen basiert. Daher habe man sehr vieles mündlich gemacht. So sei am 28. April auch die Kündigung mündlich erfolgt. Der Wirt lobte den Koch für dessen Arbeit. Er erwähnte aber auch, dass dieser die Einkäufe nicht richtig im Griff hatte. Weil man Fleischwaren wegwerfen musste, hatte dies auch finanzielle Konsequenzen. Zudem soll der Koch im Affekt eine Wok-Schale beschädigt haben.

Nach dem Bandscheibenvorfall des Kochs änderte sich das Verhältnis zwischen Chef und Angestelltem schlagartig. Ab diesem Zeitpunkt hatte der Wirt keinen Kontakt mehr mit seinem ehemaligen Angestellten.

Für die Wirtin ist die ganze Sache eine «traurige Angelegenheit». Sie habe ihren Mann dazu gedrängt, eine schriftliche Kündigung zu verlangen. «Der Koch hatte zwei Gesichter.» Ihr Mann habe ihm immer geholfen, wenn er finanzielle Probleme hatte.

Der Anwalt des Wirtepaars forderte, die Klage vollumfänglich abzuweisen. Der Koch müsse aufgrund seines chronischen Geldmangels eine Sicherheitsleistung von 3000 Franken erbringen – um allfällige Gerichtskosten zu begleichen. Befragt werden müsse zudem der Facharzt. «Ein Bandscheibenvorfall führt nicht unbedingt zu einer hundertprozentigen Arbeitsunfähigkeit», gab sich der Anwalt überzeugt. Zumindest teilweise hätte der Koch noch arbeiten können.

Markus Zwyssig

markus.zwyssig@urnerzeitung.ch

Hinweis: Das Urteil wird den Parteien in den nächsten Tagen schriftlich zugestellt.

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