Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Urs Kälin ist für den Sprung nach Bern gewappnet

Der Altdorfer Gemeindepräsident will auf Bundesebene mitreden. Seine beruflichen und politischen Erfahrungen sollen ihm dabei helfen.
Markus Zwyssig
Urs Kälin: «Was in Bern entschieden wird, bestimmt unseren Alltag.» (Bild: Urs Hanhart, Altdorf, 30. August 2019)

Urs Kälin: «Was in Bern entschieden wird, bestimmt unseren Alltag.» (Bild: Urs Hanhart, Altdorf, 30. August 2019)

Urs Kälin möchte gern politisch auf nationaler Ebene mitmischen. «Was in Bern entschieden wird, bestimmt unseren Alltag», sagt der Altdorfer SP-Politiker. «Es ist wichtig, was dort oben passiert. Das hat Einfluss auf unser Leben in allen Details.» Als Beispiel nimmt er die Cervelat. «Da wird vorgeschrieben, was rein darf, ob brasilianischer Naturdarm zugelassen ist und was auf die Verpackung gehört.» Weil das, was im National- und Ständerat entschieden wird, derart entscheidend ist, möchte er in Bundesbern seinen eigenen und den Urner Standpunkt einbringen.

Ist er mit 60 Jahren nicht zu alt, den Kanton Uri im Nationalrat zu vertreten? Das Politisieren sei keine Altersfrage, kontert er. «Viele Mitglieder im Nationalrat sind noch älter», gibt er zu bedenken. Zudem trage seine Kandidatur auch den demografischen Veränderungen Rechnung. Die Menschen in der Schweiz und auch im Kanton Uri werden immer älter. Daher ist er überzeugt: «Der Nationalrat soll ein Abbild der Gesellschaft sein. Da ist meine Kandidatur sicher berechtigt.»

Als Nationalrat würde er seine berufliche Tätigkeit aufgeben

Kälin arbeitet als stellvertretender Direktor des Schweizerischen Sozialarchivs in Zürich. Daher ist er vertraut mit der Planung und der Strategieentwicklung. Er hat zahllose Mitarbeiter- und Anstellungsgespräche geführt. Im Falle einer Wahl in den Nationalrat würde er seine berufliche Tätigkeit aufgeben. Der promovierte Historiker sagt jedoch: «Was ich in Beruf und Politik an Fähigkeiten und Fertigkeiten im Führungsbereich gelernt habe, das wird mir auch für die Tätigkeit als Nationalrat nützlich sein.»

Bei seinem Amt als Altdorfer Gemeindepräsident ist ebenfalls ein Ende absehbar. Kälin will aber noch die laufende Legislatur bis Ende 2020 beenden. «Das bin ich der Wählerschaft und dem Gemeinderatskollegium schuldig», sagt er. Die Arbeit als Gemeindepräsident findet er extrem interessant. «Alles passiert direkt vor der eigenen Haustüre. Es ist eine sehr dankbare Arbeit. Hier kann ich etwas bewegen.» So hat er massgeblich mitgewirkt bei der Teilprofessionalisierung der Feuerwehr oder beim Aufbau von TriffAltdorf. Stark beteiligt war er auch bei der Reorganisation des Alters- und Pflegeheims Rosenberg und bei der Einsetzung des Gewerbecoaches. Als Vertreter der Gemeinde ist er Verwaltungsratspräsident des Alters- und Pflegeheims Rosenberg und Mitglied im Verwaltungsrat des EWA. «Bei all diesen Tätigkeiten habe ich sehr viel gelernt. Dabei geht es auch um die Verantwortung für mehrere hundert Arbeitsplätze.»

Drei heisse Fragen an den Kandidaten

(MZ) Sind Sie der Einzige, den die SP ernsthaft in den Wahlkampf um den Urner Sitz im Nationalrat schicken kann?
Das sollten Sie besser bei der Geschäftsleitung nachfragen. Wir haben in der SP und bei den Grünen viele fähige Leute, sie belegen aber bereits die verschiedensten Chargen. Sie machen in den verschiedenen Behörden oder im Urner Landrat mit und stehen daher für einen Wahlkampf um einen Nationalratssitz momentan nicht zur Verfügung.
Stehen Sie nicht zu sehr links, um in Bern die Mehrheit des Volks zu vertreten?
Darüber werden die Urner Stimmbürgerinnen und Stimmbürger am 20. Oktober entscheiden. Mein grosser Trumpf ist, dass ich gewohnt bin, an Lösungen mitzuwirken und darin eine grosse Erfahrung habe. Ich will etwas bewegen. Natürlich hat man seine Überzeugungen, aber ich bin eigentlich kein Ideologe.
Es gibt viele Leute, die finden, Sie seien abgehoben und zu wenig volksverbunden. Was sagen Sie zu diesem Vorwurf?
Ein Stammtischpolitiker bin ich nicht und auch kein Festwirt, aber eben auch nicht Mitglied bei elitären Service-Clubs oder Golf-Spieler. Als Gemeindepräsident habe ich häufig Kontakte mit ganz unterschiedlichen Gruppierungen. Ich treffe auf Trachtenleute, Jäger, Kleintierzüchter oder Fussballveteranen. Mir ist noch nie zu Ohren gekommen, dass ich ein Problem damit hätte, mich mit den unterschiedlichsten Menschen zu unterhalten und mit ihnen ein paar interessante Stunden zu verbringen.

Lebenserfahrung hat Kälin auch mit seiner Familie gesammelt. Seine drei Kinder sind inzwischen erwachsen. «In einer Familie lernt man mit Schwierigkeiten umzugehen und Unerwartetes zu bewältigen», so Kälin. Und wie gross schätzt er seine Chancen ein, gewählt zu werden? In Altdorf kenne man ihn und seine Art zu politisieren, sagt er.

«Es ist für mich aber schwierig abzuschätzen, wie ich in anderen Gemeinden wahrgenommen werde.»

Das Rennen um den einzigen Urner Sitz im Nationalrat ist für Kälin offen. Alle vier Urner Parteien buhlen darum. Weil sich die bürgerlichen Kandidaten gegenseitig Stimmen wegnehmen, stehen auch die Chancen für einen Kandidaten aus dem rot-grünen Lager gut. Urs Kälin nimmt es gelassen. Die Kandidatur sieht er auch als eine Chance, Standpunkte und Positionen aufzuzeigen. Das bietet eine gute Ausgangslage: «Im nächsten Frühling gibt es wieder Wahlen.» Landrat und Regierungsrat werden neu gewählt – und da will die SP auch wieder mitmischen.

Klimapolitik und demografischer Wandel als zentrale Themen

Für Urs Kälin ist bei einer Wahl in den Nationalrat die Klimapolitik ein zentrales Thema. Wichtig ist für ihn das künftige Verhältnis der Schweiz zu Europa. Einsetzen will er sich für das Sozialversicherungssystem, das unter Druck steht. «Der demografische Wandel macht sich spürbar», sagt er. «Arbeit ist ein Menschenrecht. Man muss sie klug verteilen. Weil jetzt die geburtenstarken Jahrgänge aus dem Arbeitsprozess ausscheiden, wird der Mangel an Fachkräften zu einer grossen Herausforderung.» So werde es beispielsweise im Pflegebereich immer schwieriger, qualifiziertes Personal zu finden. «Da müssen wir uns etwas einfallen lassen», so Kälin.

Die Regionalpolitik und der Verkehr liegen ihm am Herzen. Kälin nutzt selber als Pendler oft die öffentlichen Verkehrsmittel. Zudem sieht man ihn häufig mit dem Velo oder zu Fuss unterwegs. Auf ein Auto verzichtet Kälin bewusst. Er hat auch keine Fahrprüfung gemacht.

Die andere Sicht

(MZ) Andreas Bossart arbeitet seit neun Jahren mit Urs Kälin zusammen im Altdorfer Gemeinderat. Der 47-jährige Unternehmer bezeichnet seinen Ratskollegen als sehr erfahren, intelligent und zielstrebig. «Manchmal kann er aber auch hartnäckig sein», so Bossart. Kälin sei ein perfekter Politiker, der nicht nur die Altdorfer Sicht sehe, sondern überregional und sogar schweizweit denke. «Auch ist er sehr gut vernetzt», so Bossart. Als FDP-Politiker sei er nicht immer derselben Meinung wie Kälin. Bossart sagt aber auch: «Die Partei ist auf Gemeindeebene eigentlich irrelevant. Es geht vielmehr um die Sache.» Kälin getraue sich zu sagen, was nicht alle gerne hören würden. Auf ihn könne man sich aber verlassen.»

In der zunehmenden Digitalisierung unserer Welt sieht Kälin für Uri eine grosse Chance. «Digitale Arbeitsformen sind standortunabhängig. Das kann dazu beitragen, ländliche Gebiete wieder zu beleben.» Er denkt dabei beispielsweise an dezentrale Arbeitsformen wie Home-Office. Kälin weist auf die Bedeutung der Zahlungen aus dem NFA hin. Die seien für Uri sehr wichtig, genauso wie die Wasserzinsen. «Zu beiden müssen wir durch intelligente Politik Sorge tragen.»

Der Kanton Uri hat nur einen einzigen Vertreter in der grossen Kammer in Bern. Um als Einzelkämpfer Einfluss zu haben, müsse man seriös arbeiten, gut argumentieren und andere überzeugen können. «Dazu braucht es Erfahrung, Leidenschaft und Fingerspitzengefühl.» Ebenso wichtig wie die Ratstätigkeit sei die Arbeit in den vorberatenden Kommissionen. «Vor allem da kann man etwas bewegen», ist er überzeugt.

Bei der SP war Kälin jahrelang in der Geschäftsleitung tätig. Gleichzeitig war er Präsident der SP Altdorf. Als Pendler suchte er eine Tätigkeit, die er vor allem am Abend oder am Wochenende ausführen konnte. «Ich habe darauf geachtet, dass ich Ämter annehme, die nicht mit extrem vielen Abend-Sitzungen verbunden sind. Dossiers kann man auch im Zug studieren und dabei auch Vernehmlassungsantworten verfassen.»

Kälin sieht in Milizparlament Vor- und Nachteile

Ein Problem sei, dass die Arbeit im Nationalrat nicht gerade üppig bezahlt sei. Da werde man sehr schnell abhängig, wenn man Mandate und Verwaltungsratssitze in Industrie und Verbänden annehme. Kälin versichert: «Ich bin unbestechlich.» Seine Unabhängigkeit will er sich auch gegenüber der eigenen Partei bewahren. Die innerparteiliche Demokratie hält er für eine unverzichtbare Grundlage jeder lösungsorientierten Politik. Dass wir in der Schweiz kein Berufsparlament haben, hat für ihn auch Vorteile. «Die Ratsmitglieder sind im Berufsalltag eingebunden.» Das, so Kälin, sei realitätsnaher als nur ausschliesslich Politik zu machen. Man wisse dann eher, wo der Bevölkerung der Schuh drücke.

Die «Urner Zeitung» stellt in diesen Wochen alle Kandidaten für die Wahlen vom 20. Oktober vor. Bereits erschienen sind die Porträts der beiden Ständeratskandidaten Josef Dittli und Heidi Z’graggen sowie dasjenige von Nationalratskandidat Pascal Blöchlinger.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.